„StZ im Gespräch“: Kuhn über Stuttgart 21 „Wegschauen bei S 21 gibt es bei uns nicht“

Von dud 

Für den neuen OB ist wegen der Kostenexplosion bei Stuttgart 21 die Legitimation der Volksabstimmung geringer geworden – das sagte Fritz Kuhn (Grüne) vor etwa 600 Leserinnen und Lesern bei „StZ im Gespräch“.

Fritz Kuhn (Mitte) stellte sich  bei seinem ersten offiziellen Termin außerhalb des Rathauses den Fragen von StZ-Lokalchef Holger Gayer (links) und Joachim Dorfs. Mehr Bilder von der Veranstaltung sehen Sie in der folgenden Fotostrecke. Foto: Steinert 57 Bilder
Fritz Kuhn (Mitte) stellte sich bei seinem ersten offiziellen Termin außerhalb des Rathauses den Fragen von StZ-Lokalchef Holger Gayer (links) und Joachim Dorfs. Mehr Bilder von der Veranstaltung sehen Sie in der folgenden Fotostrecke.Foto: Steinert

Stuttgart - Zwei Tage nach seiner Amtseinführung hat der neue Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) angekündigt, dass er von der Bahn mehr Transparenz beim Projekt Stuttgart 21 erwartet. „Organisiertes Wegschauen gibt es bei uns nicht“, sagte er mit Blick auf das Desaster beim neuen Berliner Flughafen. „Ich werde kein Oberbürgermeister sein, der sich nach acht Jahren den Vorwurf machen lässt, es wäre hier wie bei Wowereit“, so Kuhn im Haus der Wirtschaft bei der Veranstaltung „StZ im Gespräch“. Das Stadtoberhaupt stellte sich bei seinem ersten offiziellen Termin außerhalb des Rathauses vor 600 Zuhörern auch den Fragen von Leserinnen und Lesern der Stuttgarter Zeitung.

Dabei stand neben vielen Feldern der Kommunalpolitik vom Wohnungsbau über die Kinderbetreuung bis zur Energiewende das Projekt Stuttgart 21 im Mittelpunkt. Kuhn bekräftigte seine Kritik an der Bahn und sieht das Vorhaben wegen der erst im Dezember vom Bauherrn eingeräumten Kostensteigerung von 4,5 auf mindestens 5,6 Milliarden Euro in einer Vertrauenskrise. Auf die Frage, ob er das Projekt infrage stelle, sagte Kuhn: „Die Bahn stellt es infrage.“ Auf der Grundlage, dass weder Stadt noch Land mehr Geld geben werden, müsse der Aufsichtsrat der Bahn entscheiden, ob er das Projekt fortsetzen wolle. „Auch die Befürworter müssen sich die Fragen stellen, ob die Bahn das technisch leisten kann und die finanzielle Power hat.“

Stärkeres Engagement im sozialen Wohnungsbau

Kuhn erklärte, auch für ihn gelte das Ergebnis der Volksabstimmung zu Stuttgart 21, „aber die Legitimationsgrundlage bröselt“. Bei der Abstimmung hätten die finanziellen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle gespielt. Angesichts der Kostenexplosion „stehen hinter der Legitimation nun aber ein paar Fragezeichen“. Kuhn sagte, er würde es begrüßen, wenn S 21 nicht gebaut würde, aber „dann wird es nicht einfacher und nicht gemütlicher“. Er mache sich dann in gleicher Intensität Sorgen um die Zukunft des Hauptbahnhofs. Weil in den vergangenen Jahren wenig in die Gleisanlagen investiert worden sei, „haben wir einen Sanierungsfall mitten in der Stadt“, sagte Kuhn: „Auch die Alternativen werden kompliziert.“

Der OB kündigte an, dass die Stadt sich im sozialen Wohnungsbau stärker engagieren werde. Auch in der City müsse es bezahlbaren Wohnraum geben. „Wir haben genug Einkaufszentren, wir müssen dort auch sozial gemischt wohnen können“, sagte Kuhn.

