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Stuttgart Missbrauchsvorwurf frei erfunden

Susanne Janssen, vom 26.03.2010 09:00 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Der 50-jährige Carsten S. (alle Namen geändert) fiel aus allen Wolken, als am 6. August des vergangenen Jahres auf einmal die Polizei vor seiner Tür stand. Er solle ein damals zehnjähriges Mädchen in seinem Bekleidungsgeschäft in einem Ladenzentrum im Norden Stuttgarts sexuell missbraucht haben. Die heute zwölfjährige Tania habe sich erst Freundinnen anvertraut, dann, als eine Mutter zur Polizei ging, einer Kriminalbeamtin alles erzählt. Da die Vorwürfe schwer wogen - er soll extra seine Ladentür von innen verriegelt haben - kommt Carsten S. einige Tage später in Untersuchungshaft.

Das Opfer ist eine heute Zwölfjährige, die als geistig behindert gilt. Das Missbrauchserlebnis schilderte sie der Polizistin flüssig und detailreich. Sie sei Mitte Februar 2008 nach der Gymnastik in den Jeansladen gegangen und habe sich umgeschaut, erzählte sie. Der Ladenbesitzer habe dann die Tür verriegelt und die Vorhänge geschlossen. Dann habe er sie an der Brust und im Schritt angefasst. Sie schilderte ihre Bekleidung, sie erzählte, dass der Mann ihr eine CD mitgegeben habe. Sie habe einer Freundin alles anvertraut.

Alles sprach gegen den Ladenbesitzer


Das führte dazu, dass der Mann in Untersuchungshaft kam. Zwar fanden die Polizisten an der Ladentür keinen Riegel, aber ein paar Bohrlöcher. Carsten S. verdankt es seinem Verteidiger, der nicht locker ließ - und immer mehr Widersprüche zutage förderte. So soll die Tat im Februar 2008 gewesen sein - die Werbe-CD mit Sommermode hatte der Angeklagte aber nachweislich erst im Juli 2008 gebrannt. Dann kam heraus, dass die Bohrlöcher von einer Umhängung der Tür stammten. Und schließlich schrieb Tania im Oktober 2009 der Polizei einen Brief, in dem sie einräumte, fälschlich zwei Jungen wegen einer Sachbeschädigung beschuldigt zu haben. Carsten S. wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, das Gericht beauftragte eine Sachverständige, die Tanias Glaubwürdigkeit prüfen sollte.

Zeugin ist nicht glaubwürdig


In der Verhandlung am Donnerstag vor dem Landgericht stellte die Kinder- und Jugendpsychiaterin ihre Ergebnisse vor. Zunächst sei sie angetan gewesen von der konstanten Aussage der Zwölfjährigen, erklärte die 57-Jährige. Dann habe sie aber weitere Details erzählt, zum Beispiel, dass der Mann ihre Jacke zerrissen habe. Dann erklärte sie, dass sie nie in dem Jeansladen gewesen sei. Früher aber sei oft dort gewesen, als ein türkischer Schuhladen und vorher ein russisches Geschäft dort gewesen seien. "Sie erzählte viele Details", so die Gutachterin - doch der Angeklagte betreibt dort seit mehr als 20 Jahren sein Geschäft.

