| Zeitungsgruppe Stuttgart |Freitag, 10. Februar 2012
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Stuttgart Neue Bibliothek feiert Richtfest

Thomas Borgmann, Fotos: Alexander Thoms, vom 12.05.2010 16:14 Uhr
Hoch die Ballone! Eitel Sonnenschein herrschte beim Richtfest an der neuen Bibliothek auf dem Gelände von Stuttgart 21. Foto: Weise
Hoch die Ballone! Eitel Sonnenschein herrschte beim Richtfest an der neuen Bibliothek auf dem Gelände von Stuttgart 21. Foto: Weise
""In unserer Gesellschaft geht es um Wissen und lebenslanges Lernen.""
Wolfgang Schuster,

Stuttgart - Vor lauter Freude hat Wolfgang Schuster am Mittwoch seine Rede vor den vierhundert Richtfestgästen mit einem Freud'schen Versprecher begonnen: "Zum Spatenstich heiße ich Sie alle herzlich willkommen!" Als der Oberbürgermeister sein Versehen bemerkte, erinnerte er spontan daran, "dass auch beim Spatenstich die Sonne geschienen hat". Und weil er schon bei der Vergangenheit war, sagte er auch dies: "Vor 13 Jahren hat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zum Bau der Bibliothek gefasst. In vielen anderen Städten müssen jetzt die Büchereien geschlossen werden, während wir ein Zeichen setzen können, eine Investition von 79 Millionen Euro in Kultur und Bildung." Dieses Geld sei "gut angelegt", so der OB, "schließlich leben wir in einer Wissensgesellschaft, in der es um das lebenslange Lernen geht.

"Städtebaulich betrachtet sei, so Schuster, die neue Bibliothek "das Herz und die Mitte des Europaviertels, ein Leuchtturm und ein Markstein". Er begrüße es, dass sich der Sparkassenverband des Landes dazu entschlossen habe, seine neue Berufsakademie in unmittelbarer Nachbarschaft bauen zu lassen; dieses Projekt werde zusätzlich junge Leute in das Quartier von Stuttgart 21 bringen. Er hoffe, dass der Städtebau im Europaviertel weitergehe und auch die Probleme mit der Deutschen Bahn auf dem Areal an der Wolframstraße gelöst werden könnten. Zugleich kündigte der OB an, dass das Wilhelmspalais nach dem Auszug der Stadtbücherei im Juli 2011 zu einem Stadtmuseum umgebaut werde. "In drei Jahren, von heute an gerechnet, soll dieses Museum eröffnet werden."

Der Staatssekretär Dietrich Birk vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst beglückwünschte die Stadt "zu dieser Investition in die Bildung". Es sei gut, "auch in Zeiten knapper Kassen solche Projekte zu verwirklichen". In Baden-Württemberg, so Birk, gebe es 800 kommunale Büchereien mit mehr als 15 Millionen Medien. "Gerade die Leseförderung", so betonte Birk, "ist dem Land ein großes Anliegen." Birk kündigte an, dass das Land die feste Absicht habe, die dringend notwendige Erweiterung der Landesbibliothek an der Kulturmeile bis zum Jahr 2013 zu verwirklichen, wenn diese Institution ihr 250-jähriges Bestehen feiern könne.

Eine Investition in Kultur und Bildung


Der koreanische Architekt Eun Young Yi sagte vor den Richtfestgästen: "Dieser Bau ist bisher ohne Probleme verlaufen - der Rohbau steht aufrecht." In den kommenden zwei Monaten werde die Fassade vervollständigt, dann werde sich "weithin sichtbar zeigen, dass dieser Bau die perfekte Größe für dieses Stadtquartier besitzt". Von der neuen Bibliothek aus werde man "einen atemberaubenden Blick auf die Stadt haben". Auch Ingrid Bußmann, die Leiterin der Stadtbücherei, vermochte ihre Vorfreude auf das neue Haus kaum zu zügeln: "Woche für Woche erleben wir, wie aus unserer Vision ein reales Gebäude wird." Dem Gemeinderat sei zu danken dafür, dass er diese Investition mit breiter Mehrheit beschlossen und zur Eröffnung im Herbst nächsten Jahres 19 zusätzliche Personalstellen genehmigt habe. Bußmann erinnerte daran, dass die Stadtbücherei mit der Schließung der Mediothek und der Rathausbücherei ihren Beitrag zur notwendigen Sparpolitik der Stadt leiste.

