Stuttgart-Möhringen Mit Kamera und Mikrofon im Kuhstall unterwegs

Von Leonie Schüler 

Die ZDF-Sendung „37 Grad“ hat über den Generationenwechsel auf dem Reyerhof berichtet. Wir haben die Möhringer Bauern nach Reaktionen auf den Fernsehbeitrag gefragt.

Christoph Simpfendörfer will den Hofbetrieb abgeben. Foto: Archiv Lichtgut/Piechowski
Christoph Simpfendörfer will den Hofbetrieb abgeben. Foto: Archiv Lichtgut/Piechowski

Möhringen - Es war ein Abendprogramm der besonderen Art: Rund zwanzig Leute saßen am Dienstagabend vor dem Fernseher auf dem Reyerhof und schauten gemeinsam die Sendung „37 Grad“ im ZDF. Auf dem Programm stand der Beitrag „Feierabend, Bauer! Generationswechsel auf alten Höfen“. Zu sehen waren unter anderem die Möhringer Bauern Christoph Simpfendörfer und Dorothea Reyer-Simpfendörfer sowie ihr Nachfolger Lukas Dreyer mit seiner Frau Anna-Sophie. Ein Reporterteam hatte den Demeter-Hof über den Zeitraum von einem halben Jahr fünfmal besucht und war dabei der Frage nachgegangen: Wie kommen Altbauern und ihre Nachfolger in der Übergangsphase miteinander zurecht?

Christoph Simpfendörfer zieht sich aus dem Hofbetrieb immer mehr zurück, da er eine Stelle bei dem weltweiten Netzwerk „Demeter International“ angetreten hat. Da das Ehepaar keine Kinder hat, die ihren traditionsreichen Bauernhof übernehmen möchten, haben sie extern nach einem Nachfolger gesucht. Der 29-jährige Lukas Dreyer stieg zunächst probeweise mit ein, bereits nach einem halben Jahr übernahm er die Betriebsleitung. „Das Loslassen war nicht einfach“, sagt Simpfendörfer. „Aber wir haben das Glück, dass Lukas die gleichen Werte wie wir teilt.“ Da die Arbeit auf dem Bauernhof alleine kaum zu stemmen ist, sucht der junge Landwirt aber noch einen Partner, mit dem er den Hof in Zukunft gemeinsam führen kann.

Die Landwirte sind mit dem Beitrag zufrieden

Sowohl Lukas Dreyer als auch Christoph Simpfendörfer sind mit dem Fernsehbericht zufrieden. „Er beschreibt die Situation sehr differenziert, feinfühlig und nicht wertend“, sagt Simpfendörfer. Ein paar Aspekte seien zwar zu kurz gekommen – zum Beispiel werde nicht erwähnt, dass der Hof Demeteranbau betreibe, und auch der Hofladen werde nicht gezeigt. Der Bauer hat aber Verständnis dafür, dass das umfangreiche Filmmaterial gekürzt werden musste. Der Zeitaufwand für die Dreharbeiten sei recht hoch gewesen, sagt der 58-Jährige. „Aber wir sind routiniert, wir hatten schon viel Medienkontakt.“ Er hofft, durch die Sendung noch mehr Mitglieder für die Betriebsmethode solidarische Landwirtschaft zu finden. Die Mitglieder beteiligen sich finanziell am Hof und bekommen dafür wöchentlich Obst und Gemüse.

Sowohl von Ladenbesuchern als auch aus dem privaten Umfeld haben die Möhringer Bauern Reaktionen auf die ZDF-Sendung erhalten. „Alle fanden den Beitrag sehr positiv“, sagt Simpfendörfer. Selbst am anderen Ende der Welt ist die Sendung geschaut worden: „Jemand hat sich aus Aus­tralien gemeldet und möchte sich als Partner von Lukas Dreyer bewerben.“

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