StZ im Gespräch Blick hinter die Kulissen der Kirche
Matthias Schiermeyer, 07.09.2010 06:40 Uhr
 Foto: Stollberg
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Stuttgart - Die helle Aufregung um immer neue Missbrauchsfälle in Reihen der katholischen Kirche ist über den Sommer ein wenig abgeebbt. Erledigt ist das Thema damit keineswegs. Nichts hat die Kirche in der jüngeren Vergangenheit so erschüttert, nichts hat das Vertrauen der Christen in sie derart beschädigt wie die Erkenntnis, dass sich Geistliche an Kindern und Jugendlichen sexuell vergangen haben. Die katholische Kirche steckt in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Mehrere Pfarrer wurden ihres Amtes enthoben. Doch das Entsetzen über den Skandal hält an - auch weil ihre Brisanz allzu lange von den Verantwortlichen unterschätzt wurde. Zunächst wurde vertuscht, beschönigt und verschwiegen - zu spät setzte die Aufklärung ein. Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, beteiligt sich daran nach Kräften. Am Mittwoch, 29. September, steht er den Lesern der Stuttgarter Zeitung Rede und Antwort. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr.

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Allein in der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben schon weit mehr als 10.000 Menschen die Kirche verlassen - im gesamten Vorjahr waren es 17.000. Bischof Fürst tut viel, um den Strom aufzuhalten. 7000 Kirchenflüchtlinge, die in den ersten Monaten des Jahres ausgetreten sind, hat er zur direkten Auseinandersetzung eingeladen. Die Resonanz darauf fiel dürftig aus.

Verfechter der Ökumene


Der Schrecken über die Missbrauchsfälle hat etliche weitere Glaubensstreitigkeiten überlagert. Auch dazu können die StZ-Leser ihre Fragen stellen - zur Ökumene vor allem, als deren Verfechter Fürst auftritt. Erst Mitte Mai hat der Zweite Ökumenische Kirchentag in München gezeigt, dass es die Konfessionen nicht schaffen, wirkungsvoll aufeinander zuzugehen. Weiterhin trennt die Katholiken ein tiefer Graben von den Protestanten. Das gemeinsame Abendmahl ist ein Stein des Anstoßes - einer von vielen. Ebenso werden die Beziehungen durch den römischen Zentralismus, das Zölibat, das Kondomverbot des Papstes oder die untergeordnete Rolle der Frau belastet. All die Differenzen lassen sich vielleicht auf ökumenischen Christentreffen durch zur Schau gestellte Harmonie übertünchen. Im Alltag treten sie ständig zutage.

Der 61-jährige aus Bietigheim stammende Gebhard Fürst gilt als weltoffener Kirchenmann und als Erneuerer, der den Dogmatismus anderer und die Mutlosigkeit in den eigenen Reihen bekämpft. Am 7. Juli 2000 wurde der promovierte Theologe von Papst Johannes Paul II. als Nachfolger von Walter Kasper zum Bischof ernannt. Das war eine Überraschung, weil er nicht zu den vom Papst protegierten Traditionalisten zählte. Stattdessen war er Direktor der Diözesanakademie und suchte das Gespräch mit der Wissenschaft. Von 2001 bis 2005 war er zudem Mitglied des nationalen Ethikrates. Bekannt ist er für einen kooperativen Führungsstil und die Einbindung von Laien in seinem Bistum, was ihn von autoritären Würdenträgern abhebt.

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