StZ im Gespräch mit Johannes Dieterich
Südafrika setzt auf die Fußball-WM
Christian Gottschalk, Fotos: Michael Steinert,
14.05.2010 20:40 Uhr
Foto: Michael Steinert
Stuttgart - In genau vier Wochen beginnt die Fußball-WM in Südafrika. Die werde "laut, bunt und fröhlich" sagt Johannes Dieterich. Was er damit meint, demonstrierte der Südafrikakorrespondent der Stuttgarter Zeitung den rund 600 Besuchern, die am Freitagabend zu der Veranstaltung "StZ im Gespräch" ins Haus der Wirtschaft gekommen waren. In seinem Koffer hatte Dieterich Utensilien dabei, die in Deutschland bis jetzt noch weitgehend unbekannt sind, demnächst aber auch hier ihre Anhänger finden werden. Wie zum Beispiel eine Vuvuzela.
Aufgefordert von StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs und dem Sport-Ressortleiter Peter Stolterfoht zeigte Dieterich den Gästen, warum manch eine Fernsehstation gehörigen Respekt vor den 60 Zentimeter langen Plastikröhren hat, deren Klang bei richtiger Anwendung an das Trompeten von Elefanten erinnern soll. "Ohrenbetäubend" sei der Lärm bei der Eröffnung des Confed-Cups vor einem Jahr gewesen, die Toningenieure der übertragenden Anstalten waren am Rande der Verzweiflung, sagt Dieterich. Diese Verzweiflung wird es wieder geben: "Fußball ohne Vuvuzela ist in Südafrika nicht denkbar."
Echte Fans verzichten bei ihren Stadionbesuchen auch nicht auf einen Makarapa, und natürlich hatte Dieterich auch die Kopfbedeckung dabei, die einem Minenhelm nachempfunden ist. Heute lassen sich bei den Makarapas kunstvoll eingearbeitete Figuren – wie etwa die Lieblingsspieler – aus dem Helm nach oben klappen, früher diente er dem Schutz: "Das war schon notwendig, wenn im Stadion die Flaschen flogen", sagte Dieterich. Fliegende Flaschen seien jedoch Vergangenheit, für die Zukunft sieht der Afrikaexperte durchaus die Möglichkeit, dass die erste WM auf afrikanischem Boden eine der schönsten Weltmeisterschaften werden könne, die es je gegeben hat. "Für viele Afrikaner ist dies das wichtigste Ereignis seit der Unabhängigkeit des Kontinents."
Ganz besonders gelte dies für das Gastgeberland, in dem Fußball in erster Linie ein Sport der Schwarzen ist, während die Weißen Rugby oder Cricket den Vorzug geben. Bei der Rugby-WM 1996 sei es Nelson Mandela gelungen, dass die Schwarzen hinter den Weißen standen, sagte Dieterich. "Nun erwarten viele, dass es anders herum genau so funktioniert und ,Bafana, Bafana‘, wie das Nationalteam genannt wird, von Menschen aller Hautfarben angefeuert wird."
Das Ganze im Übrigen bei ähnlichen Temperaturen, wie sie derzeit auch hierzulande die Menschen bibbern lassen. Nachts kann es in Johannesburg auch Minusgrade geben. "Das Wetter wird ein größeres Problem als die Sicherheit", sagte Dieterich, der auf die mehrfach aus dem Publikum an ihn herangetragene Frage nach der Gefahr für Leib und Leben dazu riet, nicht in Panik zu verfallen. "Meine Zahnärztin hat mir erzählt, dass im letzten halben Jahr acht ihrer Patienten ermordet wurden, mir ist seit vier Jahren gar nichts mehr passiert."
Noch zu Beginn der Veranstaltung hatte der StZ-Korresondent sich über das große Publikumsinteresse gefreut, "auch wenn es naiv wäre zu glauben das Interesse gilt Afrika, das gilt doch der WM". Die StZ-Leser belehrten ihn alsbald eines Besseren. Sie forderten Informationen aus erster Hand über das Bildungs- und Ausbildungssystem im Land und über Aids, die Krankheit, die auf keinem Kontinent so viele Menschen hinwegrafft wie in Afrika. Genau diese beiden Punkte nannte auch Dieterich als die größten Probleme in seiner Wahlheimat. Zwar seien die Zeiten, als Schwarze keine Bildungschancen hatten, vorbei, doch immer noch sei der Fortschritt eine Schnecke. Beim Kampf gegen Aids gebe es Bewegung unter dem Präsidenten Jacob Zuma, wenn auch nicht genug.
Dieterich beantwortete Fragen über die Industrie im Land ("mit SAB Miller gibt es die zweitgrößte Brauerei der Welt"), über das Engagement der Chinesen auf dem Kontinent ("ob das Fluch oder Segen ist, muss sich erst noch zeigen") und gab einen kleinen Einblick in die geplante WM-Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung. Mit bunten Geschichten aus allen Winkeln des Landes werde er das farbenfrohe, vielseitige Südafrika den Menschen näher bringen, kündigte er einer Leserin an, die eben dies gewünscht hatte.
Nach kurzweiligen 90 Minuten ging die Veranstaltung in die Verlängerung. Gemeinsam marschierten Dieterich und ein Großteil der Gäste zur Fußballausstellung ins Kunstgebäude und diskutierten dort bei einer Erfrischung munter weiter.
