ExklusivUmfrage zur Landespolitik Grün-Rot ohne Mehrheit

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Die grün-rote Landesregierung unter Winfried Kretschmann und Nils Schmid muss bei der Landtagswahl 2016 um den Machterhalt fürchten. Einer aktuellen Infratest-Umfrage im Auftrag von StZ und SWR zufolge verliert die Koalition ihre Mehrheit.

Winfried Kretschmann (Grüne, rechts) und Nils Schmid (SPD) müssen bei der nächsten Wahl um ihre Parlamentsmehrheit bangen. Foto: dpa
Winfried Kretschmann (Grüne, rechts) und Nils Schmid (SPD) müssen bei der nächsten Wahl um ihre Parlamentsmehrheit bangen.Foto: dpa

Stuttgart - Die CDU bleibt die stärkste Partei in Baden-Württemberg. Sie verliert aber ihren alten Koalitionspartner FDP. Die Liberalen kommen mit drei Prozent nicht wieder in den Landtag. Grüne und SPD halten sich stabil, schaffen aber keine Parlamentsmehrheit mehr, denn mit fünf Prozent ist die AfD erstmals im Landtag und mischt dort die Machtverhältnisse grundlegend auf. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage von Infratest-Dimap im Auftrag der Stuttgarter Zeitung und des Südwestrundfunks (SWR).

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Von den Befragten gaben 41 Prozent an, der CDU ihre Stimme zu geben, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre. Die Union bleibt damit gegenüber dem zurückliegenden Stimmungstest unverändert. Bei der Landtagswahl 2011 holten die Christdemokraten 39,0 Prozent. Die Grünen können sich als zweitstärkste Kraft halten, legten sogar noch einen Punkt auf 22 Prozent zu. Beim Urnengang 2011 fielen 24,2 Prozent für die Grünen ab. Die SPD bleibt unverändert bei 20 Prozent, 2011 holte sie 23,1 Prozent.

Die AfD ist drin, aber nur noch knapp

Die AfD schafft gerade noch den Sprung ins Landesparlament; sie erreicht fünf Prozent – das ist ein Punkt weniger als im Mai diesen Jahres. Die FDP liegt mit unverändert drei Prozent sogar noch hinter der Linken, die ebenfalls konstant bei vier Prozent liegt. Bei der Landtagswahl schlugen 5,3 Prozent der Stimmen bei der FDP zu Buche, bei der Linken waren es 2,8 Prozent. 20 Prozent der jetzt Befragten allerdings sind noch nicht entscheiden oder wollen gar nicht wählen.

Einigermaßen bedenklich für die grün-rote Regierungskoalition ist die Antwort auf die Frage, ob sie auch künftig weiter regieren solle. 49 Prozent der Befragten sagen: ja. Aber 46 Prozent halten die Zeit reif für einen Regierungswechsel. Nur fünf Prozent äußern sich nicht oder unbestimmt. Dass sich CDU- und AfD-Anhänger stark für einen Machtwechsel aussprechen, verwundert nicht. Aber auch 19 Prozent der SPD-Fans sehen das so.

Grün-rote Bildungspolitik bleibt umstritten

Dabei ist die Zufriedenheit mit der Arbeit der aktuellen Landesregierung sehr hoch und im Vergleich zum Frühjahr sogar noch gestiegen. 60 Prozent sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden, das sind insgesamt zwei Punkte mehr als im Mai. 37 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Auch hier ist es so, dass die SPD mit 24 Prozent Unzufriedenen einen bemerkenswerten Klotz am Bein hat. Von den Grünen-Anhängern sind nur acht Prozent unzufrieden.

Die Schul- und Bildungspolitik ist und bleibt das grün-rote Krisengebiet. 58 Prozent der Befragten sind damit weniger oder gar nicht zufrieden, nur 31 Prozent halten dagegen. Diese Quote hat sich immerhin um vier Punkte leicht verbessert. Auf diesem Gebiet sind die SPD-Anhänger die zufriedensten, wenngleich 42 Prozent Zufriedenen 49 Prozent Unzufriedene gegenüber stehen. Bei den anderen Parteien ist dieses Verhältnis noch ausgeprägter.

