StZ-Interview mit Stuttgarts OB Fritz Kuhn „Ich weiche der Verantwortung nicht aus“

Von Thomas Braun und  

Im seinem ersten großen Interview nach fast 100 Tagen im OB-Amt hat Fritz Kuhn die von ihm verfügte Sperrung des Fernsehturms gerechtfertigt. Kritik übte der Rathauschef an der Bahn, die gedroht hatte, die Mehrkosten bei S 21 notfalls einzuklagen.

OB Kuhn hofft, dass der Fernsehturm wieder geöffnet werden kann. Foto: Achim Zweygarth 4 Bilder
OB Kuhn hofft, dass der Fernsehturm wieder geöffnet werden kann.Foto: Achim Zweygarth
Stuttgart Seit dem 7. Januar lenkt der Grünen-Politiker Fritz Kuhn die Geschicke der Landeshauptstadt als Rathauschef. Überschattet wird die erste Etappe seiner achtjährigen Amtszeit von der Sperrung des Fernsehturms. Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung rechtfertigt Kuhn die Schließung. Außerdem will er bis zum Sommer einen Aktionsplan gegen Feinstaub und Stickoxide vorlegen.
Herr Kuhn, kennen Sie sich inzwischen im Stuttgarter Rathaus aus?
Ja logo. Ich habe die ersten 100 Tage dazu genutzt, die Verwaltung kennenzulernen. Und ich habe eine regelmäßig tagende Bürgermeisterrunde eingeführt, in der alle wichtigen Fragen besprochen werden, damit die Verwaltung an einem Strang zieht. Die Mitarbeiter sind freundlich und motiviert. Sie setzen auch auf einen gewissen Neuanfang, gerade was die Motivation angeht. Ich habe den Eindruck, dass wir in den vergangenen Jahren in der Verwaltung beim Personal zu stark eingespart haben und manche Ämter deswegen knapp ausgestattet sind.

Heißt das, dass Sie in den kommenden Haushaltsberatungen das Füllhorn ausschütten und neue Leute einstellen wollen?
Das heißt es nicht, denn wir müssen ja auf das Geld achten. Es gibt aber viele Stellenanmeldungen aus den Ämtern selbst, die mehr Mitarbeiter brauchen. Ich will versuchen, einen Ausgleich zu schaffen zwischen notwendigen Investitionen und der personellen Ausstattung der Verwaltung. Wir als Verwaltung sowie die Fraktionen im Gemeinderat werden bei den Personalstellen Prioritäten setzen müssen.

Sie haben Ihre Amtszeit mit einem echten Paukenschlag begonnen – und damit meinen wir nicht Ihre Ausführungen zu Stuttgart 21 in Ihrer Antrittsrede, sondern die Sperrung des Stuttgarter Fernsehturms. War das wirklich nötig?
Das war ja nicht wirklich der Beginn meiner Amtszeit. Fakt ist: nachdem ich etwa 85 Tage Rathauschef war, kamen die zuständigen Amtsleiter und Bürgermeister und haben mir gesagt, der Fernsehturm habe im Brandfall keinen einzigen sicheren Fluchtweg. Folglich blieb mir nichts anderes übrig, als den Turm zu schließen. Was wäre passiert, wenn es tatsächlich einen Brand – womöglich mit Todesopfern – gegeben hätte? Dann hätten die Zeitungen geschrieben: Kuhn hat Bescheid gewusst, warum hat er nicht gehandelt? Es ist mein Interesse, den Turm wieder aufzumachen, aber nur, wenn die brandschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Deswegen haben wir gemeinsam mit dem Turmeigentümer SWR ein Gutachten in Auftrag gegeben, das nach verantwortbaren Lösungen sucht.

