""Weltweit gibt es vielleicht zehn bis zwanzig Händler, die sich auf dieselben Stücke wie ich spezialisiert haben""
Textilien-Händlerin Ulrike Montigel
Stuttgart - Für die meisten sind es auf den ersten Blick ein paar alte Lappen: teilweise geflickt, ausgefranst und äußerst empfindlich. Ulrike Montigel lebt davon. Etwas erschöpft blickt sie auf einen Stapel der antiken Textilien, die sich noch auf dem großen Holztisch im hintereren Teil ihrer Galerie im Stuttgarter Westen stapeln. Eigentlich müsste sie jetzt alles wegräumen. Doch die 62-Jährige lässt sich erstmal mit einer Tasse frischem Kaffee und einem Stück leckerem Hefezopf auf einem Stuhl nieder. Durchatmen nach zwei Wochen Dauerstress auf der internationalen Kunstmesse "International Fine Art & Antique Fair" in London. Das bedeutet: Transporter ausleihen, eine Kiste in der Größe eines Whirlpools mit Teppichen, Textilien und Skulpturen packen, nach England fahren, Tag für Tag den Messestand betreuen, wieder Kisten packen, zurückfahren und zu Hause wieder alles einräumen.
"Es ist ganz gut gelaufen", sagt sie und lächelt über einen Schluck Kaffee hinweg. Ulrike Montigel ist Expertin für Stammestextilien und Stammesteppiche. Nomaden aus Turkmenistan, dem Kaukasus, der Türkei, China und Persien knüpften diese zwischen dem 11. und 19. Jahrhundert. Meistens waren es Frauen und Mädchen, die diese Handarbeiten in vielen Monaten herstellten: große Teppiche für ihre Zelte, Tragetücher für Kleinkinder, Kamelschmuck für Hochzeitsfeiern und Transporttaschen für das eigene Hab und Gut. "Jeder Stamm hatte seine eigene Symbolik und seine besonderen Farben, man kann heute noch zuordnen, was wo geknüpft oder gewebt wurde", sagt Ulrike Montigel.
Etwas Passendes für Mick Jagger
In ihrer Stuttgarter Galerie bekommt man einen Eindruck, wie unterschiedlich Stammeskunst sein kann: Ein etwa 300 bis 400 Jahre altes Mandala aus Tibet ist dort zu sehen, bis zu 20.000 Euro teure Kelims und Brücken aus Ägypten, Usbekistan und der Türkei oder "zur Auflockerung der ganzen Teppiche", wie Montigel es nennt, zwei chinesische Drachen aus Holz.
Die meisten gut betuchten Käufer finden sich heute dafür in New York, London oder Mailand. Auch viele Prominente sind unter den Kunden. "Mick Jagger habe ich gerade in London gesehen, genauso wie Olivia Harrison, die Witwe von George Harrison." Wegen der Star-Moderatorin Oprah Winfrey wurde die Messe sogar eine Stunde früher für eine exklusive Einkaufsstunde eröffnet, "aber dann kam sie einfach nicht", sagt Ulrike Montigel achselzuckend.