Stuttgarter Designer erfüllen fast alle Wünsche Handtasche als Statussymbol

Von  

Handtaschen sind Statement und Statussymbol in einem. Stuttgarter Designer befriedigen mit ihren Labels viele Wünsche. Die Damenhandtasche ist seit 30 Jahren auf dem Vormarsch.

In der Region leben kreative Köpfe wie zum Beispiel Taschendesignerin Jungmi Ha – sie entwirft Handtaschen in jeder Größe. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 6 Bilder
In der Region leben kreative Köpfe wie zum Beispiel Taschendesignerin Jungmi Ha – sie entwirft Handtaschen in jeder Größe.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Handtasche ist weiblich – nicht nur grammatikalisch betrachtet. Frauen investieren dafür beachtliche Summen, Männern hingegen stopfen Börsen und Smartphones in Gesäß- und Jackettaschen und beulen sie damit unförmig aus. Das Herrentäschchen gilt modisch als besonders unverzeihliches No-Go, richtig durchgesetzt hat es sich nie. Die Damenhandtasche dagegen ist seit 30 Jahren auf dem Vormarsch, zwischen zwei und 20 besitzen die meisten deutschen Frauen. Tatsächlich wurde das Objekt der Begierde, dessen Inhalt Aufschlussreiches über seine Besitzerin preisgibt, sogar Gegenstand kulturwissenschaftlicher Untersuchungen.

Mit dem Siegeszug des Prestigeobjekts wurde der kleine Pomponbeutel immer größer. Der Shopper – groß genug für Einkäufe – ist somit der Kulminationspunkt der Handtasche – und er ist die Spezialität von Anna Veit, die seit Januar im Fluxus im eigenen Laden ihre Centseize-Kollektion verkauft. Anna Veit selbst trägt wenig Gepäck im Shopper mit sich herum: „Geldbeutel, Handy, Schlüssel“, sagt sie. „Aber ich brauche nie mehr eine Tüte, wenn ich einkaufen gehe.“ Die 32-jährige Modedesignerin näht ihre Kollektion selbst: Naturfarben, Grau, Hellblau und Schwarz sind ihre Favoriten, sie verarbeitet ausschließlich natürlich gegerbtes Leder. „Leder aus Asien ist eher Sondermüll“, sagt der Spross aus einer Familie, die eine Ziegenzucht ihr Eigen nennt. Und weil sie alles selbst produziert, nimmt sie auch Sonderwünsche entgegen: „Es ist ganz unterschiedlich, was Frauen wollen. Die einen wollen viele Innenfächer, die anderen gar keines“, beobachtet sie. Ihrem stadtfeinen Edelturnbeutel hat sie mittels Reißverschluss einen Seiteneingang verpasst. Das spart Zeit an der Ladenkasse, denn der Geldbeutel ist so schnell zur Hand.

Stattliche Geldbörsen mit vielen Kartenfächern hat Jungmi Ha in ihrer Kollektion gleich mit aufgenommen. Die gebürtige Koreanerin ist Opernsängerin. Das Design eleganter Taschen, Täschchen und Accessoires war zuerst nur ein Hobby. Jetzt ist es ihre Hauptbeschäftigung. Die Entwürfe entstehen in ihrem Wohnzimmer. „Alle meine Kreationen tragen die Namen von Opernfiguren, die ich schon gesungen habe“, erzählt sie. Die klassische, große Umhängetasche heißt „Cleopatra“, die Geldbörse „Pamina“ und die zierliche Clutch für den Abend nennt sich nach „Adele“ aus der „Fledermaus“. Die Wahl-Stuttgarterin beliefert damit Boutiquen von Berlin über Düsseldorf bis Wien. Jungmi Has Kollektion ist geradlinig und schlicht, aber extravagant. Das liegt am Material: Aal-Leder. „Das gibt es nur in Korea, denn dort wird viel Aal gegessen. Das Leder ist ein Abfallprodukt“, erklärt sie. Produzieren lässt sie in ihrer Heimat. Dort werden die schmalen Lederstreifen aneinandergenäht und versäubert. Auf der Vorderseite entsteht so – und durch den Abdruck der sichtbaren Struktur der Wirbelsäule – eine feine Streifenstruktur. „Die Taschen sind sehr leicht und strapazierfähig“ sagt die Designerin, deren Kollektion ihren Namen trägt, und merkt lachend an: „Nur Wasser mag das Leder nicht – obwohl es einmal ein Fisch war.“

Aal-Leder ist in Korea ein Abfallprodukt

Nadine Eismann mag’s extravagant

Zehra Cataltepe hat einige Zeit bei Versace in New York gearbeitet, doch ihre Mikky-Melon-Kreationen sind der Gegenentwurf zum Schnickschnack des italienischen Modedesigners: Klassisch und funktional sind sie. „Ich träume von einer eigenen Firma“, sagt die 33-jährige Designerin. Zu Hause in Göppingen hantiert sie mit Papierschnitten und Prototypen aus Filz und diversen Ledersorten, bevor sie den Auftrag für die Produktion vergibt. Cataltepe entwirft erklärtermaßen für die selbstbewusste Geschäftsfrau, die sie selbst ist: die Clutch mit Tabletfach oder das Stadttäschchen, in das eine Menge reinpasst.

Das trifft nun weniger auf die tornisterartigen, geflochtenen Kreationen von Nadine Eismann zu. Wer gerne einen kleinen Drogeriemarkt mit sich trägt, ist bei ihr fehl am Platz. „Praktische Taschen gibt’s ja schon genug“, sagt sie lachend. Mit ihren extravaganten Entwürfen ist die 29-Jährige, die gerade ihre Ausbildung als Accessoire-Designerin abgeschlossen hat, erfolgreich. In Paris kam sie bei einem internationalen Nachwuchswettbewerb unter die ersten zehn. Deshalb sind ihr mehrere Seiten in einem der großen Modemagazine Dubais gewidmet. Nadine Eismanns Inspiration kommen aus der Welt des mexikanischen Wrestlings und der Masken, die die Kämpfer tragen. An ihrem Arbeitstisch am Marienplatz schneidet sie mit Akribie die Streifen, aus denen viele ihrer Handtaschen in Naturfarben oder mit metallischen Glitzereffekten geflochten oder genäht sind. „Sie sind eine Mischung aus Accessoire und Kunstobjekt aus Leder“, charakterisiert sie die Stücke.

Zweckmäßigkeit steht bei Tobias Stolz ganz oben. Mit seinen Unisex-Botentaschen, im Fachjargon Messenger genannt, können auch Männer glücklich werden. Stolz ist Künstler und hat sich das Format für seine Bedürfnisse zugeschnitten: „Ich habe eine Tasche gesucht, in die ein Block und Stifte passen.“ In seiner Wohnung in der Nähe der Stadtbibliothek näht er seine Modelle aus Rindleder. Die Kunden können ihre Wünsche für Farbakzente äußern. Stolz selbst liebt den Überraschungseffekt beim Öffnen der Tasche: außen braves Hellbraun – innen ein Lederfutter in Pink. „In einer Tasche mit einem hellen Futter findet man sich viel besser zurecht“, weiß er – das ist interessant für Frauen, deren Tascheninhalt so üppig ist, dass sie spontan zu einer Kurzreise aufbrechen könnten.