Stadtkind Stuttgart

Stuttgarts Soulkitchen mit Robin Treier Das perfekte Rezept für Regentage

Von Tanja Simoncev und Ina Schäfer 

Robin Treier ist nicht nur Künstler und DJ, sondern auch leidenschaftlicher Hobby-Koch! Wir finden, es war an der Zeit, dass der Stuttgarter ein Gericht für unsere Soulkitchen zaubert. Et voilà: gebackener Kürbis mit leckerer Füllung.

Robin Treier ist nicht nur DJ und Künstler, sondern auch leidenschaftlicher Hobby-Koch. Foto: Robin Treier 12 Bilder
Robin Treier ist nicht nur DJ und Künstler, sondern auch leidenschaftlicher Hobby-Koch. Foto: Robin Treier

Stuttgart - Zu Robin Treier muss man eigentlich gar nicht mehr so viel sagen. Wer in der Stadt - ob tags oder nachts - unterwegs ist, kennt ihn. Er ist Künstler, Musiker, DJ, Mitgründer von TRAY Recordings und von Burning Ostrich Media, einem Medienproduktions-Kollektiv. Und, um auf das Thema dieses Beitrags zu kommen: er ist leidenschaftlicher Hobby-Koch!

"Vor ein paar Jahren entdeckte ich, dass mich das Kochen irgendwie entspannt. Zuvor hab ich fürchterlich gegessen und konnte kaum bis gar nicht kochen, auch in den Jahren als Vegetarier", sagt er. Zu viele kleine Aufgaben hält das Kochen bereit, die im Auge behalten werden müssen. "Da bleibt keine Gelegenheit, um an andere Dinge zu denken. So gerne ich abschweife, ist das Gegengewicht dazu manchmal sehr entspannend", sagt er weiter.

Allerdings sei das Kochen nur eine andere Art Abschweifen für ihn. "Ich bleibe meiner Kerndisziplin also im Grunde treu." Seine Herangehensweise? In der Regel gehe er einfach in den Supermarkt und ab da ist es Freestyle. "Ich greife mir, was mich gerade anlacht - seien es Zutaten oder Ideen. Und dann würfel ich alles zusammen. Manchmal sind es Klassiker mit einem Twist. Manchmal lese ich Rezepte, um zu verstehen wie das 'Gerüst' funktioniert und 'die Flächen male ich dann aus' wie es mir passt." Grund genug, Robin an unseren Soulkitchen-Herd zu lassen:

Rezept für: Gebackenen Hokkaido-Kürbis, gefüllt mit Fenchel, Zucchini, Pilzen, Suppengemüse und aromatisierten Vollkornbrot-Croutons

Ich bin auf dem Weg in den Supermarkt. Der erste herbstige Regen prasselt. Die Sonne sagt wieder kurz „Hallo!“, Wolken ziehen friedlich wie Schnecken im Zeitraffer über den Himmel. Frische Luft weht um meine Backen. Ich liebe die „Zwischenjahreszeit“ Sommer/Herbst und ich liebe Kürbis! Gebackener Kürbis ist ja ein ziemlich klassisches geradliniges Ding und taugt auch wirklich als „Comfort Food“, das einfach als „Hot Mess“ auf den Teller kommt - eigentlich egal, wie es angerichtet ist. Danach fühle ich mich voll und gut, wenn draußen Wasser vom Himmel fällt.

Dass Kürbis-Zeit ist und ich diesen ja mal wieder befüllen und backen könnte, kam mir zugegeben simpel durch so ein Magazin, das zur Zeit offensiv in einer Supermarktkette in meinem Barrio am geliebten Ostendplatz herumliegt (der übrigens über die Jahre ein immer schönerer Ort zum Leben wurde - ohne seine Kanten zu verlieren). Das Rezept darin fand ich ganz nett, mein Remix war mir lieber. Die Testperson hat überlebt und ich glaube sogar ein Schmunzeln gesehen zu haben.

