Stuttgarter Planetarium
Zäune auf dem Weg zu den Sternen
Nicole Höfle,
26.06.2010 15:26 Uhr
Der Planetariumschef Uwe Lemmer richtet den Blick derzeit nicht nur auf die Sterne, sondern auch auf die näher rückende S-21- Baustelle. Foto: Heiss
""Die Anlage ist so alt, dass wir schon keine Ersatzteile mehr bekommen.""
Vielleicht sind es diese Dimensionen, die den Planetariumsleiter Uwe Lemmer gelassen bleiben lassen, obwohl dem Sternenhaus in nächster Zeit einige Widrigkeiten bevorstehen. In unmittelbarer Nähe zum Planetarium wird der neue Hauptbahnhof gebaut. Die Bauzäune für das Großprojekt werden über kurz oder lang ziemlich nahe an das Planetarium heranrücken. Hinzu kommt, dass die Haltestelle Staatsgalerie umgebaut wird, auch sie nur wenige Schritte von der Sternenwelt entfernt. Und dann ist da noch der Nesenbach, der unterirdisch nah vorbeifließt und der verlegt werden muss.
Uwe Lemmer aber bleibt optimistisch: "Natürlich werden wir Beeinträchtigungen erleben, aber daraus werden sich auch Chancen ergeben." Die Baustellentouristen zum Beispiel: "Vor unserem Haus können die Menschen dann tief in die Erde schauen, und bei uns in den weiten Himmel. Wo gibt es schon eine so reizvolle Kombination?" Lemmers gute Laune ist umso bemerkenswerter, als er bis zum vergangenen Herbst noch davon ausgegangen war, ein komplett neues Planetarium in einem Mobilitäts-Erlebnis-Zentrum in Bad Cannstatt aufbauen zu können - bis die Finanznot der Stadt und die neue Mehrheit im Gemeinderat das Projekt vorerst in die Schublade verschwinden ließen.
Der Zugang zum Planetarium wird immer offen gehalten
Der Astrophysiker Lemmer, dessen Doktorarbeit der Kurzzeitaktivität sogenannter Be-Sterne gewidmet war, kann sich sogar vorstellen, ein Podest vor dem Planetarium aufzustellen, damit die Baustellenfans einen guten Blick auf Gräben und Maschinen werfen können. Noch sind das allerdings reine Gedankenspiele, da derzeit weder Lemmer noch die Projektsprecher von Stuttgart 21 sagen können, wann das Planetarium von den Bauarbeiten betroffen sein wird. "Solange die Ausschreibungen noch laufen, können wir keinen Zeitplan aufstellen und die Betroffenen auch nicht informieren", so ein Projektsprecher.
Sicher aber ist, dass der Zugang zum Planetarium immer offen gehalten wird, das ist Teil der Vereinbarungen zwischen der Stadt und der Deutschen Bahn. "Das Planetarium wird während der Bauarbeiten sicher nicht über einen längeren Zeitraum geschlossen werden", sagt Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Und sollte doch einmal eine Vorstellung ausfallen, dann ist die Bahn zu Ausgleichszahlungen verpflichtet.
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Zusammenfassung
wogegen wir sind: unabsehbare Kosten in vielleicht 2-stelliger Milliardenhöhe für einen Bahnhof - obwohl wir schon einen sehr guten Bahnhof haben, für den ein kostengünstiger Plan zu Modernisierung vorliegt. eine kräftige Finanzspritze an die Bauindustrie und Tunnelbohrer zu denen die lieben S21-Vorantreiber engste Verbindungen unterhalten. unabsehbare Risiken in geologischer Hinsicht durch Tunnelbau: die Mineralquellen sind in Stuttgart einzigartig und könnten durch die Bauarbeiten gefährdet werden. Der Untergrund, die Erdschichten in Stuttgart sind nicht so gestaltet, dass man einfach so drin rumbohren kann. Jahrzehntelange Großbaustelle mitten in der Stadt. Wann wurden jemals die Kosten und Zeitrahmen eingehalten für eine große Baustelle, die zum Teil mit öffentlichen Geldern finanziert wurde? Nennen Sie mir eine einzige. Die Lärmbelästigung durch die Bauarbeiten, die Luftverschmutzung und die unbequeme Verkehrssituation werden sogar neugierige "Baustellentouristen" von weither zu spüren bekommen. Verschandelung des wunderbaren und wichtigen Schlossparks. Verstümmelung des Bahnhofs, Bau einer pseudo-künstlerischen Ingenhoven-Selbstverherrlichung, die mit dieser Stadt nicht in geringster Weise etwas zu tun hat. Allerdings könnten die Grafitti-Künstler sich schon auf die weißen Flächen freuen. Agoraphobiker werden sich ebenfalls auf die schöne unterirdische Welt freuen (Jubel-Stuttgarter gehört sicher zu einer der beiden Gruppen). Und wir ärgern uns, nach Strich und Faden belogen zu werden.