Hätten es weniger einschneidende Maßnahmen nicht auch getan?
Nein. Die Ansage aus dem Baurechtsamt und von der Branddirektion war, dass es keinen sicheren Fluchtweg gibt. Das bisherige Evakuierungskonzept sah vor, dass die Besucher auf der Turmplattform abwarten sollten, bis das Feuer gelöscht ist und dann über die Aufzüge und die Treppe in Sicherheit gebracht werden. Wenn es aber im Turmschaft brennt, sind Aufzug und Treppe nicht mehr nutzbar. Das heißt, dass wir die Leute, die oben im Turm auf ihre Evakuierung gewartet hätten, womöglich nicht runtergebracht hätten.

Wenn wir richtig informiert sind, ist der Zugang zur Treppe nach unten seit 1982 abgeschlossen. Mindestens so lange war die Treppe also nicht nutzbar?
Ja, so sieht es aus. Natürlich habe ich vor der Entscheidung gefragt, ob es andere Möglichkeiten der Abhilfe gibt, zum Beispiel zusätzliche Brandwachen. Die Experten, die schon lange in der Verantwortung sind, haben gesagt, dass dies die fehlenden sicheren Fluchtwege nicht ersetzt. Deswegen musste ich handeln. Ich bin keiner, der der Verantwortung ausweicht.
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46 KommentareKommentar schreiben

@Snowman: @Snowman: Sie haben eines nicht kapiert: Den Kuhn-Bashern geht es nicht um den Fernsehturm. Denen geht es um den ach-so-schlimmen Herrn Kuhn - sie kennen ihn zwar nicht persönlich, aber er ist ein GRÜNER und damit natürlich der Grund für den Untergang der Stadt Stuttgart! Außerdem können die Grünen bekanntlich nix: Den Fernsehturm wegen Brandschutz schließen? So eine Dummheit, Kuhn muss gehen! Den Fernsehturm nicht schließen und es verbrennen Leute dort? So eine Dummheit, Kuhn muss gehen! Der Fernsehturm oder der Brandschutz ist den Kuhn-Bashern größtenteils schnuppe - wichtig wird das nur dann, wenn es um einen Hebel geht, dass Herr Kuhn gehen muss. Hätten wir Herrn Turner gewählt, sähe das natürlich ganz anders aus: Herr Turner schließt den Fernsehturm wegen Brandschutz? Da sehen Sie mal, wie wichtig ihm die Sicherheit seiner Bürger und Touristen sind! Herr Turner schließt den Fernsehturm nicht und es verbrennen Leute dort? Das konnte er doch nicht ahnen - und es war doch wichtig, den Turm offenzuhalten, damit Stuttgart als Ausflugsziel und Touristenstadt attraktiv bleibt und Hoteliers und Gastronomiebetreiber weiterhin gute Geschäfte machen und die Wirtschaft ankurbeln konnten!

Sapere aude: Den Kuhn-Kritikern und weiteren Gesellen sei mal folgendes Szenario vor Augen gestellt. Sommer, Turm voll mit Touristen, ein Feuer bricht aus, alle Menschen auf dem Turm können nicht mehr herunter, Treppenhaus verraucht, in den Fahrstühlen sitzen Menschen fest die entweder hoch oder runter wollen und die alle, egal ob im Turm oder im Fahrstuhl qualvoll verbrennen oder ersticken. Im Anschluss dann kommt heraus, dass die Stadtverwaltung sehr wohl wusste, dass der Turm unsicher war. Und dann? Dann verlangt jeder nach Fritz Kuhns Kopf, gleich dem Kopf von OB Adolf Sauerland in Duisburg nach der Love- Parade. Was ist also besser? Den Turm offen lassen, nach dem Florians-Prinzip und in der rheinischen Hoffnung eines 'Et hät noch immer jot jejange' oder den Turm dichtmachen und mit dem Shitstorm leben? Ich möchte den sehen, der die erste Wahl getroffen hätte und ich möchte wissen ob er sie immer noch, im Anblick der ungeheuren Verantwortung, genauso treffen würde, säße er jetzt nicht vor der Tastatur seines Computers, sondern im Stuttgarter Rathaus auf einem bestimmten Sessel.

