Stuttgarter Fernsehturm Fritz Leonhardts Schüler haben den Vortritt

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Ausgewählte Leser der Stuttgarter Zeitung erleben den Fernsehturm vorab beieiner exklusiven Führung, die in die Tiefe geht und in luftige Höhen führt.

StZ-Leser dürfen vorab in den Turm. Werner Buhl und seine Frau Regina freuen sich über die Sondermarken der BW-Post. Foto: Lg/Piechowski
StZ-Leser dürfen vorab in den Turm. Werner Buhl und seine Frau Regina freuen sich über die Sondermarken der BW-Post.Foto: Lg/Piechowski

Stuttgart - Dem Luftbad-Verein Degerloch war der Bau des Fernsehturms einst ein Dorn im Auge. Die Vereinsmitglieder fürchteten, das gemeinsame Nacktbaden sei wegen des Ausblicks vom Turm und der damit verbundenen Einblicke nicht mehr möglich. „Es gab noch andere ablehnende Stimmen, nicht jeder in Degerloch stand dem Bau von Fritz Leonhardt positiv gegenüber“, erklärt Jürgen Lehrle, der am Freitagnachmittag eine Gruppe von Lesern der Stuttgarter Zeitung durch den Fernsehturm führte.

Mehr als 500 Leser hatten sich für diese exklusive Führung beworben. Unter den Glücklichen, die einen Tag vor der Eröffnung für jedermann Wissenswertes über das Stuttgarter Wahrzeichen erfahren durften, war auch Gerhard Haug. Der Bauingenieur im Ruhestand war Student bei Fritz Leonhardt. „Das war für uns natürlich spektakulär, als der Bau losging“, erinnert sich Haug, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wird. Der gebürtige Esslinger glänzte bei der Führung mit den besten Fragen, die Jürgen Lehrle allesamt elegant beantworten konnte. Schließlich ist auch Lehrle vom Fach. Auch er hat den Fernsehturm-Erbauer Leonhardt persönlich gekannt. Der gelernte Statiker war heilfroh, nach drei Jahren Pause wieder durch den Fernsehturm führen zu können.

Furioses Finale der Führung in luftiger Höhe

Lehrle startete die kurzweilige Exkursion acht Meter unter der Erde, im Grund des Fernsehturms, und verblüffte mit allerlei Fakten zur Traglast des Turms. „Die enorme Zugkraft, die auf den Turm wirkt, wird durch Spannglieder in der Bodenplatte verarbeitet“, so Lehrle. Wegen der Bauarbeiten zu Stuttgart 21 müsse man sich um den Turm keine Sorgen machen, der Fernsehturm sollte laut Lehrle „oben bleiben“: „Zwischen Turm und Tunnel unter dem Bauwerk liegen 80 Meter Stubensandstein“, erklärte der 73-Jährige.

Das furiose Finale der Führung fand selbstverständlich in luftiger Höhe statt. Werner Buhl und seine Frau Regina waren vom Ausflug mit Tiefgang sehr angetan. „Das hat wirklich all unsere Erwartungen übertroffen, einen solchen Blick hinter die Kulissen bekommt man nicht alle Tage“, sagte Werner Buhl, der so ganz nebenbei noch den internen StZ-Treuepreis während der Führung gewann – das Ehepaar Buhl liest die StZ seit 50 Jahren.

Wegen des Turms nach Stuttgart gezogen

Uschi Fochtler und ihr Mann Peter Heinze waren aus zwei Gründen schon vor der Führung aufgeregt. „Mein Mann ist fünf Wochen jünger als der Turm, er hat einen ganz besonderen Bezug zu diesem Bauwerk. Und ich war als Zwölfjährige zum ersten Mal auf dem Turm, damals zu Besuch aus Norddeutschland, und wusste sofort, hier will ich herziehen. Das hat dann zum Glück auch geklappt“, sagte die 57-Jährige.

Zum Schluss der Führung ging Jürgen Lehrle noch einmal auf die anfängliche Skepsis der Degerlocher dem Turm gegenüber ein: „Wir Degerlocher hatten Angst um unsere Wirtschaften, dass der Turm, wenn er umfällt, in einem Lokal landet. Nachdem aber klar war, dass die Spitze nur in den Auswärtsblock des Kickers-Stadions krachen kann, waren alle beruhigt.“