Stuttgarter Schulen Stärkere Förderung schwacher Kinder
Inge Jacobs, 10.09.2010 18:39 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Das neue Schuljahr startet nächste Woche mit besseren Rahmenbedingungen für die Schüler an Grund-, Haupt-, Werkrealschulen, Realschulen und Sonderschulen. Das liegt zum einen daran, dass trotz leicht gesunkener Schülerzahlen die Lehrerversorgung nicht zurückgefahren wird und insgesamt 173 neue Pädagogen eingestellt werden. Davon allerdings viele als Ersatz für Ruheständler, und 33 der Neuen ließen sich gleich für Privatschulen beurlauben.

Zum anderen greift die Reduzierung des Klassenteilers von 31 auf 28 Schüler in der Grundschule und von 32 auf 31 in der Realschule. Somit können in den Grundschulen 14, in den Realschulen zehn zusätzliche Klassen gebildet werden. "Das entlastet die Schulen und die Lehrkräfte", betonte Ulrike Brittinger, die Leiterin des Staatlichen Schulamts, am Donnerstag vor der Presse. Doch es gibt in der Stuttgarter Schullandschaft noch weitere bildungspolitische Neuerungen.

Grundschule Erstmals werden auch hier pädagogische Assistenten eingesetzt. "Die sollen keinen Unterricht halten, sondern mit einzelnen Kindern individuell üben", sagte Brittinger. 27 Schulen in Brennpunktgebieten erhalten diese Unterstützung. "Wir haben diese Schulen nach dem Sozialdatenatlas ausgesucht", so Brittinger. Von dem Landesförderprogramm für frühkindliche Bildung "Singen-Bewegen-Sprechen" in Kooperation mit Musikschulen und Vereinen profitieren zunächst die Kitas. Doch vom Schuljahr 2012 an finanziert das Land diese erweiterten Bildungsangebote auch für die Projektkinder an den Grundschulen. Dies solle sich wie ein roter Faden von der Kita in die Grundschule ziehen, erklärte die Schulamtschefin.

Das gleiche Ziel verfolge man auch mit den Bildungshäusern für Drei- bis Zehnjährige, mittels derer der Übergang Kita-Schule reibungsloser gestaltet werden soll. Bis Anfang November 2010 können sich erneut Grundschulen gemeinsam mit Kitas für dieses vom Land geförderte Modell bewerben. Sie hoffe auf großen Zuspruch, so Brittinger. Allerdings setzt die Stadt Stuttgart auf ihr eigenes Modell, nach welchem inzwischen fünf sogenannte pädagogische Verbünde arbeiten. "Da gab es gewisse Irritationen", meinte Ulrike Brittinger. "Die Stadt wollte schneller sein." Doch dies habe nicht geklappt. Nun hoffe sie, dass der Gemeinderat auch den vier weiteren Schulen, die sich im Rahmen der Stuttgarter Bildungspartnerschaft um Projektfördermittel zur Schulentwicklung beworben hätten, diese bewillige.

Haupt- und Werkrealschule
Durch das neue Bildungsangebot werden sich schon für Fünftklässler die Anforderungen in den Kernfächern leicht erhöhen. Derzeit gibt es 15 kleine Hauptschulen und 19 Werkrealschulen. Im Oktober entscheidet der Gemeinderat, für welche weiteren Hauptschulen der Werkrealschulstatus beantragt werden soll. Im Schulamt rechnet man mit Anträgen für die Riedseeschule in Möhringen und die Wolfbuschschule in Weilimdorf. Im neuen Schuljahr werden an Haupt- und Werkrealschulen 21 pädagogische Assistenten die Arbeit der Lehrer unterstützen.

Realschule
Erstmals werden für besonders leistungswillige Schüler bilinguale Züge in Englisch angeboten: an der Fritz-Leonhardt-Schule in Degerloch und der Schloss-Realschule in der Innenstadt. Dabei werden auch zwei Sachfächer auf Englisch unterrichtet. Den Antrag der Schickhardt-Schule hat das Land nicht genehmigt. Eine besondere Herausforderung in Sachen Integration bilden die 210 Rückkehrer aus dem Gymnasium. "Diese Schüler sind meistens frustriert", berichtete die Schulrätin Monika Hölzle. "Wir denken, das liegt auch am G8." In der Schloss-Realschule habe man deshalb für sie eine eigene Klasse gebildet. Auch an der Realschule Ostheim gibt es eine zehnte Klasse, die ausschließlich aus ehemaligen Gymnasiasten besteht.

Sonderschule
Mit mehreren Projekten sollen verhaltensauffällige Schüler stabilisiert werden, darunter auch ein Jugendarbeitsprojekt der Caritas und der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Es kombiniert ganzheitlich Arbeiten und Lernen in Kleingruppen. Ganztagsschule Im Schuljahr 2011 starten zwei neue Grundschulen (Falkert- und Steinenbergschule) und die Werkrealschule Ostheim mit verpflichtendem Ganztagsunterricht. Bei den Realschulen startet jetzt die Brunnen-Realschule und 2011 die Realschule Ostheim. Die Nachfrage ist groß.
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