Feinstaubbekämpfung ??????: Ich wundere mich nach wie vor, wie ein OB-Kandidat gewählt werden konnte, der als wichtigsten Punkt seiner Agenda die 'Feinstabbekämpfung' ausgibt? Hallo, Stuttgart lebt von seiner Industrie, ist Universitäts- und Bildungsstandort, Verkehrsknotenpunkt. Herr Kuhn, anders als Berlin lebt Stuttgart nicht von Soli-Überweisungen sondern muss diese selbst erwirtschaften. Stattdessen will Kuhn - als nächsten Punkt seiner 'ergeizigen' Agenda - mehr Beamten einstellen. Griechenland lässt grüßen. Zum Mitschreiben liebe Grüne: Der Wohlstand einer Stadt defniniert sich nicht an der Größe seiner Ausgaben. Wenn Daimler, Bosch oder Porsche husten, dann kriegt Stuttgart eine schwere Erkältung. Und die husten sicherlich nicht, wegen des bissle Feinstaub am Neckartor, sondern eher wenn ein OB versucht, begonnene Verkehrsinfrastrukturprojekte zu blockieren (pardon, 'kritisch' zu begleiten). Egal wie man zu S21 steht, unserer aller unmittelbaren oder mittelbaren 'Arbeitgeber' schauen sehr genau zu, wie es mit der Planungssicherheit im Neckartäle steht. Kuhn's Lavieren beim Fernsehturm lässt Schlimmes befürchten.

Wahrscheinlichkeiten: Nur mal zum nachdenken: Die Wahrscheinlichkeit bei 5000 Verkehrstoten in Deutschland dazu zugehören beträgt 1 : 16000 Also was sollen 1 : 100000? Wenns brennt brennts halt, der Mensch fliegt ins Weltall, aber das Feuer hat er noch nicht gezähmt, nur eingedämmt! Und dann gibt es ja noch den Murphy, gelle! Achja, der Polizeipresident hat doch gesagt, Stuttgart ist sicher, oder? Möglicherweise braucht man auch nur mehr Leute, Dann kann man Nachts auch wieder schlafen!

Fernsehturm: Ich verstehe warum Fritz Kuhn den Fernsehturm schließenn Musste!!!!!!!!! Es blieb im gar nichts anderes übrig, nachdem sein Feuerwehrchef Knödler nach einer schlaflosen Nacht (möglicherweise beim CDU Stammtisch) und die Amtsleiter von Baurechtsamt und AföO im sagten: 'He Fritz der Turm isch so osicher wie der Tunnel von der Bahn'! Super eingefädelt von der CDU, dessen Steuermann Kotz gleich mal vorschlug eine Brandwache hätte genügt! Hätte und wird sie vielleicht auch, nur wir bauen halt eine unterirdische Märklinbahn, damit die Pappis damit spielen können! Und da die böse Bahn den Brandschutz nicht ernst nimmt: 'Unfälle und Brände mit dem ICE passieren nur alle Tausen Jahre'! Das hat schon einmal einer behauptet, dessen Zeit wärte genau so lange wie der erste ICE Unfall passierte nämlich 12 Jahre! Und damit das hier nicht passiert und der Herr Knödler dem Grube sagen kann: 'Hallo Rüdiger, hier sag ich wos lang geht'! Dieseswegen wurde der Fernsehturm als Test behandelt! Diese Schwazkittel von der Wildparkgegend CDU genannte mafiöse Vereinigung ist sich auch für gar nichts zu schade! Möglicherweise muss jetzt der SWR eine neue (breitere) Treppe einbauen lassen und oben auf der Plattform ziemlich viele Fluchthauben vorhalten und die Aufzüge von der Fa. Dräger gasdicht gestalten lassen, dann kann man auch den Fernsehturm wieder öffnen! Weil im Turm, was soll da brennen? Fragt doch mal die Maus Herr Knödler die weis sicher wie das geht und es gibt doch sicher einen feuerfesten Anzug für Feuerwehr Heros, damit diese dann trotzdem da raufkönnen! Einen für 800° haben sie ja schon!

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