Zutaten (für zwei Personen):

2 Hokkaido-Kürbisse

4 Champignons

1 Karotte

1 Stange Lauch

1 Fenchel

2 Knoblauchzehen

1 rote Zwiebel

1 Schluck trockener Riesling

150 gr Emmentaler

300 ml Sahne

150 ml kräftig eingekochter Gemüsefond

Butter od. Pflanzenfett

Optional: 2-4 dünne Scheiben Tiroler Räucherspeck

1 Bund frischer Thymian

Bunter Pfeffer

Muskatnuss

1-2 Pimentkörner (wenn ihr einen Mörser habt)

2 Scheiben Vollkornbrot

 

Zubereitung:

Zunächst Vorbereitungen treffen: Die Pilze bürsten (nicht mit Wasser waschen) und in Scheiben schneiden. Die Karotte in kleine Würfel und den Lauch in kleine Stücke schneiden. Zucchini in 5 mm dicke Scheiben schneiden. Fenchel am Stück in 5 mm große Scheiben schneiden, die entstehenden Streifen braucht ihr erst ab Schritt 5. Ich habe alles erst auf dem Teller gesalzen. Schlicht, da ich Sorge hatte, dass ich es durch die Brühe, das Backen und den Speck nicht richtig abschätzen kann, wie viel nötig ist. Pfeffer und Piment gebe ich erst nach dem Backen auf dem Teller hinzu, frisch geröstet und gemahlen. Kräuter ebenfalls erst auf dem Teller. Von der Sahnesoße bleibt - wie sich herausstellte - einiges übrig, aber die Rezeptur passt geschmacklich so. 

1. Pilze in eine trockene Pfanne geben. Auf mittelhoher/höherer Stufe (je nach Pfanne und Herd) auf beiden Seiten anbraten bis sie goldgelb sind. Spätestens, wenn das Wasser beginnt in Tröpfchen auszutreten, aus der Pfanne nehmen und zur Seite stellen. Pfanne kurz vom Herd nehmen.

2. Die Vollkornbrot-Scheiben in 5- bis 20-Cent-Münzen große Stücke zerbröseln. In dieselbe trockene Pfanne geben und rösten bis es lecker riecht und sie beginnen Farbe zu kriegen. Dann ordentlich Butter in eine leere Ecke der Pfanne werfen (1 - 2 EL aufwärts, je nach Brotmenge). Knoblauchzehen mit Messerrücken zerdrücken und mit Schale und ganzen Thymianzweigen in die Butter geben. Danach alles gut in der Pfanne durchschwenken bis die Brotstücke die Butter aufgenommen haben. Anschließend noch etwas weiter anbraten und mit den Zweigen und den Knoblauchzehen in eine offene Schüssel geben und zur Seite stellen. Pfanne bis zum nächsten Schritt vom Herd nehmen, falls ihr kurz Zeit braucht.

3. Butter in die Pfanne geben und Zwiebeln anbraten bis sie beginnen braun zu werden. Dann die Karotten hinzugeben und kurz darauf den Lauch. Alles braten. Der Lauch muss nicht braun werden. Mit einem Schluck Weißwein ablöschen, und ihn kurz einkochen lassen. Herd auf niedrige Temperatur stellen. Gemüsefond hinzugeben oder wahlweise 150 ml Wasser und 1 1/2 TL gängige Brühe aus dem Glas. 5 Minuten auf niedriger Temperatur köcheln lassen und mit ein wenig Stärke oder Saucenbinder ein klein wenig nach Belieben binden. Zum Schluss Muskatnuss untermischen und vom Herd nehmen.

4. Deckel vom Kürbis herunter schneiden und den unteren Stumpf vorsichtig abschneiden, damit ihr die Kürbisse besser hinstellen könnt (siehe Fotos).

5. Kürbis mit Speck auskleiden. Die Reihenfolge meiner Füllung: Pilze, Fenchel, einige Esslöffel von der Sauce, sodass Lauch und Karotten das Gemüse darunter bedecken. Dann kommt Käse, ein paar größere Stücke des beiseite gestellten, gerösteten Vollkornbrots (hebt euch die besten für den Teller später auf), Zucchini-Scheiben und dann dasselbe von vorn, bis gerade genug Platz ist, um alles mit einer weiteren Decke Käse dicht abzuschließen (gerne etwas drücken).

6. Kürbisdeckel wieder drauf, in eine Auflaufform und ab in den vorgeheizten Backofen (190 Grad).

7. Nach 35 Minuten die Deckel abnehmen und die Kürbisse nochmal circa zehn Minuten backen lassen, beziehungsweise bis der Käse die gewünschte Bräune hat. Allerdings lieber nicht zu lange, da sonst Zucchini und Fenchel keinen Biss mehr haben.

8. Pfeffer- und Pimentkörner in einer trockenen Pfanne rösten. In einen Mörser oder eine Mühle nach Belieben klein mahlen.

9. Kürbisse aus dem Ofen, am Stück oder halbiert als „Hot Mess“ auf den Teller, frischen Thymian drauf, Pfeffer-Piment-Mischung drüber, salzen und mampfen.

Musik-Beilage:

Dazu passt mein derzeitiges Lieblingslied "The Lemon of Pink" von The Books.