Nach Angaben aus dem Rathaus sind die Arbeiten für den Tunnel der künftigen Stadtbahnlinie U12 unter der neuen Bibliothek mittlerweile abgeschlossen. Die ersten Bahnen könnten allerdings erst sechs Monate nach der Eröffnung des Neubaus fahren. Bis dahin werde aber die nahe gelegene Haltestelle unter der Türlenstraße zur Verfügung stehen.

Im Nachklang zu dem Richtfest am Nachmittag präsentierte der städtische Planungsstab für das künftige Stadtmuseum am Abend im Wilhelmspalais den preisgekrönten Entwurf für die innere Umgestaltung. Der Stuttgarter Architekt Arno Lederer und sein Kollege Thomas Hundt vom Planungsbüro Jangled Nerves erläuterten vor mehr als einhundert Gästen ihre Entwürfe und Ideen. Anja Dauschek, die Leiterin des im Kulturamt angesiedelten Planungsstabes, sagte: "Das neue Stadtmuseum soll mehr sein als nur ein Museum - ein öffentlicher Ort, an dem über Stuttgart diskutiert wird vor dem Hintergrund seiner Geschichte." Museen des 21. Jahrhunderts seien "Orte der Kommunikation und keine Orte des Sammelns und Bewahrens wie die Museen des 19. oder 20. Jahrhunderts". Ein Schwerpunkt ihres Konzeptes sei es, so Dauschek, Kinder und Jugendliche mit interessanten Angeboten ins Wilhelmspalais zu locken. Auch Architektur und Stadtplanung sollten zu einem Hauptthema in dem neuen Haus werden. Um das künftige Stadtmuseum frühzeitig in der Bürgerschaft zu verankern, werde man noch in diesem Jahr einen Verein der Freunde des Stadtmuseums gründen.

Der Architekt Arno Lederer nutzte die Gelegenheit der ersten öffentlichen Präsentation seiner Museumspläne zu einem Kompliment an Anja Dauschek: "Unsere Zusammenarbeit ist ein unglaublich positiver Prozess." Das von dem großartigen Stuttgarter Architekten Wilhelm Tidje Anfang der sechziger Jahre wieder aufgebaute Wilhelmspalais biete "die einmalige Chance, nach dem Auszug der Stadtbücherei im Sommer 2011 in einen Ort verwandelt zu werden, der seine Attraktivität behalte". Zu diesem Zweck werde man das Palais am Charlottenplatz im Inneren völlig ausbeinen und nur die denkmalgeschützten Fassaden belassen. Außerdem werde er das künftige Museum zur Kulturmeile hin weiter öffnen.
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Kommentare (13)
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AUG
15
21:27 Uhr, geschrieben von Christiane
Echt zum Heulen!!!
Ja, unser OB hat sich noch einmal in seiner Geschmacklosigkeit selbst übertroffen! Wer gerne und oft in die Biblitothek geht hat mit diesem Bücherwürfel im Niemandsland echt die A...karte gezogen. Gott sei´s gedankt, es gibt ja noch die Stadtteilbibliotheken. Oder werden die 2011 auch noch wegsaniert???
MAI
14
16:49 Uhr, geschrieben von volker s.
Centre Pompidou-Metz
Das Haus der Schlümpfe
MAI
13
20:01 Uhr, geschrieben von Ichwillweghier
Passt zu Stuttgart
Dieser Würfel ist so wie die ganze Stadt: öde, trist, geistlos und nichtssagend. Wer Herrn Schuster zum OB wählt (wenn auch nur mit Ach und Krach), hat nix anderes verdient.
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