StZ-Sommerferienaktion in Münsingen Neues Leben in vergessenen Mauern

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Franz Tress hat mit dem Alten Lager in Münsingen große Pläne: Nach Jahren der militärischen Nutzung und des Leerstands sollen hier nun Touristen Einzug halten.

In die ehemalige Poststelle des Alten Lagers sollen 2017 ein kleiner Markt und vorübergehend ein Café einziehen. Foto: Horst Rudel 11 Bilder
In die ehemalige Poststelle des Alten Lagers sollen 2017 ein kleiner Markt und vorübergehend ein Café einziehen. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Franz Tress hat einen Plan. Oder vielmehr: eine Vision. Der ehemalige Nudelfabrikant will dem Alten Lager in Münsingen neues Leben einhauchen. Wo gähnende Leere herrscht, der Putz von den Wänden bröckelt und sich der Staub von Jahrzehnten in den Ecken gesammelt hat, sollen bald wieder Menschen ein- und ausgehen. Diese Vision brachte Tress den 26 StZ-Leserinnen und Lesern näher, denen er eine Führung über das Gelände mit seinen rund 150 Gebäuden gewährte.

Am 1. November des vergangenen Jahres hatte er den ehemaligen Bundeswehrstandort mit wechselvoller Geschichte, der seit 2005 leerstand, gekauft. Für Tress ist dessen Erhaltung und Umwandlung des Alten Lagers in ein touristisches Zentrum eine Herzensangelegenheit. „Ich bin ein Denkmal-Mann, ich mag alt“, erklärt er und blickt stolz auf sein neues Projekt. Die Idee, das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu kaufen, habe schon länger in ihm rumort – auch, weil er direkt neben dem Alten Lager wohne.

Zufallsfund Bunker

Seit November räumt Tress mit mehreren Mitarbeitern die Gebäude auf, flickt löchrige Dächer, montiert neue Regenrinnen, stützt marode Türen ab, mäht die Rasenflächen. Dabei ist er über so manche Überraschung gestolpert. In einer Ecke des Lagers fiel ihm ein Wall ins Auge. Als ein Bagger einen Teil des Erdreichs abgetragen hatte, kam ein Bunker zum Vorschein. Von Neugier getrieben, machte sich Tress an dessen Erkundung – mit „Rückendeckung“ des Baggerfahrers. „Ich wusste ja nicht, ob dort noch ein Soldat mit geladener Waffe Wache schiebt“, scherzt er mit den Besuchern, die seinen Ausführungen gebannt lauschen und die auch die langen Wege auf dem Gelände nicht schrecken. Das Gebäude des alten Hospitals mit seiner Schindelverkleidung, von der die Farbe abblättert, hat es Harald Rudolf aus Rutesheim angetan. „Ein wunderschönes Haus – aber da muss man noch viel machen“, sagt er.

Im Tourismus sieht Tress die Zukunft des Geländes. Um es entsprechend umwandeln zu können, hat er die Firma Albgut gegründet, die später das Alte Lager unter dem Slogan „Ein Land vor 100 Jahren“ betreiben soll. Ihm schwebt ein auf historischem Vorbild und der Idee der Nachhaltigkeit basierender touristischer Betrieb vor, in dem sich Familien über Kultur und Natur der Alb informieren können.

In die noch erhaltenen hölzernen Ställe, in denen früher die Pferde der Kavallerie untergebracht waren, sollen Tiere alter Rassen einziehen und Besuchern das Thema ökologische Tierhaltung nahebringen. Die Soldatenbaracken – flache, zweckmäßige Backsteingebäude – sollen zu Ausstellungsflächen werden, in denen Handwerker ihre Techniken vorführen können. An anderer Stelle soll Bier gebraut werden, auch ein Streichelzoo ist geplant, die ersten Ziegen sind schon da.

In der früheren Poststelle, ein Backsteinbau mit Uhrenturm, sollen im kommenden Jahr ein kleiner Markt mit Produkten des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und vorübergehend ein kleines Café untergebracht werden, wie Tress den Besuchern stolz berichtet. Nebenan plant er einen Park mit einem Kinderspielplatz.

Eine Reise in die eigene Vergangenheit

Ein architektonischer Höhepunkt ist das Casino, in dem einst die Offiziere speisten. Der Saal mit der Holzdecke und der Vertäfelung an den Wänden wird bereits für Hochzeiten genutzt. Gäste können sogar in einigen der früheren Offiziersunterkünfte übernachten. 100 Betten gibt es schon, in drei Jahren sollen es 300 sein. Ein Jahr Zeit und ein Budget von rund 1,2 Millionen Euro hat Tress für die erste Umbauphase eingeplant, im nächsten Jahr schon sollen die ersten Besucher kommen. Bis das ganze Lager seinen Vorstellungen entspricht, werde es wohl zehn Jahre dauern, schätzt er. Doch nicht überall muss viel Geld in Reparaturen gesteckt werden. In manchen Gebäuden wie den alten Getreidespeichern oder einigen Offiziersunterkünften gibt es schon Messen wie die „schön & gut“ oder Kunstausstellungen.

Während Tress zwischen den Gebäuden umherwandert und seine Vision für eine lebendige Zukunft des Lagers erklärt, ist der Besuch für Eberhard Mehl aus Hechingen eine Reise in die eigene Vergangenheit. Das Lager erinnert ihn an seine Bundeswehrzeit in Stetten am kalten Markt. „Dort sah alles genauso aus wie hier“, sagt er und blickt sich versonnen um. Und als später bei Maultaschen und Kartoffelsalat im Casino die Sprache auf die doch recht spartanischen Soldatenbaracken kommt, schaltet sich Hermann Armbruster aus Stuttgart ein. „Als ich mal im Manöver war, haben wir drei Wochen lang nur in Zelten mit Kohleöfen geschlafen. Das ging auch“, sagt er.