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„Wegschauen bei S 21 gibt es bei uns nicht“ - 12 Mrd. Euro für S 21 – das ist die neue Zahl!: Stockholm hat 12,8 km unterirdische Gleise und kostet € 2,2 Mrd. das sind dann pro Gleis-km € 171,8 Mio. http://www.trafikverket.se/PageFiles/24462/TVCB_faktafolder_ENG_low.pdf http://www.eib.org/projects/pipeline/2008/20080499.htm?lang=de __________________________________________________________ München hat 14,6 km unterirdische Gleise und kostet € 2,433 Mrd., also € 166,6 Mio. pro Gleis-km (96,9% von Stockholm). http://www.2.stammstrecke-muenchen.de/das-projekt/die-2-stammstrecke/ http://www.sueddeutsche.de/muenchen/s-bahn-tunnel-in-muenchen-zweite-stammstrecke-wird-erheblich-teurer-1.1564366 __________________________________________________________ Stuttgart 21 hat 73 km unterirdische Gleise und kostet € 6,8 Mrd., also € 93,5 Mio. pro Gleis-km (54,4% von Stockholm bzw. 56,1 % von München). Siehe S. 38: http://www.kopfbahnhof-21.de/fileadmin/downloads/Gutachten/S21-Kostenstudie-Langtext_mit_Grafiken.pdf http://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgart_21 __________________________________________________________ S 21 würde also auf Stockholmer Basis € 12,5 Mrd. kosten, auf Münchener Preis-Basis wären es auch schon € 12,161 Mrd. Also Minimum € 12 Mrd. - dabei sind aber die Bahnhöfe in Stuttgart wohl anteilig schon aufwendiger und teurer, wenn man die in allen 3 Fällen rausrechnet kommt man dann bestimmt auf noch höhere Tunnel-Kosten von S 21. Vermutlich wird es dann schon in Richtung 13 – 14 Mrd. €uro für S 21 gehen. __________________________________________________________ Es ist doch jetzt schon absehbar, dass S 21 wahrscheinlich mindestens € 12 Mrd. kosten wird, wenn man vergleichende Zahlen der neuen Münchner S-Bahn-Stammstrecke als Vergleich nimmt. Es kann doch nicht sein, dass die Kosten für die S 21 Tunnelstrecken nur 56 % der vergleichbaren Tunnelstrecken in München kosten. Entweder sind die Bayern zu blöde um richtig zu verhandeln, oder die Schwaben sind zu blöd, um richtig zu (nachzu)kalkulieren!

Medien und Politik verdummen die Menschen!!: Wer glaubt, dass Kuhn auf der Seite der Gegner wäre, der täuscht sich gewaltig! Der ist nicht besser als Kretschmann! Beide such nur Entschuldigungen warum sie das Projekt nicht stoppen können. Dabei WOLLEN sie es gar nicht! Kuhn sagt er hätte die „Pflicht“ S21 weiter zu bauen, wegen den bestehenden Verträgen! Welch ein Unsinn! Die Geschäftsgrundlage ist entfallen...erstens wegen den Kosten und zweitens wegen der fehlenden Kapazität von S21! --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Will heute wirklich auch nur Einer behaupten, dass S21 MEHR Züge als der Kopfbahnhof abfertigen kann?? Jedenfalls kein aufgeklärter Fachmann. Und wenn Kuhn sich über den Zustand des Bahnhofes Sorgen macht, soll er doch mal bei der Bahn nachfragen! Die haben Jahrzehnte die Gelder zur Instandhaltung des Bahnhofes verschwinden lassen!! Dabei muss dieser Bahnhof noch über 15 Jahre die Züge abfertigen! Oder noch länger, denn S21 wird vermutlich eine ewige Baustelle bleiben! ---------------------------------------------- Da ist der Flughafen in Berlin noch goldig dagegen! Kuhn gehört zu den Befürwortern...er wird sich niemals aktiv gegen das Projekt stellen. Zwar besser als der Turner, aber genau so schlecht wie Kretschmann.....

Die Berliner Blamage: ist noch harmlos gegen das, was ein 'fertiggestelltes' S21 brächte. Technisch-wirtschaftliche Unfähigkeit weltweit vorgeführt und publiziert, dauerverstopfte Straßen in der Region, Dauerverstopfung im Tunnel, Milliardenkosten (>21) mit Rechtstreitkaskaden ohne Ende.

@ tom, 22:57 Uhr: sie sollten sich mal besser informieren! so verdrehen nur wieder die tatsachen, wie man es von ihnen kennt. gelle?

Der richtige Blick: Herr Kuhn hat den richtigen Blick aufs Wesentliche. Er wird sich mit einer Mannschaft umgeben die Fachkompetenz mitbringt oder sich erwirb des können wir uns gewiss sein. Er hat ein schweres Erbe angetreten aber das wusste er und er wird sich dieser Anforderung stellen. Als Realist hat er längst erkannt, dass ein Wegschauen und Abducken in Stuttgart nicht mehr möglich ist. Nicht nur beim 'Jahrhundert-Projekt' sondern auf allen anderen Ebenen. Die Stadt wurde von seinem Vorgänger nach Gesichtspunkten die einer deutschen Demokratie nicht würdig ist verwaltet. Nicht das Wohl der Einwohner einer Stadt lag ihm am Herzen sondern das Wohl einiger Weniger und damit sein Aufrücken in die 'Oberliga'. Das wird unter Kuhn nicht passieren. Menschen mit Charakter haben so etwas nicht nötig. Ziehen wir uns warm an, es wird einiges umgekrempelt werden müssen.

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