Stuttgart-Zuffenhausen: Rundgang mit Bürgermeistern und Bezirksbeiräten Harsche Worte und ein Plädoyer für Streitkultur

Von Georg Friedel 

Fast zwei Stunden führte Bezirksvorsteher Gerhard Hanus Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle und dessen Kollege Peter Pätzold vom Referat Städtebau und Umwelt durch Teile von Zuffenhausen.

Porsche Foto: Georg Friedel
Porsche Foto: Georg Friedel

Zuffenhausen - Fast zwei Stunden führte Bezirksvorsteher Gerhard Hanus Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle und dessen Kollege Peter Pätzold vom Referat Städtebau und Umwelt durch Teile von Zuffenhausen. Ausgangs- und Endpunkt der Ortsbegehung, an der auch Bürger, Bezirksbeiräte und Stadträte teilnahmen, war das Porschemuseum.

Ein Thema, das bei dem Spaziergang mehrfach angesprochen wurde, war das Mobilitätskonzept für den Verkehrsbereich um die Firma Porsche. „Wir sind gemeinsam mit Porsche dabei, ein Verkehrskonzept zu erstellen“, sagte Baubürgermeister Pätzold. Am Dienstag kommender Woche sollen die Pläne vormittags in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik im Stuttgarter Rathaus und abends von 17 Uhr an im Bezirksbeirat Zuffenhausen in der Zehntscheuer vorgestellt werden. Bei der Bezirksbeiratssitzung werden Verkehrsplaner Stephan Oehler und Jürgen King von Porsche auch zu den Plänen für die Otto-Dürr-Straße Stellung nehmen.

Zum Hintergrund: Nach Angaben von Porsche möchte der Sportwagenhersteller die 1030 Meter lange Straße der Stadt abkaufen und führt in diesem Zusammenhang bereits schon länger Verhandlungen mit der Stadt (die Nord-Rundschau berichtete).

Porsche möchte die Otto-Dürr-Straße kaufen

Bezirksvorsteher Gerhard Hanus sagte nun bei dem Rundgang, dass das städtische Tiefbauamt ihn wegen der Otto-Dürr-Straße mit der Bitte um eine Stellungnahme angeschrieben habe. Denn für die Umwandlung von einer öffentlichen in eine Privatstraße muss eine Entwidmung eingeleitet werden. Doch Hanus will erst den Bezirksbeirat dazu hören, außerdem steht das Thema längst auf der politischen Agenda des Gemeinderats: Für Stadträtin Silvia Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) besteht noch Klärungsbedarf, deshalb hat sie gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Andreas G. Winter einen entsprechen Antrag eingebracht: „Wir wollen wissen, was genau geplant ist“, sagte Fischer bei der Ortsbegehung. Wichtig sei, dass es weiterhin Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer in diesem Bereich gebe. Baubürgermeister Pätzold sagte, es existierten bereits Überlegungen, wie die Situation für Fußgänger und Radfahrer auf einer Alternativstrecke entlang der Nordsee- und Schwieberdinger Straße verbessert werden könnte. Ob die Verbindung nach Weilimdorf über den Vicinalweg dann entfallen könne, werde ebenfalls geprüft: „Wir schauen uns das ganze Thema an“, sagte Pätzold.

Die Durchfahrt durch das Gebiet über den Vicinalweg sorgt vor allem bei Anwohnern aus Weilimdorf, die auch zu dem Rundgang kamen, für Unmut: Die Nutzung der Straße sei sicher nicht naturschutzgerecht, sagte ein Anwohner aus der Grefstraße. Zudem sei der vor mehr als 50 Jahren geschlossene Vertrag über das Durchfahrtsrecht nicht mit Porsche geschlossen worden. Es gebe einen alten Vertrag mit Alcatel SEL, wusste Hanus. Porsche habe allerdings signalisiert, dass man möglicherweise in Zukunft auf den Weg verzichten könne. Pätzold sagte dazu, für ihn sei nicht ersichtlich, warum man hier durch das Waldstück fahren müsse. Das Signal von Porsche sei positiv zu bewerten. SPD-Bezirksbeirat Uwe Mammel vertrat wiederum eine andere Meinung: „Wir halten uns beim Thema Sperrung des Vicinalweges zurück. Sonst rollt mehr Verkehr durch die Marconistraße.“

Opel Staiger baut an der Schwieberdinger Straße neuen Hauptsitz

Doch es wurde nicht nur über Straßen und Verkehr debattiert: Eine der ersten Stationen, die der rund 30-köpfige Tross ansteuerte, war die Spedition Fritz an der Schwieberdinger Straße 95 bis 98. Auf dem Areal in unmittelbarer Nähe zu Porsche sollen Bürogebäude entstehen. Auf der anderen Straßenseite an der Ecke Schwieberdinger Straße/Marconistraße wird der neue Hauptsitz von Opel Staiger gebaut.

Nächster Halt war die Kreuzung Schwieberdinger Straße/Marconistraße: „Die Autos stehen mitunter mitten auf der Kreuzung“, sagte eine Anwohnerin. Auch diesen Verkehrsknoten wollen sich die Experten im Zuge des Mobilitätskonzeptes genauer ansehen. Mehr dazu nächsten Dienstag in der Zehntscheuer. Weiter ging es durch die Marconistraße zur Park-Realschule, die nach Stammheim zieht. Auf der Schlotwiese erläuterte Alt-Bezirksvorsteher Wolfgang Meyle die Pläne für einen Gedenkstein und einen Erinnerungsort. Ab 1942 waren auf der Schlotwiese Zwangsarbeiter untergebracht. Später lebten Flüchtlinge und Vertriebene in den Baracken. Inzwischen hat sich eine Initiative und die Arbeitsgruppe rund um Meyle und den Historiker Mathias Beer gegründet, die dort eine Stehle errichten lassen will.

Ebenfalls Geschichte sind die Pläne der Stadtverwaltung, fünf Systembauten für Flüchtlinge auf der Schlotwiese aufzustellen. „Hier waren die Unterkünfte geplant“, sagte Bezirksvorsteher Hanus mit Blick auf die saftige Wiese. Hanus bedankte sich bei Wölfle und Pätzold, dass die Pläne fallen gelassen wurden: „Das wäre sicher euer letztes Stückchen Grün gewesen“, meinte Wölfle mit Ironie in der Stimme. Anschließend ging es durch das Wohngebiet am Hellmuth-Hirth-Denkmal vorbei zurück zum Porschemuseum. „Die Stadt verdient zig Millionen mit dem Kauf der Otto-Dürr-Straße“ und die Bürger vor Ort seien die Gelackmeierten von Stuttgart, sagte ein Zuffenhäuser, der allerdings eine derbere Ausdrucksweise wählte. Wölfle blieb ganz gelassen und entgegnete: „Wir haben 23 Stadtbezirke und überall gibt es Leute, die sich so fühlen wie Sie.“ Miteinander zu streiten, sei wichtig: „Nur wenn man gut streitet, kann man das Beste herausholen.“

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