Stuttgarter Kinderbuchwochen Rabe Socke den Schnabel streicheln

Von  

Die Jubiläumsausgabe der Kinder- und Buchwochen ist am Wochenende zu Ende gegangen. Die Veranstalter sind mit der zehnten Ausgabe des Events zufrieden. Am Samstag stand ein Vogel im Mittelpunkt.

Rabe Socke war  bei den Kinderbuchwochen der Star. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Rabe Socke war bei den Kinderbuchwochen der Star.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Um 14.30 Uhr ist es am Samstag im Treffpunkt Rotebühlplatz endlich soweit: Auftritt Rabe Socke, großes Hallo, Handys und Kameras werden gezückt. Der ein oder andere Vater scheint mindestens so aufgeregt zu sein wie der eigene Nachwuchs. Oder gar euphorischer: Manches Kind fühlt sich auf der Schulter des Vaters sichtlich sicherer, „geh ruhig mal näher hin“, ermutigt eine Mutter ihre Tochter. „Wie war’s“, will ein Vater wissen, „war der kuschelig?“ Sieht schwer danach aus. Rund um Rabe Socke spielt sich eine sehr junge Variante von „ Jugend forscht“ live ab. Wie fühlt sich eigentlich so ein großer Rabenschnabel an? Kann man auch die Augen streicheln? Ja, man kann. Vincent wird von seinem Vater sanft zum Foto neben das Federvieh geschoben.

Nach einer halben Stunde ist der Auftritt zu Ende. Knallhartes Fieldinterview mit Rabe Socke: Waren die Kinder brav? Der Star der Kinderbücher aus dem Thienemann-Esslinger Verlag und der Animationsfilme nickt mit dem Schnabel und deutet in Richtung Lagerraum, der als Rabe-Socke-Umkleidekabine fungiert. Nach ein paar Minuten kommt Lisa Schuler aus der Kammer zurück, sie steckte im Kostüm von Rabe Socke, dessen 20. Geburtstag an diesem Tag gefeiert wird. „Ganz schön warm da drin, außerdem ist das Sichtfeld total eingeschränkt“, sagt Schuler über ihre Verkleidung. Schuler arbeitet als Aushilfe für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die Kinder- und Jugendbuchwochen gemeinsam mit der Volkshochschule Stuttgart veranstaltet.

Jubiläum der Kinderbuchwochen gut angenommen

An diesem Samstag hat Theresa von Zepelin die Leitung über die Veranstaltung. Sie ist sehr zufrieden mit dem Verlauf der Buchwochen, die in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag gefeiert haben. „Die Jubiläumsausgabe verlief wirklich gut. Als Schwerpunktthemen hatten wir in diesem Jahr Freundschaft sowie Migration und Flucht. Und wie jedes Jahr war die Tombola ein großer Erfolg, bei der Bücher verlost werden“, sagt von Zepelin. Zu den Highlights der Veranstaltung gehörte auch der ausverkaufte Auftritt des Liedermachers Fredrik Vahle, seit über 30 Jahren Autor hintersinniger Kinderlieder wie Anne Kaffeekanne. Der zeigte bereits zu Beginn der Kinder- und Jugendbuchwochen am vorvergangenen Wochenende sein Können.

In der Buchausstellung ist am letzten Samstag der Veranstaltung ordentlich was los. Es ist verblüffend, wie viele Neuerscheinungen jedes Jahr im Bereich Kinder- und Jugendliteratur auf den Markt geworfen werden. Eine Betonsäule ist komplett mit kleinen Pixie-Büchlein gepflastert, in den Regalen werden alle Altersklassen angesprochen. „Das große Europa-Wimmelbuch“ fasziniert die Kleinsten, „Kochen mit dem kleinen Nick“ die Älteren und Tomi Ungerers „Kein Kuss für Mutter“ dürfte auch Eltern nicht langweilen.

Viele Eltern informieren sich über möglichen Lesestoff für ihren Nachwuchs. „Wir kommen jedes Jahr zu den Kinder- und Jugendbuchwochen“, sagt eine Mutter. „Heute sind wir für den Film mit Rabe Socke gekommen, mein achtjähriger Sohn ist immer noch Fan“, sagt die Mutter weiter, bei der die Klassiker der Kinderliteratur hoch im Kurs stehen. „Insgesamt finde ich es schade, dass es auch in der Kinder- und Jugendliteratur immer geschlechterspezifischer wird. Für die Jungs dreht sich alles um Dinos, Fußball, Ritter. Bei den Mädchen ist alles Glitzer und Prinzessinen. So werden Kinder früh auf Geschlechterrollen festgelegt, damit die Industrie doppelten Umsatz machen kann.“ Solche Probleme hat Rabe Socke zum Glück nicht. Der ist seit 20 Jahren ein zufriedener Vogel.

  Artikel teilen
0 KommentareKommentar schreiben
Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.