Stuttgart von oben – Porsche Von der Reutter-Baracke zum Porsche-Museum

Von Bernd Zeyer 

Unsere Luftbilderserie zeigt, wie stark sich Stuttgart seit 1955 verändert hat. Der Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen ist ein hervorragendes Beispiel – hier wurde massiv um- zu zugebaut.

Im Slider unten sowie in der Bildergalerie  zeigen wir, wie sich der Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen seit 1955 verändert hat. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart 4 Bilder
Im Slider unten sowie in der Bildergalerie zeigen wir, wie sich der Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen seit 1955 verändert hat. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart

Zuffenhausen - Dass in Zuffenhausen schnelle Autos gebaut werden, ist nichts Neues. Doch auch der Ausbau des Firmen-Stammsitzes rund um den Porscheplatz läuft im Rekordtempo – wie auch unser Luftbildervergleich zeigt. Neuestes Mega-Projekt ist die „Mission E“. Der erste Elektro-Porsche soll 2019 vom Band rollen, bis dahin muss das Werk freilich noch kräftig erweitert werden. „Das Herz von Porsche schlägt in Zuffenhausen“, sagt Dieter Gross vom Historischen Archiv der Firma. Und durch „Mission E“ werde die Bedeutung des Standorts nochmals deutlich wachsen.

Der Anfang der automobilen Erfolgsgeschichte geht, was Zuffenhausen betrifft, ins Jahr 1938 zurück. Damals zog Ferdinand Porsche mit seinem Konstruktionsbüro in das neu gebaute Werk I im Norden Stuttgarts auf ein drei Hektar großes Gelände.

Unsere Slider-Ansicht zeigt die Veränderungen im Porsche-Werk. Ziehen Sie den Pfeil nach links oder rechts, um den Ausschnitt zu verschieben:

Das Werk I wurde für den VW-Käfer gebraucht, im alten Büro an der Kronenstraße in der Stadtmitte fehlte der Platz. 1944 wurde das Werk I durch einen Bombenangriff beschädigt, das Archiv zerstört. Daraufhin zogen große Teile der Firma nach Gmünd in Kärnten, nach dem Krieg kehrte man nach Zuffenhausen zurück. Die alten Werkshallen waren jedoch zunächst von US-Streitkräften besetzt. Porsche mietete beim benachbarten Karosseriewerk Reutter eine Halle an, wo an Gründonnerstag 1950 der erste Porsche 356 fertig wurde. Bis zum Jahresende folgten 368 weitere Fahrzeuge. Die „Reutter-Baracke“ stand bis 2016, dann musste sie Platz für eine Logistikfläche machen – auf unserem Luftbild von 2015 ist sie noch zu sehen.

Zurück ins Jahr 1955: Damals wurden in Zuffenhausen knapp 3000 Porsche 356 gebaut. 616 Mitarbeiter waren am Stammsitz beschäftigt. In jenen Tagen war nicht nur Porsche, sondern auch einige andere Industriebetriebe auf dem Gelände an der Schwieberdinger Straße, der Otto-Dürr-Straße und der Strohgäustraße angesiedelt, unter anderem Waggonbau-Metzger. Deshalb sind auf dem Luftbild von 1955 zahlreiche Gleise und Eisenbahnwaggons zu sehen. Sie gibt es heute nicht mehr, dafür fährt die S-Bahn seit Mitte der 1970er durch das Areal.

Architektonisches Highlight ist das Porsche-Museum

1972 wurde aus der Porsche KG die Porsche AG, der Standort wuchs und wuchs. Es entstanden neue Werke, Montagehallen, Logistikgebäude und Parkhäuser. Architektonisch am auffälligsten ist das Porsche-Museum, das Anfang 2009 eröffnet worden ist und das jährlich rund 300 000 Besucher zählt. Das alte Museum befand sich im Bereich Porschestraße / Adestraße. Das Gebäude wurde abgerissen, dort soll künftig die Endmontage der „Mission E“ erfolgen.

Beim Blick auf die Zahlen des Jahres 2015 wird die imposante Entwicklung der Firma deutlich: Rund 42 000 Fahrzeuge der Baureihen 911, Boxster, Cayman und 918 Spyder liefen vom Band, die Belegschaft war auf 7810 Mitarbeiter angewachsen. 2015 gehörten auch fast alle Grundstücke rund um den Porscheplatz, der diesen Namen seit 1988 trägt, der Sportwagenschmiede.

Ebenfalls seit 2015 steht auf dem Platz ein nicht ganz unumstrittenes Kunstwerk: drei bis zu 24 Meter hohe Stelen mit drei 911-Modellen aus verschiedenen Epochen. Die Entwicklung am Standort geht im Rekordtempo weiter: Bis 2018 sollen alle Gebäude für den Elektro-Porsche fertig sein, für sie werden laut Pressesprecher Lukas Kunze 290 000 Kubikmeter Erde ausgehoben und 29 000 Tonnen Stahl verbaut. Damit könnte man etwa 115 000 Karossen für den 911 bauen. Würde man diese aneinanderreihen, dann ergäbe sich eine Strecke von rund 450 Kilometern – vom Stammsitz in Stuttgart bis zum Werk in Leipzig.

In unserer Luftbilder-Serie zeigen wir, wie sich Stuttgart in den vergangenen 60 Jahren verändert hat. Die weiteren bisher veröffentlichten Beiträge finden Sie hier.