Stuttgarter Planetarium Zäune auf dem Weg zu den Sternen
Nicole Höfle, 26.06.2010 15:26 Uhr
Der Planetariumschef Uwe Lemmer richtet den Blick derzeit nicht nur auf die Sterne, sondern auch auf die näher rückende S-21- Baustelle. Foto: Heiss
Der Planetariumschef Uwe Lemmer richtet den Blick derzeit nicht nur auf die Sterne, sondern auch auf die näher rückende S-21- Baustelle. Foto: Heiss
""Die Anlage ist so alt, dass wir schon keine Ersatzteile mehr bekommen.""



Was den Planetariumsleiter versöhnlich stimmt, sind die 2,7 Millionen Euro, die der Gemeinderat der Kultureinrichtung für eine neue Technik genehmigt hat. Im Moment sind es Diaprojektoren, mit denen die Techniker die Programme gestalten. "Die Anlage ist so alt, dass wir schon gar keine Ersatzteile mehr bekommen", erzählt Lemmer. Die Planetariums-Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren gelernt zu improvisieren, aber inzwischen sei ein Stadium erreicht, in dem man sich kaum mehr behelfen könne. "Ohne neue Technik würden wir nur noch die Rücklichter der anderen sehen", sagt Lemmer. Viele andere Planetarien haben bereits auf Videoprojektoren umgestellt.

2011 wird der nächste Weltuntergang im Fokus stehen


"Mit der neuen Technik können wir die Besucher durch das Sonnensystem fliegen lassen, während im Moment nur starre Bilder möglich sind", schwärmt Lemmer. Für Susanne Eisenmann ist die Technik, die 2011 eingebaut werden soll, eine Chance, um während der Bauzeit bestehen zu können: "Auf diese Weise können wir die Erschwernisse im Umfeld ein Stück weit abfedern." Und langfristig sieht sie die Chance, doch noch ein Mobilitätszentrum zu bekommen. "Wenn sich die Finanzlage verbessert, werden wir wieder darüber reden."

Das hofft auch Lemmer, der vor zwei Jahren eingestellt worden ist, um ein neues Planetarium aufzubauen. Bis auf Weiteres aber stellt sich der Physiker auf den Schlossgarten und zehn Jahre Baustelle ein. Und darauf, die zuletzt wieder angestiegenen Besucherzahlen erst einmal nicht mehr erreichen zu können. 220.000 Besucher in 1200 Vorstellungen waren es 2009 gewesen. In den zwei Jahren haben die Mitarbeiter des Planetariums einiges ausprobiert: Seither ist die Sternenwelt bei der Nacht der Museen dabei, seither gibt es eine Juri-Night, in der die erste Raumfahrt eines Menschen gefeiert wird, und seither wird am 21. Juli zum Mondabend geladen - in Erinnerung an die erste Mondlandung. Und neuerdings erklärt der Chef selbst einmal im Monat den aktuellen Sternenhimmel. Zu den erfolgreichsten Veranstaltungen aber gehören noch immer die Kindervorstellungen an den Wochenenden, in denen Fragen geklärt werden wie diese: wo schläft die Sonne in der Nacht?

Auch den Erwachsenen verspricht Lemmer spannende Aussichten. Im nächsten Programm geht es um neue Entdeckungen im Kosmos und irgendwann 2011 wird der nächste Weltuntergang im Fokus stehen. Der soll nach dem Maya-Kalender 2012 passieren. "Der Urknall, Schwarze Löcher und Weltuntergänge faszinieren immer", so Lemmer. Auch mit Baustelle nebenan.
Kommentare (8)
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JUN
27
Fazit, 11:13 Uhr

Zusammenfassung

wogegen wir sind: unabsehbare Kosten in vielleicht 2-stelliger Milliardenhöhe für einen Bahnhof - obwohl wir schon einen sehr guten Bahnhof haben, für den ein kostengünstiger Plan zu Modernisierung vorliegt. eine kräftige Finanzspritze an die Bauindustrie und Tunnelbohrer zu denen die lieben S21-Vorantreiber engste Verbindungen unterhalten. unabsehbare Risiken in geologischer Hinsicht durch Tunnelbau: die Mineralquellen sind in Stuttgart einzigartig und könnten durch die Bauarbeiten gefährdet werden. Der Untergrund, die Erdschichten in Stuttgart sind nicht so gestaltet, dass man einfach so drin rumbohren kann. Jahrzehntelange Großbaustelle mitten in der Stadt. Wann wurden jemals die Kosten und Zeitrahmen eingehalten für eine große Baustelle, die zum Teil mit öffentlichen Geldern finanziert wurde? Nennen Sie mir eine einzige. Die Lärmbelästigung durch die Bauarbeiten, die Luftverschmutzung und die unbequeme Verkehrssituation werden sogar neugierige "Baustellentouristen" von weither zu spüren bekommen. Verschandelung des wunderbaren und wichtigen Schlossparks. Verstümmelung des Bahnhofs, Bau einer pseudo-künstlerischen Ingenhoven-Selbstverherrlichung, die mit dieser Stadt nicht in geringster Weise etwas zu tun hat. Allerdings könnten die Grafitti-Künstler sich schon auf die weißen Flächen freuen. Agoraphobiker werden sich ebenfalls auf die schöne unterirdische Welt freuen (Jubel-Stuttgarter gehört sicher zu einer der beiden Gruppen). Und wir ärgern uns, nach Strich und Faden belogen zu werden.

