Stuttgarter Bäder Der Umbau ist verschoben
Mathias Bury, 16.01.2010 15:34 Uhr
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Besonders hoch ist der Sanierungsstau im Mineralbad Berg. Foto: Zweygarth
Besonders hoch ist der Sanierungsstau im Mineralbad Berg. Foto: Zweygarth
""Die Badegäste in der Region folgen den Investitionen.""
Anke Senne-Bunn, Bäderchefin

Stuttgart - Sinkende Besucherzahlen, abnehmende Kostendeckung, Sanierungsstau: Das Rechnungsprüfungsamt hat in seinem jüngsten Bericht ein kritisches Bild der Stuttgarter Bäderlandschaft gezeichnet. Die schwierige Finanzlage erschwert die Sanierung der Bäder zusätzlich, weil notwendige Erneuerungen verschoben werden müssen.



Freibäder
Sie markieren die sonnige Seite des Themas: "Der Zustand der Freibäder ist insgesamt gut", sagt Bäderchefin Anke Senne-Bunn. In der jüngsten Saison haben dort mehr als 771.000 Besucher Kühlung und Freizeitspaß gesucht, 25 Prozent mehr als 2008. Damit ist längst nicht die Marke von einer Millionen erreicht worden wie im Supersommer 2003, aber die Zahl ist höher als in den meisten Vorjahren.

Doch ein guter Sommer sagt nichts aus darüber, woran es baulich fehlt. So sollten 2,8 Millionen Euro im neuen Haushalt stehen, um endlich etwas gegen die Wasserverluste im 1939 erbauten Höhenfreibad Killesberg zu tun, die jährlich 25.000 Euro kosten. Die Finanzkrise hat diesen Plan zunichte gemacht.

Hallenbäder
In den acht Hallenbädern sind seit 1990 die Gästezahlen von 1,15 Millionen auf 900.000 zurückgegangen. In einigen der vor allem in den 60er und 70er Jahren errichteten Schwimmhallen ist die Wassertechnik veraltet, ebenso die energetische Ausstattung, Beläge und Duschen. Umgekehrt sind die Ansprüche der Schwimmer gestiegen. Das Freizeitverhalten der Bürger hat sich verändert, sie können heute aus einem riesigen Angebot auswählen. Dass Eltern ihren Kindern im Hallenbad das Schwimmen beibringen, ist weniger selbstverständlich als früher.

Unter den Hallenbädern ist Sonnenberg ein Problemfall. In dem 1976 erbauten "Vorzeige-Familienbad" gehen die Besucherzahlen merklich zurück, weil die Einrichtung veraltet ist. Ende 2008 waren die mit 4,4 Millionen Euro veranschlagten Sanierungskosten für den Haushalt angemeldet, im neuen Etat tauchen sie nicht auf.

Mineralbäder
Das Aushängeschild der Bäderstadt Stuttgart sind die europaweit nach Budapest größten Mineralquellen mit den drei Mineralbädern. Der stärkste Besuchermagnet ist das Leuze, das in guten Jahren auf 900.000 Besucher kommt. Ein Selbstläufer ist es aber auch nicht. Im neuen Jahr wird Bauabschnitt drei zur Erneuerung der Saunalandschaft für 2,56 Millionen Euro in Angriff genommen. Unter anderem entsteht eine Panoramasauna mit Blick auf die Weinberge. Insbesondere das Leuze steht in einem starken regionalen Wettbewerb. Die Konkurrenz - etwa das Merkelbad in Esslingen, das Filderado, das Thermalbad Beuren - hat aufgerüstet. "Wir merken das", sagt Anke Senne-Bunn. "Die Badegäste folgen den Investitionen." Entsprechend weniger Saunagäste kamen.



Auch im Mineralbad Cannstatt steht eine Sanierung an. Für 3,3 Millionen Euro werden das Glastonnendach, die Decke der Schwimmhalle und die Fliesenbeläge in diesem Jahr erneuert. Besonders hoch ist der Sanierungsstau im Mineralbad Berg. 16 Millionen Euro waren bisher für die Modernisierung des historischen Bades angesetzt. Doch eine vertiefte Untersuchung ergab weiteren Sanierungsbedarf: "Es gibt Mehrkosten von 20 bis 40 Prozent", sagt Axel Wolf, der Mitarbeiter von Kämmerer Föll. Deshalb wurde das Projekt zurückgestellt. Im ersten Halbjahr soll das weitere Vorgehen abgestimmt werden.

