Stuttgarts Rotlichtviertel Künstlerinnen helfen Prostituierten

Von Uwe Bogen 

Bei einem „Charity-Event“ sammeln die Performance-Künstlerinnen Nana Hülsewig und Justyna Koeke für Frauen in Stuttgart, die aus der Prostitution aussteigen wollen.

Nana Hülsewig (li.) mit Justyna   Koeke. Foto: Daniela Wolf
Nana Hülsewig (li.) mit Justyna Koeke. Foto: Daniela Wolf

Stuttgart - Der Weg zurück ins bürgerliche Leben ist schwer. Schulden, Sprachprobleme, seelische Not, Sucht, fehlende Berufschancen – es gibt viele Gründe, warum es für Frauen, die ihren Körper verkaufen, so verdammt hart ist, aus der Prostitution auszusteigen. Unter dem Titel „Galateas“ haben sich in Stuttgart kreative Menschen zusammengetan, um mit der Sprache der Kunst auf die Missstände im Rotlicht hinzuweisen.

Mit Lesungen und Ausstellungen allein ist es nicht getan. Gesammelt wird auch Geld, um Wohnungen und die Begleitung für Prostitutionsaussteigerinnen zu finanzieren. Die Bildhauerin und Performancekünstlerin Justyna Koeke versteigert dafür am kommenden Freitag beim „Charity-Event“ in der Erotik-Boutique Frau Blum im Stuttgarter Westen, Reuchlinstraße 11, um 19 Uhr Skulpturen, Objekte und verrückte Kostüme. Schon allein der Auktionatorin wegen lohnt sich der Besuch. Die Künstlerin Nana Hülsewig ist die Instanz des Abends, die humorvoll oder streng dafür sorgt, dass die Gebote nicht aus dem Ruder laufen.

Eine Kindheit in Polen

Von den beiden Chefinnen des vor drei Jahren eröffneten Fachgeschäfts für sinnliche Genüsse kommen darüber hinaus, wie in ihrer Einladung steht, „artgerechtes Spielzeug für Erwachsene“ sowie „die ein oder andere kleine Unanständigkeit“ unter den – so heißt das nun mal – Hammer.

Die Frau als Objekt – mit Kunstobjekten wollen die Frauen Justyna Koeke und Nana Hülsewig dagegenhalten. Freiwillig prostituiere sich wohl niemand. Die meisten Frauen im Leonhardsviertel kämen aus Osteuropa und würden entweder mit falschen Versprechungen angelockt oder sogar von ihren Familien hergebracht, sagen die Initiatoren der Aktion „Galateas“.

Justyna Koeke stammt aus Krakau in Polen und verlebte dort mit fünf Schwestern eine Kindheit, in der es kaum Fernsehen, aber umso mehr Anregungen für die Fantasie gegeben habe. Zum Beispiel in der Oper, in der ihr Vater Orchestermusiker war. Mit textiler Opulenz setzt sie sich für starke und selbstbewusste Frauen ein.