Stuttgart-Sonnenberg/Stuttgart-Kaltental Die Sonnenberg-Klinik wird 50 Jahre alt

Von Eileen Breuer und  

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Johanna Läpple und Wilhelm Bitter die Notwendigkeit einer stationären Psychotherapie erkannt. Bis heute ist die Sonnenberg-Klinik mit ihrem besonderen Konzept gefragt.

Die Gebäude sind in die Jahre gekommen. Bald soll es einen Neubau geben. Foto: Archiv A. Kratz
Die Gebäude sind in die Jahre gekommen. Bald soll es einen Neubau geben. Foto: Archiv A. Kratz

Sonnenberg - Als Adelheid Weber 2003 Patientin in der Sonnenberg-Klinik gewesen ist, ging es ihr schlecht. Sie hat Probleme in der Arbeit und in der Familie gehabt. Obwohl seit ihrem Aufenthalt nun mehr als ein Jahrzehnt vergangen ist, setzt Weber sich immer noch für die Klinik ein. Die ehemalige Patientin ist inzwischen die Vorsitzende des Fördervereins. Dass Weber sich engagiert, hat vor allem persönliche Gründe: „Für mich gibt es ein ‚Vor der Sonnenberg-Klinik‘ und ein ‚Nach der Sonnenberg-Klinik‘“, sagt sie.

Das Haus an der Christian-Belser-Straße am Waldrand zwischen Kaltental und Sonnenberg gibt es seit 50 Jahren. Am Samstag begeht das Team das Jubiläum mit einem Festakt im Vortragssaal der Neuen Staatsgalerie Stuttgart. Die Geschichte der Klinik beginnt in den 1950er Jahren. Damals erkannten die Psychoanalytiker Johanna Läpple und Wilhelm Bitter die Notwendigkeit einer stationären Psychotherapie. Bis dato gab es nur die Psychiatrie. Zusammen mit Frauenverbänden gründeten die beiden Psychoanalytiker 1958 den „Verein Haus für Neurosekranke“. Das Ziel war der Bau eines Krankenhauses für seelisch kranke Menschen, die in der Mangelsituation nach dem Zweiten Weltkrieg keine Chance auf eine adäquate psychotherapeutische Behandlung hatten.

Therapeuten begleiten den Alltag

Neun Jahre dauerte es, um Bund, Land und Krankenkassen von der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung zu überzeugen und Fördermittel zu erhalten. Die Stadt Stuttgart stellte das Grundstück für die Klinik zu günstigen Bedingungen in Erbbaupacht zur Verfügung. Schließlich konnte die Sonnenberg-Klinik am 1. Oktober 1967 ihre Pforten eröffnen.

Das Konzept der Sonnenberg-Klinik ist bis heute etwas Besonderes. Dort werden die Patienten stationär behandelt. Das bedeutet, dass die Ärzte sie nicht nur in Therapiestunden erleben, sondern sie auch im Alltag begleiten können. Trotzdem ist die Klinik ein sogenanntes Plankrankenhaus und kein Zentrum für Rehabilitation. In der Sonnenberg-Klinik werden Patienten mit Depressionen, Ess- und Persönlichkeitsstörungen, mit Angst- und Zwangsstörungen behandelt.

Förderverein sucht aktive Mitglieder

Der Förderverein ermöglicht den Patienten vor Ort das ein oder andere zusätzliche Angebot. So gibt es zum Beispiel Filmvorführungen, bei schönem Wetter im Sommer steht die Leinwand im Freien. Außerdem organisiert der Förderverein Vorträge, zu denen aber in der Regel nur Patienten, Ärzte und Therapeuten geladen sind. Auch ein Informationsabend für Interessierte und Angehörige wird angeboten. Daneben kümmert sich der Verein darum, dass Zeitungen in den Auslagen liegen.

Trotz der 130 Mitglieder kämpft der Förderverein derzeit ums Überleben, denn die Posten im Verein müssen besetzt werden. Das ist aber teilweise nicht möglich. Der Grund dafür: Viele der Patienten kommen nicht aus der Nähe, sondern wohnen über ganz Deutschland verteilt. „Die sind zwar Mitglied, können aber nicht aktiv dabei sein“, sagt Adelheid Weber und ergänzt: „Es müssen Leute nachrücken.“ Ansonsten sei das Fortbestehen ungewiss.

Doch nicht nur der Förderverein befindet sich im Umbruch, sondern auch die Klinik selbst. Die Gebäude sind deutlich in die Jahre gekommen. Eine Komplettsanierung kommt aber nicht infrage, stattdessen soll es einen Neubau geben.

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