Nur schleppend kommt auch das Projekt Badhotel von Rudi Häussler beim Mineralbad Berg voran. Eigentlich sollte der Bau des 200-Zimmer-Hauses Ende 2009 beginnen. Nun geht die Stadt von einem Baubeginn Mitte 2010 aus. Investor Häussler, der aktuell nicht erreichbar war, hat nach Auskunft der Stadt inzwischen einen Betreiber für das Hotel.

Derweil arbeiten die Kur- und Bäderbetriebe an einem neuen Bäderkonzept. Und Bäderchefin Anke Senne-Bunn trifft sich Ende Januar mit dem neuen Touristikchef Armin Dellnitz. "Stuttgart Marketing muss die Mineralbäder stärker in den Vordergrund rücken", sagt Senne-Bunn.

Kommentare (11)
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JAN
18
jens martens, 10:41 Uhr

marketing

wie popelig und verstaubt das stuttgarter marketing ist, merkt man vor allem an der bekanntheit und akzeptanz der bäder. was macht den stuttgart bitteschön so speziell?! die offene schwäbische mentalität (kicher). die kinderfreundlichkeit?! oder vielleicht die möglichkeiten als radfahrer und fussgänger in entspannter atmoshpäre die fehlende innenstadt zu erkunden (für den krieg kann das marketing nix, okay:) damit man mich nicht falsch versteht: ich wohne sehr gern im stuttgarter westen. es gibt mittlerweile viele tolle kneipen, gutes essen, kultur! bravo! (nicht ironisch gemeint) aber was diese stadt voranbringen würde, wäre ein VERNÜNFTIGES bäderkonzept. was soll den die konkurrenz mit dem filderado oder ähnlichen chlor-vergnügnungs-arenen? aus meiner sicht sollen sich da andere schlechte pommes und hautallergien plus lärmstress holen. diese bäder gibt es doch zur genüge! liebe leute vom marketing: schaut euch mal an wie das geht – anhand der therme in vals www.therme-vals.ch gute architektur plus gutes marketingkonzept = aufwertung der region plus ertrag! das wasser in stuttgart ist GROßARTIG! das berg ist das schönste bad das ich kenne (welche enttäuschung ist das gellert in budapest dagegen, ein sozialistischer anachronismus). die quellen sind ein schatz, man muß ihn nur heben. indem man z.b. das berg hochwertig zu einem erwachsenenbad umbaut. mit nachhaltigen materialien. gute qualität und beibehaltung der eigenheiten dieses wundervollen bades! dann ist es leider mit der grandiosen entschleunigung des bergs vorbei. dennoch würde es mit perspektive weiterleben. mein vorschlag also: nicht mit den chlor-tempeln konkurrieren! ein eigenes konzept für ein ganz spezielles stuttgarter bäder-erlebnis! (siehe vals). bis bald im berg!

JAN
17
MH, 14:40 Uhr

Stuttgarter Bäder: Der Umbau ist verschoben

Umbau gerne - aber bitte nicht auf Kosten der Allgemeinheit; wenn ihr bauen wollt/müsst dann nehmt bitte die Eintrittsgelder dazu; wenn es nicht reicht, Eintrittspreise erhöhen! Wenn auch dies nicht hilft, verkauft das Bad an einen Privatunternehmer, der zeigt euch dann wie es geht!

JAN
17
Schmidt, 10:14 Uhr

Besuch von Freunden

Im Sommer habe ich meinen Besuch aus Bremen bei super Wetter gleich ins Bad Berg "geschleppt". Sie waren begeistert und total neidisch, daß wir sowas tolles in Stuttgart haben, das hätten sie ja gar nicht gewußt. Überhaupt den Unterschied, in Mineralwasser schwimmen zu dürfen, unter alten Bäumen zu liegen etc. Der eindeutige Charme des Alten bedarf großer Wertschätzung und die haben viele Politiker in dieser Stadt leider gar nicht, na ja, sie könnten dort auch nicht in Ruhe schwimmen und genießen. Es gäbe sicherlich viele Mitbadegäste, die mit ihnen gerne dann schimpfen würden, wie ein so sinnfreies Projekt (außer für die Immobilienmenschen) gebaut werden soll, das sich S21 nennt und für unseren Schatz - die Mineralbäder kein Geld und keinerlei Bewußtsein da ist. Gerne Montag um 18.00 Uhr sehen wir uns anstatt im Bikini im Wintermantel. Auch dort geht es ganz lustig zu und man kann viele Bekannte und Freunde treffen - fast wie im Sommer.....

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