Stuttgart-Plieningen Wenn Buntbarsche Tomaten ernähren und andersrum

Von Thomas Krämer 

Es klingt komplizierter, als es ist: In einer Aquaponikanlage ernähren sich Fische und Pflanzen gegenseitig. Wie das funktioniert, ist seit Neuestem in der Stadtteilbücherei in Stuttgart-Plieningen zu besichtigen.

In einer Aquaponikanlage bedingen sich Fisch- und Pflanzenzucht gegenseitig, erklärt Bastian Winkler. Foto: Thomas Krämer
In einer Aquaponikanlage bedingen sich Fisch- und Pflanzenzucht gegenseitig, erklärt Bastian Winkler. Foto: Thomas Krämer

Plieningen - Über den Begriff stolpert, wer kein Latein in der Schule gehabt hat. Doch eigentlich versteckt sich hinter dem Wort „Aquaponik“ ein vergleichsweise einfacher Vorgang, der in der Natur allerorten abläuft und nun in den Lesegarten der Plieninger Bücherei geholt wurde.

Denn dort wurde am Rande des Familienfestes am Samstagnachmittag die neue Aquaponikanlage vorgestellt. „Das ist eine Kombination aus den Begriffen Aquakultur und Hydroponik“, erklärt Bastian Winkler vom Verein Grünfisch e.V., das bedeutet nichts anderes als Fisch- und Pflanzenzucht.

Fische lassen Tomaten wachsen

Der Kreislauf beginnt mit der Fütterung der Fische. „Hier im Aquarium schwimmen afrikanische Buntbarsche, die sind sehr robust in der Unterhaltung, wachsen schnell und sind Allesfresser“, erklärt der Agrarwissenschaftler. Im Wasser lebende Bakterien bauen den Kot der Fische zu mineralischen Nährstoffen ab, die zu den Pflanzen geleitet werden. Die haben ihre Wurzeln nicht in der Erde, sondern genau in eben jenem Wasser, das aus dem Aquarium abgeleitet wird.

„Wir haben uns hier in der Bücherei für Tomaten, Paprika, Salat, Gurken, Kräuter und Chili-Pflanzen entschieden“, sagt Winkler. „Diese Nutzpflanzen ziehen unter anderem Stickstoff, Phosphor und Kalium aus dem Wasser und bauen damit ihre Triebe, Blätter und letztlich auch die Früchte auf“, erläutert Winkler.

Das geklärte Wasser gelangt dann wieder in das Aquarium „der Kreislauf beginnt von Neuem“, sagt der Forscher und hofft auf eine gute Ernte, denn sowohl die Früchte als auch die Fische können gegessen werden. Eine solche Anlage sei auch bestens für Privatpersonen geeignet und erfordere nur wenig Aufwand. „Die Fütterung als auch die Kontrolle der Wasserqualität erfolgen automatisch“, sagt Winkler. Anhand dieser Schauanlage in der Bücherei wolle man den Menschen und vor allen Dingen Kindern zeigen, wie der Kreislauf der Natur funktioniert.

Der Lesegarten der Bücherei sei der perfekte Platz für die Anlage

„Mit der Aquaponikanlage verfolgen wir zwei Ziele“, sagt Inka Jessen. Zum einen gehe es um Share Economy“, also den nachhaltigen Handel, so die Leiterin der Stuttgarter Stadtteilbibliotheken. „Zum anderen wollen wir den Menschen das Thema „Urban Gardening“ näherbringen“ – was auf gut Deutsch schlicht und einfach Gärtnern in der Stadt heißt.

Der Lesegarten der Plieninger Bücherei sei dafür ein perfekter Platz, zumal man diese Gärten ohnehin für bürgerschaftliches Engagement öffnen wolle. Denn für die von Grünfisch e.V. gebaute, knapp über 1000 Euro teure Anlage gab es Unterstützung vom Bürgerverein Plieningen und dem Plieninger Werkraum.

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