Stuttgarter Spielstätte Dem Panda sei Dank: ohne Cro kein Wizemann

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Am Montagabend hat sich gezeigt, wieso man dem Rapper auch als Nicht-Fan dankbar sein muss. Das Taschengeld, das die sehr jungen Cro-Fans für ihren Popstar ausgeben, wurde in der Spielstätte äußerst elegant angelegt.

Gut investiertes Taschengeld: die Fans von Cro haben  die Spielstätte Wizemann indirekt finanziert. Foto: Lg/Achim Zweygarth 8 Bilder
Gut investiertes Taschengeld: die Fans von Cro haben die Spielstätte Wizemann indirekt finanziert.Foto: Lg/Achim Zweygarth

Stuttgart - Es soll ja immer noch Menschen geben, die Cro für überschätzt halten. Diese Fehleinschätzung wurde am Montagabend wieder einmal aufs Trefflichste revidiert. Mit dem Heimspiel des Stuttgarter Rappers in der immer noch neuen Konzertlocation „Im Wizemann“ hat sich nämlich ein Kreis geschlossen: Ohne das Geld, das die Cro-Firma Chimperator mit seinem Vorzeigekünstler verdient hat, gebe es die schmucke Spielstätte gar nicht. Geschäftsführender Gesellschafter des Wizemann ist nämlich neben Matthias Mettmann kein anderer als Steffen Posner, seines Zeichens Cro-Manager.

Da verwundert es kaum, dass Posner am Montagabend zufrieden lächelnd durch das Wizemann schlenderte. Und das nicht nur wegen der ungewöhnlich kurzen Anreise seines Künstlers – im vergangenen Jahr hatte Cro unter anderem in Moskau und St. Petersburg gespielt. Sondern auch, weil viele der Gäste einen ungleich längeren Weg in Kauf genommen hatten, um den Nr.-1-Künstler live zu sehen. Zum Beispiel der Gast Stefan Buron, der mit seinen zwei Töchtern extra drei Stunden Anfahrt aus Trier in Kauf genommen hatte.

50 Konzerte in einem halben Jahr: So kann es weitergehen

Karl Maier, als Festzeltwirt Betreiber des Göckelesmaier auf dem Wasen, gehörte mit seiner Frau Daniela zu den Ausnahmen im Publikum: Er hatte seine Kinder zuhause gelassen. „Wir wollten uns das Wizemann endlich mal in Ruhe von innen anschauen. Da kann man nur froh sein, wenn man sieht, was hier entstanden ist“, sagt Maier. „Eine Konzerthalle in der Größenordnung ist für die Kultur einer Stadt essenziell. Megatempel wie die Schleyerhalle reichen nicht, das Überraschende passiert in einer Halle wie dem Wizemann“, so Maier weiter.

Dass in den nächsten Monaten im Wizemann viele überraschende Künstler gastieren – darunter großer Pop von Get Well Soon, subversiver Rap von SSIO oder Wüstenrock von Calexico – ist also vor allem dem routinierten Pop-Rapper Cro zu verdanken. Dessen Fans werden übrigens immer jünger. Am Montagabend waren Teenager neben ihren Eltern in der Minderheit, dafür zeigten sich die Acht- bis Zwölfjährigen erstaunlich textsicher. Dass ein großer Teil des Publikums in Cros Klamottenmarke Viovio gekleidet war, spricht auch für den Geschäftssinn des Cro-Imperiums. Das Pop-Publikum in Stuttgart sollte aber vor allem dankbar sein, dass das Taschengeld der Cro-Fans in eine gut funktionierende Konzertspielstätte investiert wurde. Rund 50 Künstler in einem knappen halben Jahr Betrieb machen Lust auf mehr.

Die Popstadt Stuttgart funktioniert übrigens auch ganz weit weg von Cro derzeit ganz wunderbar: Am Samstagabend setzte die anerkannte Musiksendung Tracks auf Arte der Indie-Szene rund um die Band „Die Nerven“ und deren Heimat, den Milberg-Studios in Heslach, ein filmisches Denkmal. Nach Jahren des Jammerns läuft es im Bereich der populären Kultur wirklich außerordentlich gut in Stuttgart.


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Naja,: das wirklich Überraschende passiert dann doch wohl eher in kleinen Clubs der Größenordnung 100 bis 150 Zuschauer, wo noch echte Subkultur gepflegt wird. Wer eine Band erst entdeckt, wenn sie schon im Wizemann auftritt, ist schon reichlich spät dran. Wenn ich mir das Programm vom Wizemann so ansehe, ist da jetzt nicht wirklich groß was Überraschendes dabei, das sind alles sehr gut etablierte bekannte Acts, nicht wirklich irgendwas zum neu entdecken. Also nichts gegen das Wizemann, und es ist richtig, dass ein Veranstaltungsort dieser Größenordnung sehr dringend gebraucht wurde, aber sie sollten jetzt nicht zusätzlich noch etwas vorgeben, was sie nicht wirklich sind und nicht leisten. Echte Aufbauarbeit findet immer noch woanders statt.

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