JUN
27
Experte, 09:39 Uhr

Das Geschrei!

Nun der Leiter des Planetariums scheint wohl irgendwie recht zu haben, dass Stuttgart auch wärend der Baustellenzeit nicht untergehen wird. Zum einen hat er jetzt schon Baustellen, die nicht wirklich weit weg sind, zum Anderen sind die LKWs, die über die B14 donnern auch nicht gerade das, was man leise und erschütterungsfrei bezeichnen kann. Wichtig ist, doch, dass das Planetarium wärend der gesamten Bauzeit erreichbar bleicht. Der Umbau z.B. der U-Bahn-Haltestelle wird auch nicht die ganzen 10 Jahre dauern, genauso wenig, sie die Ramm-Arbeiten. Die Baustelle wird sich immer wieder verändern, und es wird wie bei allen großen Baustellen sehr viele geben, die da mal einen Blick drauf werfen wollen - das hat nicht zuletzt die Landesmesse gezeigt. Auch am Nesenbach-Düker wird nicht 10 Jahre lang gebaut werden, und die Baustellen werden auch nicht 10 Jahre lang gleich viel Lärm verursachen. Und das mit der Verlegung des Nesenbachs hat auch damit zu tun, dass er ja wohl im weiteren Verlauf des Schlossgartens wieder an die Oberfläche verlegt werden soll. Zum Beispiel das der Kommentator wegen der Schule erwähnt hat, und was für nicht Ortskundige ganz schlimm klinkgt (wegen 3 Seiten Baustelle), muss erstmal erwähnt werden, dass die Schule jetzt auf zwei Seiten bereits von Stadtautobahnen begrenzt wird. Und von den 3 Seiten Baustelle werden zwei hinter der Stadtautobahn sein. Die dritte Seite - also die Baustelle für den Düker, wird keine 10 Jahre lang Baustelle sein, der Düker wird fertig gebaut, und dann ist auf dieser Seite fertig. Fildertunnel und Bahnhofshalle werden im Vergleich viel länger brauchen. Die Bohrungen für den Fildertunnel werden z.B. auch nicht die ganzen 10 Jahre in Anspruch nehmen - schließlich solle jeder, der schonmal Baustellen gesehen hat, wissen, dass eine ganze Menge Zeit für den "Innenausbau" verwendet wird (Das Bauwerk von außen also "fast" fertig ist, innen aber noch Technik ... eingebaut wird). Wie lange tatsächlich gebort wird (und das Material abtransportiert wird), hängt nicht zu letzt davon ab, wie die Ausschreibungen verlaufen, also welches Verfahren entgültig zum Zuge kommt. Alles das interessiert diejenigen, die mit dem "Gegner sein" Profit machen wollen aber erstmal nicht. Sie versuchen ihren "Anhängern" einzureden, dass über die gesamte Bauzeit alles ganz schlimm sein wird und übertreiben die Belästigungen der Baustelle bis zum Anschlag. Beispiel Arbeiten am jetztigen Gleisvorfeld: "Gegner schreien, der Lärm wird 10 Jahre andauern" - Tatsache wird sein, sobald die Gleise verlegt sind, ist dort erstmal über Jahre hinweg ruhe - und erst gegen Ende der Bauzeit, wenn der neue Bahnhof in Betrieb ist, wird es leider wieder Lärm geben, wenn der 40 meter hohe Berg namens Tunnelgewölbe abgetragen wird (Bauzeit ca. 1/2 Jahr). Nicht zuletzt müssen die "Gegner" das so machen, um genügend überteuerte Regenschirme an den Mann zu bekommen.

JUN
26
Landei, 18:56 Uhr

Kommet, ihr Baustellen-Peeper

ENDLICH... ich habs kapiert !!! Die Baustelle ist der Jobmotor, 17.000 neue Arbeitsplätze für Zimmermädchen und Servierkräfte. Zu Zigtausenden werden die Baustellen-Touristen aus aller Welt an den Neckar strömen. Deshalb brauchen wir auch nochmal drei neue Hotels im Neckarpark. Schlau, Herr Schuster. Und dass Guido W. auch noch die Mehrwertssteuer reduziert hat. Sehr clever, Herr Drexler. Ich seh blühende Landschaften vor mir, eine Wurstbude neben der anderen, der Verkauf von Grube-Devotionalien explodiert regelrecht. Jeder will das T-Shirt mit dem Slogan "Es stimmt..." haben. Nur: warum Lachen die alle so komisch? Lachen die uns etwa aus ?

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