Stuttgarter OB-Wahl Am Sonntag haben die Wähler das Wort

Von Jörg Nauke 

14 Kandidaten bewerben sich im ersten Wahlgang um die Nachfolge von Wolfgang Schuster. Nach Wochen des Wahlkampfes ist jedoch zu erwarten, dass es am Wahlsonntag kein eindeutiges Ergebnis gibt, sondern dass ein zweiter Wahlgang erforderlich ist.

Der Wahlsonntag bringt Klarheit – auch für die OB-Kandidaten. Foto: Michael Steinert 15 Bilder
Der Wahlsonntag bringt Klarheit – auch für die OB-Kandidaten.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Die Wähler der Landeshauptstadt entscheiden am Sonntag, wer in den kommenden acht Jahren ihr Oberbürgermeister sein wird. 14 Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Wolfgang Schuster, der nach 16 Jahren nicht mehr antritt. Fritz Kuhn (Grüne), der von der CDU nominierte und von FDP sowie Freien Wählern unterstützte parteilose Sebastian Turner, die parteilose und von der SPD unterstützte Bettina Wilhelm sowie Hannes Rockenbauch (SÖS) traut man die größten Stimmengewinne zu. Darüber hinaus werden Harald Hermann (Piraten) sowie dem vom Wasserforum unterstützten Jens Loewe Chancen auf Stimmenanteile von mehreren Prozent eingeräumt. Falls kein Bewerber die absolute Mehrheit erhält, gibt es am 21. Oktober eine Neuwahl. 415 000 Wähler sind aufgerufen, 53 300 – etwa 13 Prozent – haben die Briefwahlformulare beantragt.

Die Zwischenergebnisse werden wie üblich im Großen Sitzungssaal des Rathauses verkündet. 105 Journalisten und Fotografen haben sich akkreditiert. Der Pressesprecher Markus Vogt erwartet 600 bis 700 Besucher, für die neben Rot- und Weißwein aus dem städtischen Gut auch 400 Paar Landjäger, je 400 Portionen Käsewürfel, Gaisburger Marsch (mit Fleisch und vegetarisch) bereitgehalten werden.

Sebastian Turner sei der einzige der drei aussichtsreichsten OB-Kandidaten, der in Stuttgart lebe und damit selbst an der Wahl teilnehmen könne, erklärte dessen Pressesprecher Stephan Schorn. Der Unternehmer hat seinen Erstwohnsitz von der Bundeshauptstadt in die Landeshauptstadt verlegt.

Ein Waldspaziergang gegen die Unruhe

Sein Konkurrent Fritz Kuhn verfügt über einen Zweitwohnsitz in Stuttgart, darf aber nicht wählen, ebenso wie Bettina Wilhelm, die in Schwäbisch Hall wohnt. Sie wird den Sonntag mit der Familie in ihrem Heimatstadtteil Rotenberg verbringen und dort den Geburtstag ihrer Tochter nachfeiern. „Außerdem freue ich mich auf einen großen Waldspaziergang. Das hilft gegen die Unruhe. Es wird mir sicher schwerfallen, still zu sitzen“, erklärte die SPD-Bewerberin. Fritz Kuhn verbringt den Tag mit der Ehefrau und seinen zwei Söhnen in Stuttgart. Turner will um 9 Uhr im Osten seine Stimme abgeben und um 11 Uhr den Gottesdienst in der Stiftskirche besuchen. Er freut sich indes über eine neuerliche Empfehlung von Manfred Rommel: Turner sei „ein unabhängiger Kopf, der bereits Beachtliches geleistet“ habe. Schorn versucht in seinem Schreiben Bedenken zu zerstreuen, der an Parkinson erkrankte Alt-OB könnte von der Unterstützung gar nichts wissen. „Den Text dazu hat er selbstverständlich selbst verfasst“, so Schorn.

Zwei repräsentative Umfragen der Meinungsforschungsinstitute Infratest dimap und Emnid sahen zuletzt Fritz Kuhn mit 31 und 30,6 Prozent knapp vor dem Unternehmer Sebastian Turner ( 28 und 30 Prozent). Mit einigem Abstand folgten Bettina Wilhelm (21 und 22,1 Prozent) sowie Hannes Rockenbauch (13 und 12 Prozent. Hermann und Loewe kamen bei Emnid auf 2,8, beziehungsweise 2,4 Prozent.

