Stuttgarter Kickers Brisanz auf der Trainerbank

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Am Samstag messen sich die Stuttgarter Kickers mit Preußen Münster – wo inzwischen der Ex-Trainer Horst Steffen das Sagen hat, was zusätzlichen Zündstoff in der Partie in der dritten Fußballliga liefert.

Horst Steffen, zuvor bei den Stuttgarter Kickers, trainiert jetzt Preußen Münster. Foto: Getty
Horst Steffen, zuvor bei den Stuttgarter Kickers, trainiert jetzt Preußen Münster.Foto: Getty

Stuttgart - Die Tabelle lügt nicht – oder doch? Wer auf die dritte Liga schaut, erkennt auf den ersten Blick, dass die Stuttgarter Kickers selbst mit einem Sieg am Samstag (14 Uhr/SWR live) im direkten Duell mit Preußen Münster den Gegner nicht überholen können. Als Mannschaft. Doch in der virtuellen Trainertabelle sieht das anders aus. Da könnte der aktuelle Coach Tomislav Stipic bei einem Erfolg an Horst Steffen vorbeiziehen, zumindest, was die Kickers-Bilanz angeht. Es ist die 14. Partie für den Kroaten, sogar ein Spiel mehr hatte Steffen bis Anfang November in Degerloch absolviert, ehe er entlassen wurde. Man sieht: unabhängig von der sportlichen Situation birgt das Spiel noch andere Brisanz – Vorgänger gegen Nachfolger.

Mannschaft

Seit Horst Steffen gegangen wurde, hat sich einiges getan, im Kickers-Kader herrschte ein Kommen (zum Beispiel Gjasula und Nebihi) und Gehen (Soriano oder Engelbrecht), dazu kamen die Suspendierungen von Enzo Marchese und Gerrit Müller, so dass sich das Gesicht stark verändert hat – vor allem in der Offensive.

Trainer

Tomislav Stipic hatte auf der Waldau keinen leichten Einstand, der durch die lange Negativserie (sieben Spiele ohne Sieg) noch erschwert worden ist. Inzwischen aber hat der 36-Jährige den Draht zur umgebauten Mannschaft gefunden, das zuletzt praktizierte 4-1-4-1 System wirkt recht stabil mit Klaus Gjasula auf der Sechserposition. Horst Steffen hielt relativ starr an einem 4-3-3 fest, verbunden mit einem gepflegten Kurzpassspiel, auch wenn er betonte: „Es ist nicht so, dass bei mir lange Bälle verboten sind.“ Stipic setzt mehr auf Konterfußball über die schnellen Erich Berko und Stephane Mvibudulu.

Charaktere

Tomislav Stipic ist ohne Frage ein emotionaler Trainer, den während der 90 Minuten des Spiels nicht viel auf seinem Stuhl hält. Der vierte Schiedsrichter jedenfalls hat auch regelmäßig damit zu tun, den temperamentvollen Kroaten in seiner Coachingzone zu halten wie den Löwen im Käfig. Im Vergleich dazu wirkt Steffen ruhig und sachlich, selbst bei der Niederlagenserie im vergangenen Herbst bewahrte er zumindest äußerlich stets die Contenance. „Ich sehe mich nicht als Alleinunterhalter der Mannschaft“, hat er mal gesagt. Diese Ruhe versuchte er auf das Team zu übertragen – letztlich ohne Erfolg.

Vergangenheit

„Beide Trainer werden versuchen, ihre Mannschaft bestmöglich einzustellen“, sagt Stipic. Allzu große Geheimnisse dürfte es dabei nicht geben. „Natürlich hat Horst Steffen ein gewisses Hintergrundwissen – das ist Gold wert“, sagt Stipic. „Der Punkt geht an ihn.“ Aber deshalb nicht gleich der Sieg. Denn im Gegenzug wissen die meisten Kickers-Spieler, wie der Ex-Coach tickt. „Sie kennen seine Vorgaben“, weiß auch der Nachfolger, der deshalb darauf setzt – entgegen sonstiger Gewohnheit – gar nicht allzu viel über den Gegner sagen zu müssen. „Von meiner Seite ist Zurückhaltung geboten.“ Überhaupt: der Verein stehe im Mittelpunkt, nicht Spieler und Trainer, die kommen und gehen – „und werden auch schnell mal vergessen“.

Besonderheit

Horst Steffen sprach in Münster von einem „besonderen Spiel“, die Vorfreude auf ein „schnuckeliges Stadion“ ist jedenfalls groß. Groß öffentlich äußern wollte er sich im Vorfeld dennoch nicht – wohl, um nicht zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen. Zumal die Trennung nicht gerade einvernehmlich erfolgt ist. Im Gegenteil: sie kam trotz des Negativlaufs überraschend, auch für Steffen, der einen hohen Stellenwert im Verein genoss. „Ich hätte mir schon etwas mehr Geduld erwünscht“, hatte er zu seinem Abschied gesagt. „Für mich ist es kein besonderes Spiel“, sagt dagegen Stipic, „vielleicht für den ein oder anderen Spieler.“

Formkurve

Auch wenn Stipic von einem Duell zwischen „Abstiegs- und Aufstiegskandidat“ spricht, sagt die aktuelle Formkurve etwas anderes aus: Aus den acht Spielen in diesem Jahr (so lange ist Steffen in Münster) haben die Kickers zwölf Punkte geholt, Preußen nur elf . Und nach den letzten sechs Spielen sind die Kickers Dritter, Münster Zehnter. Vorteil für die Blauen.

Ausgangslage

Da lassen wir mal den Gast zu Wort kommen, der es auf den Punkt bringt: „Die Kickers brauchen jeden Punkt, damit sie den Klassenerhalt schaffen; wir brauchen jeden Punkt, damit wir oben dranbleiben“, sagt Horst Steffen. Das verspricht Spannung pur.