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Stuttgarter drehen House-Doku Musikalische Reise durch Deutschland

Von Martin Elbert 

Wie tickt House-Deutschland? Christian Gebert (28) und Patrick Gängler (23) aus Stuttgart wollen es herausfinden und drehen die Dokumention „Housenation“.

Housenation: Die Filmer in Aktion. Foto: Housenation 2 Bilder
Housenation: Die Filmer in Aktion. Foto: Housenation

Stuttgart - Wie tickt House-Deutschland? Christian Gebert (28) und Patrick Gängler (23) wollen es derzeit herausfinden und drehen im Rahmen ihres Praxissemesters die Dokumention „Housenation – eine musikalische Reise in Deutschland“. Aus sieben Städten, darunter München, Stuttgart, Frankfurt a.M., Köln, Leipzig, Berlin, Hamburg, werden Szeneaktivsten wie DJs, Veranstalter, Partygänger, Produzenten, Labelbesitzer etc. vorgestellt. Der Film soll im März 2015 veröffentlicht werden. Wir sprachen Christian und Patrick, beide selbst als DJs und Veranstalter in Stuttgart unterwegs, zwischen den Stationen Stuttgart und Leipzig über das Projekt.

Housenation – wie kam es zu der Idee?
Patrick und ich haben mit zwei anderen Kommilitonen im Mai 2013 bereits ein Portrait über den Stuttgarter Veranstalter Thomas Geyer (Heute schon getanzt?) gedreht. Da wir zusammen Veranstaltungen organisieren und uns deswegen viel mit der Musik und Szene gemeinsam beschäftigen, sind wir im Netz zufälligerweise auf einen Typen aus England gestoßen, der so etwas ähnliches macht, nur europaweit. Als wir das gesehen habe, ist uns die Idee für dieses Projekt unseres Praxissemester gekommen.

Gibt es ähnliche Filmprojekte aus Deutschland?
Es gibt viele kleinere Dokumentationen, die sich aber meistens mit Clubs auseinandersetzen. Das Berlin Watergate oder das Harry Klein in München haben solche Dokus z.B gemacht; von Resident Advisor gibt es auch szenespezifische Dokumentationen in einer Stadt. In der Art und Weise sowie Größenordnung, wie wir es derzeit planen, ist uns allerdings auch nichts bekannt. Bei Dmax bin sind wir zudem auf eine Dokumentation (Eine Stadt, ein Tag, ein Mann) gestoßen, der es gelingt eine Stadt von einer etwas anderen Seite zu beleuchten. Wie bei diesem Format wollten wir auch mit einem Moderator agieren, der uns durch alle Städte führt. Allerdings ist dieser Plan, wie so vieles, am fehlendem Budget und Personal gescheitert.

Bekommt ihr denn überhaupt finanzielle Unterstützung?
Bis jetzt haben wir leider keine finanzielle Unterstützung oder Fördergelder bekommen. Aber wir haben bisher mit Schawa TV und Artecfilm zwei Unternehmen, die uns soweit es geht mit Equipment versorgen, sodass wir uns so wenig wie möglich ausleihen müssen. Hierbei springen glücklicherweise immer wieder Freunde mit diversem Material ein.

Ihr stellt aus jeder Stadt jeweils einen oder zwei Protagonisten der Szene vor. In Stuttgart gibt es ja schon einige Leute, die man einbauen könnte, aber gerade im elektronisch sehr agilen Berlin muss das doch die Qual der Wahl sein?
Also konkret bisher haben wir bislang eben die Common Sense People getroffen. Vergangenes Wochenende waren wir in Leipzig und haben dort Steffen Filburt getroffen, der unter dem Namen Filburt auflegt, und besuchten seine Labelparty in der Distillery. Zu den anderen Städten wollen wir noch nichts konkretes sagen weil wir a) noch nicht zu viel verraten wollen und b) vieles auch noch nicht zu 100% sicher ist. Interessierte informieren sich am Besten über unsere Facebookseite, die wir tagtäglich updaten. Im Fall von Berlin haben wir uns genau die selben Gedanken gemacht und uns deshalb bewusst gegen einen Club, DJ oder Veranstalter entschieden, sondern für einen Ur-Berliner Szenegänger.

Nach welchen Auswahlkriterien hattet ihr noch?
Erster Gedanke war, dass wir die Vielfältigkeit der Szene komplett abdecken. So wollen wir nicht nur DJs oder Veranstalter zu Wort kommen lassen, sondern auch Labels, Clubbetreiber und, wie eben in Berlin, "normale" Szenegänger. Damit wollen wir versuchen, die eigentlich subjektiv-qualitativen Interviews so objektiv wie möglich zu gestalten. Denn dabei bekommt jeder die selben Fragen gestellt.

Ihr sagt: „Hauptaugenmerk wird dabei auf musiksoziologische Codes und Publikumsforschung gelegt." Konkreter bitte.
Einerseits möchten wir herausfinden, ob die Szenen der verschiedenen Städte sich in Bezug auf Ausgeh- und Hörgewohnheiten sowie Mode ähneln oder unterscheiden. Andererseits möchten wir die Basis der jeweiligen Szenen erforschen. Hierbei achten wir besonders auf soziologische Kriterien wie Geschlecht, Alter und soziale Schicht.

Wenn „Housenation“ einmal fertig ist, wo soll er gezeigt werden?
Also primäres Ziel des Filmes ist in allererster Linie das Ding vernünftig fertig zu stellen. Wir haben uns zwar über Aufführungen schon Gedanken gemacht, aber bislang noch keine konkreten Pläne. Natürlich wollen wir so viele Menschen wie möglich für den Film begeistern, was eine öffentliche Aufführung selbstverständlich mit einschließt.

https://www.facebook.com/housenationdeutschland