Das Geschrei!
Nun der Leiter des Planetariums scheint wohl irgendwie recht zu haben, dass Stuttgart auch wärend der Baustellenzeit nicht untergehen wird. Zum einen hat er jetzt schon Baustellen, die nicht wirklich weit weg sind, zum Anderen sind die LKWs, die über die B14 donnern auch nicht gerade das, was man leise und erschütterungsfrei bezeichnen kann. Wichtig ist, doch, dass das Planetarium wärend der gesamten Bauzeit erreichbar bleicht. Der Umbau z.B. der U-Bahn-Haltestelle wird auch nicht die ganzen 10 Jahre dauern, genauso wenig, sie die Ramm-Arbeiten. Die Baustelle wird sich immer wieder verändern, und es wird wie bei allen großen Baustellen sehr viele geben, die da mal einen Blick drauf werfen wollen - das hat nicht zuletzt die Landesmesse gezeigt. Auch am Nesenbach-Düker wird nicht 10 Jahre lang gebaut werden, und die Baustellen werden auch nicht 10 Jahre lang gleich viel Lärm verursachen. Und das mit der Verlegung des Nesenbachs hat auch damit zu tun, dass er ja wohl im weiteren Verlauf des Schlossgartens wieder an die Oberfläche verlegt werden soll. Zum Beispiel das der Kommentator wegen der Schule erwähnt hat, und was für nicht Ortskundige ganz schlimm klinkgt (wegen 3 Seiten Baustelle), muss erstmal erwähnt werden, dass die Schule jetzt auf zwei Seiten bereits von Stadtautobahnen begrenzt wird. Und von den 3 Seiten Baustelle werden zwei hinter der Stadtautobahn sein. Die dritte Seite - also die Baustelle für den Düker, wird keine 10 Jahre lang Baustelle sein, der Düker wird fertig gebaut, und dann ist auf dieser Seite fertig. Fildertunnel und Bahnhofshalle werden im Vergleich viel länger brauchen. Die Bohrungen für den Fildertunnel werden z.B. auch nicht die ganzen 10 Jahre in Anspruch nehmen - schließlich solle jeder, der schonmal Baustellen gesehen hat, wissen, dass eine ganze Menge Zeit für den "Innenausbau" verwendet wird (Das Bauwerk von außen also "fast" fertig ist, innen aber noch Technik ... eingebaut wird). Wie lange tatsächlich gebort wird (und das Material abtransportiert wird), hängt nicht zu letzt davon ab, wie die Ausschreibungen verlaufen, also welches Verfahren entgültig zum Zuge kommt. Alles das interessiert diejenigen, die mit dem "Gegner sein" Profit machen wollen aber erstmal nicht. Sie versuchen ihren "Anhängern" einzureden, dass über die gesamte Bauzeit alles ganz schlimm sein wird und übertreiben die Belästigungen der Baustelle bis zum Anschlag. Beispiel Arbeiten am jetztigen Gleisvorfeld: "Gegner schreien, der Lärm wird 10 Jahre andauern" - Tatsache wird sein, sobald die Gleise verlegt sind, ist dort erstmal über Jahre hinweg ruhe - und erst gegen Ende der Bauzeit, wenn der neue Bahnhof in Betrieb ist, wird es leider wieder Lärm geben, wenn der 40 meter hohe Berg namens Tunnelgewölbe abgetragen wird (Bauzeit ca. 1/2 Jahr). Nicht zuletzt müssen die "Gegner" das so machen, um genügend überteuerte Regenschirme an den Mann zu bekommen.
Kommet, ihr Baustellen-Peeper
ENDLICH... ich habs kapiert !!! Die Baustelle ist der Jobmotor, 17.000 neue Arbeitsplätze für Zimmermädchen und Servierkräfte. Zu Zigtausenden werden die Baustellen-Touristen aus aller Welt an den Neckar strömen. Deshalb brauchen wir auch nochmal drei neue Hotels im Neckarpark. Schlau, Herr Schuster. Und dass Guido W. auch noch die Mehrwertssteuer reduziert hat. Sehr clever, Herr Drexler. Ich seh blühende Landschaften vor mir, eine Wurstbude neben der anderen, der Verkauf von Grube-Devotionalien explodiert regelrecht. Jeder will das T-Shirt mit dem Slogan "Es stimmt..." haben. Nur: warum Lachen die alle so komisch? Lachen die uns etwa aus ?