""Die Anlage ist so alt, dass wir schon keine Ersatzteile mehr bekommen.""
Stuttgart - Es sind noch immer die Fanfare und die Pauken von Richard Strauss' "Zarathustra", die erklingen, wenn der Projektor des Planetariums nach oben fährt. Und es ist noch immer die gleiche ehrfürchtige Stille, die in diesem Moment in dem Kuppelsaal einkehrt. Was folgt, ist eine Lektion in Sternenkunde, in der die Dimensionen noch größer sind als der Schuldenstand des Bundeshaushalts. Da ist von Milliarden Jahre alten Planeten die Rede und von Entfernungen, die viele Millionen Lichtjahre betragen. Und am Ende weiß der Besucher eines ganz gewiss: dass er nur ein winzig kleines Licht in einem ziemlich großen Universum ist.
Vielleicht sind es diese Dimensionen, die den Planetariumsleiter Uwe Lemmer gelassen bleiben lassen, obwohl dem Sternenhaus in nächster Zeit einige Widrigkeiten bevorstehen. In unmittelbarer Nähe zum Planetarium wird der neue Hauptbahnhof gebaut. Die Bauzäune für das Großprojekt werden über kurz oder lang ziemlich nahe an das Planetarium heranrücken. Hinzu kommt, dass die Haltestelle Staatsgalerie umgebaut wird, auch sie nur wenige Schritte von der Sternenwelt entfernt. Und dann ist da noch der Nesenbach, der unterirdisch nah vorbeifließt und der verlegt werden muss.
Uwe Lemmer aber bleibt optimistisch: "Natürlich werden wir Beeinträchtigungen erleben, aber daraus werden sich auch Chancen ergeben." Die Baustellentouristen zum Beispiel: "Vor unserem Haus können die Menschen dann tief in die Erde schauen, und bei uns in den weiten Himmel. Wo gibt es schon eine so reizvolle Kombination?" Lemmers gute Laune ist umso bemerkenswerter, als er bis zum vergangenen Herbst noch davon ausgegangen war, ein komplett neues Planetarium in einem Mobilitäts-Erlebnis-Zentrum in Bad Cannstatt aufbauen zu können - bis die Finanznot der Stadt und die neue Mehrheit im Gemeinderat das Projekt vorerst in die Schublade verschwinden ließen.
Der Zugang zum Planetarium wird immer offen gehalten
Der Astrophysiker Lemmer, dessen Doktorarbeit der Kurzzeitaktivität sogenannter Be-Sterne gewidmet war, kann sich sogar vorstellen, ein Podest vor dem Planetarium aufzustellen, damit die Baustellenfans einen guten Blick auf Gräben und Maschinen werfen können. Noch sind das allerdings reine Gedankenspiele, da derzeit weder Lemmer noch die Projektsprecher von Stuttgart 21 sagen können, wann das Planetarium von den Bauarbeiten betroffen sein wird. "Solange die Ausschreibungen noch laufen, können wir keinen Zeitplan aufstellen und die Betroffenen auch nicht informieren", so ein Projektsprecher.
Sicher aber ist, dass der Zugang zum Planetarium immer offen gehalten wird, das ist Teil der Vereinbarungen zwischen der Stadt und der Deutschen Bahn. "Das Planetarium wird während der Bauarbeiten sicher nicht über einen längeren Zeitraum geschlossen werden", sagt Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Und sollte doch einmal eine Vorstellung ausfallen, dann ist die Bahn zu Ausgleichszahlungen verpflichtet.