Stuttgarter Kochszene Fernsehkoch: Herzinfarkt im Alter von 50

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Der bekannte Fernsehkoch Sante de Santis ist am Sonntag völlig überraschend verstorben. Der Italiener war bekannt für seine herzliche Art und seine vorzügliche Küche in seinem Restaurant im Heusteigviertel.

Der bekannte Fernsehkoch Sante de Santis wurde nur 50 Jahre alt. Foto:   6 Bilder
Der bekannte Fernsehkoch Sante de Santis wurde nur 50 Jahre alt.Foto:  

Stuttgart - Die Nachricht hat viele in tiefe Trauer gestürzt: Der Fernsehkoch Sante de Santis ist völlig überraschend im Alter von nur 50 Jahren verstorben. Der italienische Koch, Kochbuchautor und Fernsehkoch hatte am Sonntag einen Herzinfarkt erlitten, nachdem er am Samstagabend in seiner Kochschule noch einen Kochkurs gegeben hatte.

Sternekoch Frank Oehler, Patron der Speisemeisterei, zeigte sich am Montag geschockt von der Nachricht: „Sante war nicht nur ein begnadeter Koch, er war vor allem ein herzensguter Mensch, der immer ein Lächeln auf den Lippen hatte“, so Oehler. „Gerade in der Spitzengastronomie herrschen oft Neid und Missgunst. Sante de Santis war da ganz anders, er hatte einen tollen Charakter“, so Oehler weiter. Auch Salvatore Marrazzo, der Wirt der italienischen Lokale Accanto und Reichsstadt in Esslingen, zeigte sich am Montag bestürzt. „Ich habe Sante vor 20 Jahren kennengelernt und mich sofort für sein Charisma begeistert. Wir haben Rezepte ausgetauscht, Kummer geteilt und erst an Weihnachten telefoniert.“

Auf der Facebook-Seite von de Santis wird kondoliert

Nicht nur Kollegen zeigten sich vom Tod des Koches geschockt. Auch viele Freunde und Gäste von Sante de Santis kondolierten innerhalb kürzester Zeit auf seiner Facebook-Seite. „Er war der fröhlichste aller Kochduell-Köche, sang beim Kochen wie Pavarotti, sauste auf seinem Motorrad durch die Weltgeschichte – und seine Koch-Kreationen sind legendär“, schrieb etwa eine Freundin. „Rock die himmlischen Küchen“, schrieb ein anderer Nutzer.

Bekannt wurde de Santis vor allem durch die Kochsendung „Kochduell“ von 1997 bis 2005. Sein Restaurant San Pietro im Stuttgarter Heusteigviertel war beliebt. Wenn der Außenbereich des Lokals im Sommer voll besetzt war und der italienische Koch auf seinem Motorrad angerauscht kam, das Radio voll aufgedreht, fühlte man sich in ein italienisches Dorf versetzt. Auch die Kochkurse in de Santis Kochschule waren oft ausgebucht.

Auf der Website seines Lokals San Pietro konnte man am Montag noch die kommenden Kochkurs-Termine samt Neujahrswünschen von de Santis nachlesen. „Bleibt gesund, meine Freunde, und nehmt Euch für das neue Jahr nicht zu viel vor!“, wünschte der Koch dort den Gästen seines Lokals. Sante de Santis hinterlässt seine Ehefrau und zwei Töchter.

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8 KommentareKommentar schreiben

das erschreckt mich: viel zu jung. ich war mit meinem mann ab und zu im heusteigviertel in seinem lokal und wir haben auch mal einen kochkurs bei ihm gemacht. la cucina siciliana. der mann war beeindruckend. rip, lieber sante

Gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen (nicht nur) in der Gastronomie: : Wieder so ein Zufall, dass erst kürzlich diskutiert wurde, "warum Gastronomen sauer über die Zehn-Stunden-Regel sind". Ein Argument unter anderen: „Wir wissen doch nicht im voraus, wie lange die Gäste feiern wollen." http://www.derwesten.de/wirtschaft/warum-die-gastronomen-sauer-ueber-den-zehn-stunden-tag-sind-id11418861.html Gut, Sante de Santis war sein eigener Chef. Aber gerade Köche, die einen eigenen Betrieb haben, werden gerne auf ihre "Koch-Ehre" hingewiesen, nicht zuletzt in TV-Formaten wie "Rosins Resaurants", "Küchenchefs" und "Kochprofis". Zu seinem Beruf/seiner Berufung zu stehen (das gilt auch für Mediziner und etliche andere Berufsgruppen) heißt nicht, seine Gesundheit mit einem bis zu 20-Stunden-Tag zu ruinieren.

sorry: Frau Hofmann, wenn ein Mensch mit 50 Jahren stirbt ist bei den heutigen Lebenserwartungen ein "Schlag ins Gesicht", aber ob es an dem "20 Stundentag" gelegen hat , kann bezweifelt werden. Es gibt auch andere Faktoren ( in dem Fall ersichtliche) die einen Herzinfarkt herbei führen können.

Sorry, Herr Beck: Dass eine Krankheit (fast) immer multifaktoriell bedingt ist, versteht sich von selbt. Und das eine führt zum anderen: Wer Stress und wenig Zeit hat, bewegt sich natürlich nicht in dem Ausmaß, wie es der Gesundheit förderlich wäre (trotz Hund).

Sante de Santis wusste, dass er nicht idealgewichtig ist: Aber im Gegensatz zu manch normal Sozialversicherten konnte er nicht einfach mal eine mehrmonatige Abnehm-Reha im Schwarzwald in Anspruch nehmen.

Ich bin wirklich traurig!!!!: Erst vor wenigen Wochen habe ich Sante de Santis zufällig persönlich auf der Hundewiese in Wangen kennengelernt. Er war so unfassbar bescheiden, sagte beim Zusammentreffen unserer "Tölen" lediglich: "Ich bin Sante!" Dass ich ihn zu erkennen glaubte (war mich unsicher), erwähnte ich nicht - und er (das fand ich beeindruckend), erwähnte seine Prominenz mit keinem einzigen Wort. Mehr nebenbei erwähnte er, nachdem er nach meinem Beruf gefragt hatte, er sei Koch. Der Job sei sehr stressig, man habe wenig Freizeit; er wünsche sich mehr Zeit für seine Familie; nur sonntags könne er sich seiner Frau, seinen Kindern und seinem Hund widmen. Ich fand ihn schon vor Jahren im TV großartig, aber noch mehr hat er mich auf der verschlammten/vernachlässigten Hundewiese in Wangen beeindruckt, wie er sein Bedauern darüber äußerte, dass man in der Gastronomie einfach zu wenig Zeit für seine Familie habe.

Noch trauririger macht mich: dass ich versprochen habe, mich in Kürze wieder in Wangen mit Gizmo zum Spielen sehen lassen werde. Nun ist es zu spät! :(

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