Kandidatencheck – unser StZ-Wahlomat:

 

 

Die Wahlforscher ermittelten zudem, dass die Anhänger von Wilhelm und Rockenbauch im Falle eines Rückzugs ihrer Kandidaten bei der Neuwahl am 21. Oktober eher zu Fritz Kuhn tendierten als zu Sebastian Turner. Die Prognose für den von der CDU nominierten Bewerber – 13 Prozentpunkte weniger als OB Schuster vor acht Jahren und CDU, FDP und Freie Wähler bei der Kommunalwahl 2009 erzielten – ist laut Parteimitgliedern mit Enttäuschung aufgenommen worden. Turner sagte, er verstehe das Zwischenergebnis als Ansporn, die noch unentschlossenen Bürger zu überzeugen. Bis Sonntag wird er dies bei mehr als 530 Ortsterminen versucht haben. Bettina Wilhelm sieht ihr Resultat positiv: Sie lege von Umfrage zu Umfrage zu.

Neben den sechs Kandidaten, die eine aufwendige Kampagne mit Werbung und Podiumsdiskussionen fuhren, stehen weitere acht Bewerber zur Wahl: Ulrich Weiler, Stephan Ossenkopp, Wolfram Bernhardt, Wolfgang Schmid, Werner Ressdorf, Markus Vogt, Bernd Heier alias Selma Kruppschke und Ralph Schertlein.

Die Wahlkampftermine der Kandidaten als Karte:

 

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12 KommentareKommentar schreiben

Hören Sie sich vor dem Wahlgang: noch mal diesen Text an: http://www.youtube.com/watch?v=CoGp_LilPzI

Das lohnt das Lesen nicht: Wegen solcher einseitiger Artikel kaufe ich mir seit über zwei Jahren keine StZ mehr. Es ist einfach unerträglich! Schlecht geschrieben, schlecht recherchiert - unlesbar. Da lohnt sich nicht einmal mehr das Online-Lesen. Vielleicht sponsert ja Herr Turner die StZ, wenn er OB wird. Dann erübrigt sich guter Journalismus.

Liebe CDU: Liebe CDU, morgen dürfen auch viele der 16 jährigen die vor 2 Jahren im Schlosspark euer Verständnis von Demokratie mit dem Schlagstock eingeprügelt bekamen wählen. Ich kenne einge davon und die werden sich morgen auf ganz demokratische Weise dafür bei euch 'bedanken'.

Turner ist kein Stuttgarter: auch wenn er hier gerade seinen ersten Wohnsitz hat, ist für mich Turner kein Stuttgarter. Auch wenn er 50 Jahre hier wohnt, ist er für mich kein Stuttgarter. Seit wann sind Millionäre eigentlich normale Bürger? Ich habe Turner noch nie in der Stadt beim einkaufen, beim Spaziergang im Park getroffen. Rockenbauch ist der einzige Stuttgarter, der sich seit Jahren auch für die Stadt einsetzt. Netter Versuch der STZ noch ein paar Wählerstimmen für Turner zu sammeln, kommt aber eher plump rüber.

Turners Scheinblase: Herr Turner hat Herr Kuhn einen Fairnesspakt angeboten, den dieser aus gutem Grunde abgelehnt hat. Fritz Kuhn hat und hatte es nicht nötig diesen Pakt zu schließen, weil die Fairness sein Tun und Handeln prägt. Beim Vergleich der Facebook-Seiten der OB-Kandidaten, kann man feststellen, was Herr Turner unter Fairness versteht. Er, sein Team und ein eifriger Kolumnenschreiberling scheuen sich nicht, auf sehr subtile Art gegen Fritz Kuhn zu polemisieren. Allein dieses Verhaltensmerkmal ist Grund genug, Herrn Turner nicht zu wählen, denn hier offenbart sich eine sehr unangenehme Wesensart eines Menschen, der mit dem Slogan 'Ein Bürger als Oberbürgermeister' wirbt. Ausgerechnet derjenige, der einen Fairnesspakt ins Spiel brachte, tritt die Fairness mit Füssen! Respekt vor allen anderen OB-Kandidaten, die ohne das Wort Fair auszusprechen, fair sind.

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