Aufgefordert von StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs und dem Sport-Ressortleiter Peter Stolterfoht zeigte Dieterich den Gästen, warum manch eine Fernsehstation gehörigen Respekt vor den 60 Zentimeter langen Plastikröhren hat, deren Klang bei richtiger Anwendung an das Trompeten von Elefanten erinnern soll. "Ohrenbetäubend" sei der Lärm bei der Eröffnung des Confed-Cups vor einem Jahr gewesen, die Toningenieure der übertragenden Anstalten waren am Rande der Verzweiflung, sagt Dieterich. Diese Verzweiflung wird es wieder geben: "Fußball ohne Vuvuzela ist in Südafrika nicht denkbar."
Echte Fans haben eine Makarapa dabei
Echte Fans verzichten bei ihren Stadionbesuchen auch nicht auf einen Makarapa, und natürlich hatte Dieterich auch die Kopfbedeckung dabei, die einem Minenhelm nachempfunden ist. Heute lassen sich bei den Makarapas kunstvoll eingearbeitete Figuren – wie etwa die Lieblingsspieler – aus dem Helm nach oben klappen, früher diente er dem Schutz: "Das war schon notwendig, wenn im Stadion die Flaschen flogen", sagte Dieterich. Fliegende Flaschen seien jedoch Vergangenheit, für die Zukunft sieht der Afrikaexperte durchaus die Möglichkeit, dass die erste WM auf afrikanischem Boden eine der schönsten Weltmeisterschaften werden könne, die es je gegeben hat. "Für viele Afrikaner ist dies das wichtigste Ereignis seit der Unabhängigkeit des Kontinents."
Ganz besonders gelte dies für das Gastgeberland, in dem Fußball in erster Linie ein Sport der Schwarzen ist, während die Weißen Rugby oder Cricket den Vorzug geben. Bei der Rugby-WM 1996 sei es Nelson Mandela gelungen, dass die Schwarzen hinter den Weißen standen, sagte Dieterich. "Nun erwarten viele, dass es anders herum genau so funktioniert und ,Bafana, Bafana‘, wie das Nationalteam genannt wird, von Menschen aller Hautfarben angefeuert wird."
Das Ganze im Übrigen bei ähnlichen Temperaturen, wie sie derzeit auch hierzulande die Menschen bibbern lassen. Nachts kann es in Johannesburg auch Minusgrade geben. "Das Wetter wird ein größeres Problem als die Sicherheit", sagte Dieterich, der auf die mehrfach aus dem Publikum an ihn herangetragene Frage nach der Gefahr für Leib und Leben dazu riet, nicht in Panik zu verfallen. "Meine Zahnärztin hat mir erzählt, dass im letzten halben Jahr acht ihrer Patienten ermordet wurden, mir ist seit vier Jahren gar nichts mehr passiert."
Das Interesse der Leser gilt dem Land
Noch zu Beginn der Veranstaltung hatte der StZ-Korresondent sich über das große Publikumsinteresse gefreut, "auch wenn es naiv wäre zu glauben das Interesse gilt Afrika, das gilt doch der WM". Die StZ-Leser belehrten ihn alsbald eines Besseren. Sie forderten Informationen aus erster Hand über das Bildungs- und Ausbildungssystem im Land und über Aids, die Krankheit, die auf keinem Kontinent so viele Menschen hinwegrafft wie in Afrika. Genau diese beiden Punkte nannte auch Dieterich als die größten Probleme in seiner Wahlheimat. Zwar seien die Zeiten, als Schwarze keine Bildungschancen hatten, vorbei, doch immer noch sei der Fortschritt eine Schnecke. Beim Kampf gegen Aids gebe es Bewegung unter dem Präsidenten Jacob Zuma, wenn auch nicht genug.
Dieterich beantwortete Fragen über die Industrie im Land ("mit SAB Miller gibt es die zweitgrößte Brauerei der Welt"), über das Engagement der Chinesen auf dem Kontinent ("ob das Fluch oder Segen ist, muss sich erst noch zeigen") und gab einen kleinen Einblick in die geplante WM-Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung. Mit bunten Geschichten aus allen Winkeln des Landes werde er das farbenfrohe, vielseitige Südafrika den Menschen näher bringen, kündigte er einer Leserin an, die eben dies gewünscht hatte.
Nach kurzweiligen 90 Minuten ging die Veranstaltung in die Verlängerung. Gemeinsam marschierten Dieterich und ein Großteil der Gäste zur Fußballausstellung ins Kunstgebäude und diskutierten dort bei einer Erfrischung munter weiter.
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Südafrika-Veranstaltung
Danke an die Stuttgarter Zeitung für die informative und unterhaltsame Veranstaltung zu Südafrika und Afrika. Obwohl Johannes Dieterich kritischen Themen nichts ausgewichen ist, wurde deutlich, dass Afrika die richtige Wahl für die WM 2010 ist, dass Südafrika alle Gäste herzlich willkommen heißen wird. Wir hören über Afrika oftmals nur über Krieg, Elend und Leid. Dieser Abend war anders ... es ging um die Menschen in Afrika und Südafrika .... und last not least um Fussball.