Die Psychiaterin kam zu dem Schluss, dass sich die Zwölfjährige in eine Scheinwelt geflüchtet habe. Sprachlich sei sie absolut nicht minderbegabt - und da sie mit sechs Jahren schon vorzeitig in die Pubertät gekommen sei, habe sie auch über Sexualität Bescheid gewusst. Als herauskam, dass sie gerne Gerichtsshows sieht und häufiger bereits Lügengeschichten erzählt hatte, stand für die Gutachterin fest: Auf dieser Grundlage sollte niemand verurteilt werden. Carsten S. wurde frei gesprochen.
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Kommentare (13)
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APR
09
17:34 Uhr, geschrieben von Steffen Nüsslein, Schlossstr. 30, 90478 Nürnberg
Missbrauchsvorwurf frei erfunden
Auch in der Strafjustiz ist es so, dass der Staat vorgibt, Lebenssachverhalte zu regeln, die er nicht regeln kann. Die Justiz steht der Infamie und krankhaften Bösartigkeitspricht der BürgerInnen von heute machtlos gegenüber. Gerade die Amtsgerichte urteilen im Stundentakt Menschen ab und nehmen gewissenlos in Kauf, damit Menschenleben zu zerstören. Rache, Neid, Eifersucht, Wichtigtuerei u. a. sind Anzeigemotive. Für ein Hinterfragen fehlt den verbeamteten RichterInnen die Zeit, das Engagement und die Befähigung. Wenn Aussage gegen Aussage steht hat der Angezeigte meist Pech. Denn Richteraufgabe ist vornehmlich das Verurteilen. In meiner Beamtenlaufbahn als Polizeibeamter drängte sich immer stärker der Eindruck auf, dass Fehlurteile einplant sind, den Unwägbarkeit und Unberechenbarkeit der Justiz schreckt die Bürger zusätzlich. Der Mißbrauch der Justiz durch vorgetäuschte Straftaten hat im übrigen System. Nicht der Mißbrauch des Mißbrauchs ist der bedauernswerte Einzelfall. Das Aufdecken der Anzeigenlüge ist der Einzelfall. Steffen Nüsslein KHK a. D.
MRZ
27
07:55 Uhr, geschrieben von eicklerstuttgart
Typisch Polizei und Staatsanwaltschaft
Wie sollte es anders kommen. Eine geistig Behinderte erzählt einer gutgläubigen Polizeibeamtin einen haufen Unfug und diese glaubt dem Kind natürlich. Sie hätte der Beamtin auch erzählen können das "Bin Laden" gerade im Anflug auf den Stuttgarter Hauptbahnhof ist. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen beantragt die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den vermeindlichen Täter, ein Geschäftsmann mit bestem Ruf !Vor Gericht hat der Mann nur Glück das er einen guten Anwalt hat der sich für Ihn einsetzt. Wer weiß wieviel Unschuldige in den JVA`s sitzen weil irgentwelche Beamten und Staatsanwälte jeden Unsinn glauben und dann meinen im Namen der "angeblichen" Opfer einen Rachefeldzug durch deutsche Gerichte starten zu müssen. Natürlich gibt es richtige "Opfer" aber ebenso gibt es auch " falsche " Angeklagte. Ein bischen Menschenkenntniss und vor allem " Logik " wäre oft angebracht. Vor allem würde mich Interessieren ob man sich bei dem Mann entschuldigt hat, seitens der Polizei - Staatsanwaltschaft und der angeblich mißhandelten?
MRZ
26
17:50 Uhr, geschrieben von LupoLeinfelden
Heutzutage...
... hat man immer öfters Pech, wenn man als Mann zur Welt gekommen ist. Solche falschen Verdächtigungen gibt es schon lange und sie scheinen anzusteigen. Klar, Jugendliche sind heutzutage clever und sie wissen um die Brisanz des Themas, das von den Medien regelmäßig hochgekocht wird. Warum auf diese Weise nicht versuchen, einen unbliebten Lehrer, lästigen Vorgesetzten etc. loszuwerden. Versuchen kann man es ja mal. Und wenns schief geht, dann hat der Mann Pech gehabt, denn an ihm bleibt was hängen, er steht ab sofort unter Beobachtung! Dass viele Frauen in Scheidungskonflikten dem Mann einen sex. Mißbrauch der Kinder anhängen ist leider auch nichts neues, wird aber meines Wissens meistens aufgedeckt. Aber hängen kann dennoch was bleiben, am Mann natürlich! Warum redet in dieser Gesellschaft eigentlich niemand über Frauen, die vom Mann verlassen wurden, sich aber den Sohn als Gattensubstitut halten?
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