Stuttgart-Killesberg Historisches Karussell dreht sich wieder

Von Torsten Ströbele 

Im Höhenpark Killesberg geht Eliszis Jahrmarktstheater in seine 21. Saison. Am Samstag, 23. April, geht es los. Historische Fahrgeschäfte und Auftritte des Kaspers warten.

Auch das Karussell mit seinen  handgeschnitzten Figuren aus dem  19. Jahrhundert wird bis November in Betrieb sein Foto: Torsten Ströbele
Auch das Karussell mit seinen handgeschnitzten Figuren aus dem 19. Jahrhundert wird bis November in Betrieb seinFoto: Torsten Ströbele

Stuttgart-Killesberg - Eliszis Jahrmarktstheater ist zurück. Seit Montag bauen die Helfer um Uwe Kircher im Höhenpark Killesberg den nostalgischen Rummel am Fuße des Aussichtssturms wieder auf. Der historische Jahrmarkt wird am Samstag, 23. April, in seine 21. Saison starten.

„Wir sind dieses Jahr etwa vier Wochen später dran als sonst“, sagt Uwe Kircher. „Wir wurden schon schmerzlich vermisst.“ Viele E-Mails hätten ihn erreicht, ob denn etwas passiert sei. „Es ist alles in Ordnung. Wir haben nur im Januar nach vielen Jahren mal wieder Urlaub gemacht“, sagt Kircher und lächelt. Die Zeit habe für die Vorbereitung einfach gefehlt.

In den Wintermonaten arbeitet Kircher an den historischen Fahrgeschäften und Wagen. Sie benötigen viel Pflege. Das Pferdekarussell mit seinen handgeschnitzten Holzpferden, Kutschen und anderen Tieren wurde beispielsweise Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und 2010 komplett restauriert. „Vor der Restauration war dieses Karussell etwa 50 Jahre lang nicht mehr im Einsatz und somit von der langen Lagerung stark beeinträchtigt“, sagt Kircher. Die Theater- und Verkaufswagen, mit denen Eliszis Jahrmarktstheater unterwegs ist, seien zwischen 60 und 120 Jahre alt. „Den ältesten Wagen habe ich vor einer Feuerwehrübung gerettet“, sagt Kircher. Viele Jahre sei das seltene historische Stück in einem Kindergarten in Fellbach als Spielhaus genutzt worden, ehe es von den Floriansjüngern angezündet werden sollte. „Ich habe den Wagen vorher mitgenommen. Es war mein erster historischer“, sagt der gelernte KfZ-Mechaniker. Damals habe er noch in einer Werkstatt gearbeitet. „Ich bin normal bürgerlich aufgewachsen – als Privater, wie man im Künstlerjargon sagt“, erzählt Kircher und lacht. Doch als eine Dame regelmäßig ihren alten Mercedes-Bus zu ihm in die Werkstatt brachte, fand er nicht nur Gefallen an dieser Frau, sondern auch ihrer Arbeit. Schon damals war Eliszi Böhm als Clownin und Puppenspielerin tätig. „Sie hat im Zirkus und auf Jahrmärkten gearbeitet. Das hat mich fasziniert“, sagt Kircher. Darin sah auch er eher seine Berufung, als weiterhin in einer Werkstatt sein Geld zu verdienen. „Historische Fahrzeuge stehen meistens nur rum. Das ist mir zu wenig. Ich wollte die Fahrgeschäfte und Wagen zum Leben erwecken und nicht ins Museum stellen.“

Am 7. Mai wird am Fuße des Aussichtsturms auch getanzt

Er und Eliszi Böhm fanden schließlich zusammen – privat und auch geschäftlich. Sie gründeten Eliszis Jahrmarktstheater. „Vor 21 Jahren haben wir dann den Platz hier im Höhenpark bekommen“, sagt Kircher. Damals sei noch die Messe am Killesberg angesiedelt gewesen. Die Stuttgarter Messegesellschaft habe starkes Interesse daran gehabt, dass der historische Jahrmarkt an diesem Standort wächst. „Also haben wir im Winter immer versucht, etwas zu kaufen und zu restaurieren.“ Mittlerweile sei ein richtiger Rummelplatz entstanden. Zu dem Karussell gesellen sich unter anderem die mehr als 80 Jahre alte Schiffschaukel oder die Hutwurfbude, die um das Jahr 1880 gebaut wurde.

Auch eine Klappnotenorgel, Baujahr 1889, ist zu sehen, genauso wie das Theaterzelt von 1938. In diesem ehemaligen Karussellbau wird am Eröffnungswochenende, 23. und 24. April, auch der Zauberer Doctor Marrax zu sehen sein – jeweils von 16 Uhr an. An den folgenden Wochenenden und an Feiertagen wird Eliszi Böhm einige Abenteuer des Kasper zeigen. „Sie hat rund 15 Stücke im Repertoire. Jede Woche wird ein anderes zu sehen sein“, sagt Kircher.

Und auch abends ist bei Eliszis Jahrmarktstheater etwas los. Am Samstag, 7. Mai, ist beispielsweise die Gruppe „TangoInPetto“ zu Gast. Ab 20 Uhr darf getanzt werden. „Das kommt immer sehr gut an. Wir haben an solchen Abenden bis zu 200 Besucher“, sagt Kircher.

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