Stuttgarter Kickers Frühe Sprachlosigkeit, späte Erlösung

Joachim Klumpp, 26.11.2012 10:20 Uhr

Stuttgart - Zwölf Minuten und zwölf Sekunden haben die Fans zu Beginn offiziell geschwiegen, aus Protest gegen die geplanten Sicherheitsstandards. In der folgenden Spielzeit verschlug es ihnen aber auch immer wieder die Sprache ob der ­dargebotenen Leistungen. Doch in der Nachspielzeit beim 1:1-(0:0-)Ausgleich der Stuttgarter Kickers gegen Darmstadt 98 durch Marco Grüttner sprang nicht nur die Ersatzspielerbank kollektiv zum Jubel auf, als wären die Kickers gerade Fußball-Weltmeister geworden. Das war Guido Buchwald 1990, zurzeit Interimscoach der Blauen, aber ein Wunderheiler ist auch er nicht.

Diese Drittligapartie führte den Zuschauern im Gazi-Stadion erneut vor Augen, warum beide Teams vor dem Anpfiff auf Abstiegsplätzen rangierten. Was durchaus „zu Verkrampfungen führen kann“, wie Buchwald zugab, als er später auf die vielen Abspielfehler angesprochen wurde.

Veränderungen durch den neuen Mann

Dabei hatte der neue Mann durchaus etwas verändert, personell und taktisch. Er brachte erwartungsgemäß Tobias Rühle (allerdings im rechten Mittelfeld für Fabio Leutenecker) sowie Marcos Alvarez (als zweite Spitze neben Grüttner). Wobei Alvarez etwas mehr gefiel, weil bei Rühle weniger der Wille als mehr das Spielverständnis fehlt. Besser machte es Patrick Auracher als rechter Verteidiger und sicher auch Thorben Stadler, der auf der linken Außenbahn startete und von dort aus mit einem Heber kurz nach der Pause für die beste Möglichkeit sorgte. Aus dem folgenden Eckball resultierte ein gefährlicher Kopfball, das war’s dann schon weitgehend mit nennenswerten Chancen – abgesehen vom Tor, dem ersten nach fünf Spielen.

In dieser Hinsicht hatte selbst das harmlose Schlusslicht aus Hessen noch ein Plus: der Kickers-Torwart Günay Güvenc musste bei einem Kopfball von Christian Beisel und einem Distanzschuss von Preston Zimmermann klären. Doch das Führungstor durch Danny Latza (75.) konnte er nicht verhindern, weil die Hintermannschaft den Gegner gewähren ließ. „Das haben wir uns sehr schlecht verhalten“, sagte Buchwald. Diese Unkonzentriertheiten in der Defensive, sie sind ja nichts Neues.

Grundsätzlich wollte Buchwald schneller nach vorne spielen lassen, „aber die Automatismen haben noch nicht so geklappt“, sagte der Trainer. Das wäre nach einer Woche vielleicht auch zu viel verlangt, der Kapitän Simon Köpf sagte zu den Umstellungen: „Letztendlich ist egal, wer spielt, unser Teamgeist stimmt.“ An dem gab es ja auch im bisherigen Saisonverlauf nichts auszusetzen, wobei sich das Kickers-Rudel gegen Darmstadt phasenweise so bissig wie ein Kampfhund mit Maulkorb präsentierte. Bleibt als Fazit: unter Dirk Schuster war nicht alles schlecht, unter Buchwald ist noch nicht alles gut.

Mögliche neue Trainer

Und dann muss sich die Mannschaft wohl bald schon wieder auf einen neuen Trainer einstellen. Wen? Unter den 3500 Zuschauern wurde jedenfalls auch Heiko Scholz (zuletzt Viktoria Köln) gesichtet. Nicht gerade ein Stammgast im Gazi-Stadion und somit ein Kandidat? Auf den, aber auch jeden anderen, warten einige Herausforderungen. Das weiß auch Buchwald: „Insgesamt war die Leistung okay, aber es steht noch viel Arbeit bevor.“

Heute steht erst einmal die Jahreshauptversammlung auf dem Programm. Da gäbe es durchaus Positives zu berichten. Nicht nur, dass das 1:1 „ein Punkt für die Moral war“, wie der Torschütze Grüttner sagte. Auch der Klassenverbleib wäre gesichert – wenn jetzt Schluss wäre, und nicht erst Halbzeit in der dritten Liga.