Stuttgarter Neue Messe Messechef bedauert Irritationen
Thomas Braun, 03.02.2011 18:47 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Nachdem er zuletzt bei der Bilanzpressekonferenz durch Äußerungen zu den Besucherzahlen auf dem Killesberg Irritationen » verursacht hat, rudert Messechef Ulrich Kromer jetzt zurück. Er bedauere, dass "durch unterschiedliche Interpretationen" der Eindruck entstanden sei, in den 90er Jahren seien von der damaligen Stuttgarter Messe- und Kongressgesellschaft überhöhte Besucherzahlen veröffentlicht worden, ließ Kromer verlauten. Seine Amtsvorgänger, die Messeeigner Stadt und Land, und nicht zuletzt Messegegner hatten sich über seine Aussagen mokiert.

Vor wenigen Tagen hatte der Geschäftsführer auf die Frage, warum die Besucherzahlen auf dem neuen Messeareal am Flughafen niedriger seien als am alten Messestandort, geantwortet, damals seien "Besucherzahlen in die Welt gesetzt worden, die nichts mit der Realität zu tun hatten". Dies hatte unter anderem seinen Amtsvorgänger Walter Gehring in Rage versetzt, der sich zu einem Dementi genötigt sah: Seine Besucherbilanzen seien immer hundertprozentig korrekt gewesen, so Gehring gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Seit 2001 müssen exakte Besucherzahlen ermittelt werden


Mitglieder der Schutzgemeinschaft Filder, die sich über Jahre dem Messebau auf den Fildern widersetzt hatten, argwöhnten nach Kromers Erklärung prompt, das 800-Millionen Euro-Projekt sei mit Hilfe geschönter Besucherzahlen durchgesetzt worden.

Zwar seien die Besucherzahlen für den Killesberg mit bis zu 1,6 Millionen Besuchern jährlich korrekt gewesen, räumte Kromer nun ein. Seit dem Umzug liegen die Zahlen bei rund einer Million. Man könne aber nicht "Äpfel mit Birnen vergleichen". Zu Killesbergzeiten hätten sich etwa auch die Konzerte auf der dortigen Freilichtbühne und das jährliche Lichterfest in der Besucherbilanz niedergeschlagen. Zudem seinen mit dem Taizé-Jugendtreffen und dem Bundestreffen der Russlanddeutschen 1996 sowie dem landwirtschaftlichen Hauptfest auf dem Wasen 1998 außergewöhnlich publikumsstarke Veranstaltungen zu verzeichnen gewesen.

Er betonte, eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger im Vorfeld des Messeneubaus habe sich auf Besucherzahlen zwischen 1997 und 1999 bezogen und daraus einen Durchschnitt von 1,4 Millionen Menschen für diesen Zeitraum ermittelt. Diese Zahlen seien mit dem heutigen Besucheraufkommen, das auf einem stark veränderten Messe- und Veranstaltungsangebot beruhe, nicht vergleichbar. Die Besucherzahlen der Messe Stuttgart werden seit 1967 von der Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messezahlen (FKM) geprüft, seit 2001 müssen die exakten Zugangszahlen ermittelt werden.
Kommentare (5)
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FEB
04
faktenvorführer, 11:05 Uhr

Die "Sumpf- und Filzruderer" unter sich !

Und am Ende war alles nur über riechender Schaum, der im Nichts verschwindet ! Das über 60 Jahre entwickelte Erfolgsrezept unserer Landesregierung und ihrer ehrenwerten Seilschaften !

FEB
04
Richard Schonter, 09:49 Uhr

Zahlen lügen nicht - aber Politiker!

Deshalb traue ich weder den Prognosen für den Bahn-Personenverkehr noch den Besucherzahlen auf der Messe. Am besten immer selber fälschen, so dass es je nach politischer Ausrichtung einfach passt. Neokonservative haben dafür Forschungsinstitute, die das vorlügen, was ihren Zahlmeistern wichtig ist.

FEB
04
Andrea, 08:32 Uhr

Jetzt sind es also "unterschiedliche Interpretationen"

Ich nenne es: Bewusste Irreführung oder schlicht Lügen. Jetzt sind die Zahlen plötzlich nicht mehr vergleichbar . Soso. Die Neue Messe ist nicht ausgelastet, sie ist unwirtschaftlich und kein Besuchermagnet. Sämtliche Prognosen sind nicht eingetroffen - wie auch, wenn sie auf geschönten (oder nicht relevanten - das entschärft den Betrug nicht) Zahlen beruhen? Die Messe steht, die Politik hat gewonnen, der echte Bedarf war von Beginn an unerheblich.

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