Stuttgarter Textilien-Galeristin
Brücken aus Usbekistan
Katharina Schönwitz,
04.07.2010 09:02 Uhr
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Ulrike Montigel in ihrer Galerie für Stammestextilien im Stuttgarter Westen. Foto: Gottfried Stoppel
""Weltweit gibt es vielleicht zehn bis zwanzig Händler, die sich auf dieselben Stücke wie ich spezialisiert haben""
Textilien-Händlerin Ulrike Montigel
1989 kam die Krise. Fast drei Monate verkaufte Ulrike Montigel keinen einzigen Teppich. "Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: entweder nach München oder Hamburg ziehen, wo größeres Kunstinteresse besteht, oder mir hier in Stuttgart eine Nische suchen." Sie entschied sich für die zweite Möglichkeit und kaufte ihren ersten Uralt-Teppich. "Den bot ich einem englischen Kollegen zu einem Spottpreis an, er musste einfach zu mir nach Stuttgart fliegen. Das war mein Auftakt für die Ausrichtung auf das internationale Teppichgeschäft", sagt sie und wuschelt sich durch ihre roten Haare.
Die meisten Teppiche und Textilien, mit denen sie heute handelt, sind schon seit dreißig oder vierzig Jahren in Europa. Ihre Stücke entdeckt sie auf Auktionen oder bei Händlern, die hauptsächlich mit Massenware handeln und so manche Rarität nicht erkennen. "Weltweit gibt es vielleicht zehn bis zwanzig Händler, die sich auf dieselben Stücke wie ich spezialisiert haben", sagt sie. Vor allem Hippies haben viele der Sachen in den 60er und 70er Jahren von ihren Trips mitgebracht. "Ich war selbst auch ein-, zweimal in Thailand und der Türkei unterwegs, aber da etwas Echtes zu finden, das ich dann auch noch gewinnbringend verkaufen kann, ist fast unmöglich." Als Frau habe sie es in der von Männern dominierten Branche doppelt schwer.
Spezialkäfig für Staubfänger
Die aktuelle Wirtschaftskrise bedeutet wieder einmal eine schwierige Zeit für alle Kunsthändler. Deshalb hat sich Ulrike Montigel inzwischen ein zweites Standbein geschaffen. Sie steigt auf ihren hohen Absätzen die steile Kellertreppe hinab. Dort steht in einem extra Kellerabteil ein Holzkäfig. Drei Meter hoch, drei Meter tief, vier Meter breit. "Damit reinige ich die antiken Teppiche", erklärt sie. Durch den Staub, der sich über Jahrhunderte festsetzt, bekommen die Farben einen Grauschleier. "Der Trick besteht also darin, den Staub wieder herauszubekommen." Doch meist sitzt der in den Knoten, selbst der beste Staubsauger brächte da nichts - wobei Saugen für die Expertin ohnehin ein Graus ist, "weil es die Oberfläche der Teppiche ruiniert".
Also hat sie sich in Istanbul zeigen lassen, wie es dort traditionell gemacht wird. Sie drückt auf einen Schalter, und schon beginnt sich der Käfig wie eine Schleuder zu drehen. Der Teppich wird langsam hin und her geworfen, und der Raum füllt sich mit immer mehr mit Staub, Ulrike Montigel schließt lieber die Tür. "Natürlich wollte mir der türkische Händler nicht seine Baupläne verraten. Aber ich habe einfach ganz genau hingeschaut, und ein Stuttgarter Schreiner hat ihn dann nach meinen Zeichnungen nachgebaut", sagt sie und steigt wieder hinauf in ihre Galerie. "Das ist wohl mein schwäbischer Unternehmergeist."
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