Stuttgart-Möhringen Was wäre gewesen, wenn Hitler früher gestorben wäre?

Von Georg Linsenmann 

Der Autos Heiger Ostertag stellt seinen neuen historischen Roman vor: „Der Hitler-Code“. Dabei entwirft er eine Welt, in der Hitler zu Tode kommt, bevor er den Zweiten Weltkrieg auslösen kann.

In seinem neuen Buch entwirft Heiger Ostertag eine Welt, in der Adolf Hitler zu Tode kommt, bevor er den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brechen kann. Foto: Georg Linsenmann
In seinem neuen Buch entwirft Heiger Ostertag eine Welt, in der Adolf Hitler zu Tode kommt, bevor er den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brechen kann. Foto: Georg Linsenmann

Möhringen - In Möhringen zu wohnen, das ist ganz praktisch für Dr. Heiger Ostertag. Allein schon wegen der Nähe zum Flughafen. Denn Ostertag ist viel unterwegs. Auch jetzt ist er wieder auf dem Sprung, der Flieger nach Berlin steht fast schon bereit. Für die nächste Vorort-Recherche, fürs „China-Projekt“, das ob der vielen politischen Implikationen auch ein „literarisches Puzzle durch Berlin“ werden wird, wie er sagt. Wie auf einer Simultanbühne fliegen bei ihm jetzt die Projekte durchs Gespräch, denn wer an fünf Büchern für fünf fixe Verträge gleichzeitig arbeitet, der agiert eben unter Starkstrom. So weiß er nicht einmal ganz genau, wie viele Bücher er bereits geschrieben hat: „Inzwischen sind es bestimmt über 30“, sagt er und scheint dabei selbst ein wenig zu staunen.

Ostertag mag den Kontakt zu seinen Lesern

Eine Punktlandung hat Ostertag eben auf der Buchmesse in Frankfurt hingelegt und dabei schon des Titels wegen einige Aufmerksamkeit erregt: „Der Hitler-Code“ heißt das Buch, das er am Mittwoch, 8. November, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung Ebert, Filderbahnstraße 38, auch seinen lokalen Fans vorstellen will: „Das ist mir ein Bedürfnis. Ich mag den nahen Kontakt zu den Lesern. Und bei diesem Thema könnten die Gespräche besonders interessant werden.“

Von Haus aus ist Ostertag Historiker und Germanist, hat zu einem literaturhistorischen Thema zum Kaiserreich promoviert. Ein Fundus, aus dem er für eine ganze Reihe von historischen Romanen zu der Zeit geschöpft hat, wobei er sich zu einem erfolgreichen Autor der Gattung „dystopischer Historienthriller“ entwickelte. Der Begriff stammt von ihm selbst und ist mit „Was wäre gewesen wenn?“ durchaus passend übersetzt. Was wäre also, zum Beispiel, gewesen, wenn das Kaiserreich den Ersten Weltkrieg nicht verloren hätte?

Mitten drin in Fake News und Manipulation der Massen

Eine solche experimentelle Perspektive nimmt Ostertag auch beim „Hitler-Code“ ein: „Was wäre gewesen, wenn Hitler zu Tode gekommen wäre, bevor er den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen hat? Das Thema hat sich aufgedrängt, als ich im Zuge von Vorträgen sogar bei Lehramtskandidaten auf die Vorstellung stieß, ohne Krieg und Holocaust ließe sich Hitler als netter Mensch denken. Diese Unkenntnis empfand ich als Herausforderung“, betont Heiger Ostertag.

Also lässt er den Reichskanzler im August 1939 abstürzen. Ein Fall, der im Buch dann in der Gegenwart neu aufgerollt wird: „Und schon sind wir mitten drin in Fake News und Manipulation der Massen!“, legt Ostertag los. Zuviel will er nicht verraten, nur dies: „Deutschland und Europa bleibt der Krieg erspart, das Dritte Reich reformiert sich, bleibt aber eine Diktatur. Und Hitler wird gebraucht als große Projektionsfigur.“ Warum das interessant sein soll? „Weil sich so darstellen lässt, was bei uns bis ins Heute hinein im Untergrund brodelt. Dieser Bodensatz interessiert mich“, sagt Ostertag.

Der Autor will aufklären

Mit einem Essay hatte er das Feld schon beackert: „Aber in der literarischen Form, in der Kombination von historischen Fakten und Fiktion kann man das dem Publikum viel näher bringen. Und diese Nähe kann auch zum Nachdenken anregen.“ Davon ist Ostertag überzeugt: „Ich will auch als Autor Aufklärung betreiben, das ist sehr nötig!“ Gleichwohl reizt ihn auch „die künstlerische Freiheit des Schriftstellers, die Herausforderung, dafür eine passende Sprache zu finden, die das Historische in die Gegenwart transportiert, sich sprachlich aber nicht anbiedert“, erklärt Ostertag und fügt hinzu: „Ich bin da in einer spannenden Zwitterposition, aber das reizt meinen literarischen Ehrgeiz. Und beim ‚Hitler-Code’ war die Herausforderung besonders groß.“ Drei Jahre hatte er an dem Buch gearbeitet. Schnell trinkt er seinen Milchkaffee aus, und schon ist er wieder weg. Der Flieger ruft.

Sonderthemen