Das könnte damit zusammen hängen, dass der Kultusminister Andreas Stoch ein Sozialdemokrat ist. In der persönlichen Bestenliste schneidet Stoch aber eher schlecht ab. Nur 17 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, 18 Prozent sind das nicht, der große Rest kennt ihn gar nicht oder traut sich kein Urteil zu.

Kretschmann mit Spitzenwert

Das ist mit dem Regierungschef deutlich anders. Er ist seit seinem Amtsantritt das Zugpferd der Koalition und kann sich noch fester im Sattel wähnen als je zuvor. 70 Prozent der Befragten sind mit dem Grünen Winfried Kretschmann zufrieden; vier Punkte mehr als im Mai. 21 Prozent sind nicht zufrieden, nur sieben Prozent kennen ihn nicht oder wollen ihn nicht beurteilen. Deutlich aufgeholt hat sein Stellvertreter Nils Schmid. Der Sozialdemokrat ist die Spitzenfigur seiner Partei und kommt auf eine Zufriedenheit von 38 Prozent. Das sind drei Punkte mehr als im Frühjahr. Allerdings geben noch 32 Prozent der Befragten an, Schmid nicht zu kennen.

Nach der Umfrage ist der FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke der unbekannteste Landespolitiker. 72 Prozent können nichts mit ihm anfangen, bei 14 Prozent kommt er gut an, bei zwölf Prozent schlecht.

Wen sich die Befragten als CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen 2016 wünschen lesen Sie hier.

8 Kommentare Kommentar schreiben

Einem anderer Artikel in der heutigen Ausgabe ist zu entnehmen, dass lt. einer Umfrage von StZ und SWR von denen, die sich als CDU-Wähler bekennen, 37 Prozent weder Thomas Strobl noch Guido Wolf kennen. Trotzdem glauben sie zu wissen, dass die CDU die bessere Regierungspartei wäre. Passt zu meiner These, dass viele CDU-Wähler keine Ahnung haben, warum sie eigentlich CDU wählen.

Weil sie die CDU wählen wollen und keine Gallionsf...: Weil sie die CDU wählen wollen und keine Gallionsfigur? Was erhofft sich ein Wähler von einem Übervater, der sich permanent parteiintern gegen seinen realitätsfernen und besserwisserischen Apparat durchsetzen muss? Es soll ja schon vorgekommen sein, dass manch friedliebender Mensch plötzlich mit ansehen musste, wie man seine Kinder in Kriege schicken wollte. Und manch Liebhaber nostalgischen Bahnverkehrs sieht sich plötzlich auf dem Abstellgleis. Wählt man einen Übervater, weil man das Gegenteil dessen will, wovon man überzeugt ist?

ach herr siber, was ein geschwätz. den spitzenkand...: ach herr siber, was ein geschwätz. den spitzenkandidaten, egal wer es wird lernen wir in der zeit bis zur wahl noch recht gut kennen. und ich wähle meine partei nicht wegen des großartigen parteivorsitzenden oder spitzenkandidaten, sondern wegen denen in der zweiten reihe und dem wahlprogramm. der spitzenkandidat ist zweitrangig. ich kann nicht grün wählen nur weil sie einen großartigen mann vorne dran haben. der rest der männer und frauen sind grausig und das wahlprogramm ist es auch

ich nochmal herr siber. ich habe gerade den artike...: ich nochmal herr siber. ich habe gerade den artikel gelesen aus dem sie entnommen haben, dass 37% der cdu-wähler keinen von beiden kennen. das ist natürlich falsch. 37% der cdu-wähler haben angekreuzt "kenne ich nicht/weiß ich nicht/ ist mir egal". und wenn es einem egal ist oder nciht weiß wer spitzenkandidat werden soll kann sich eben zur zeit nicht entscheiden oder er findet beide gleich gut/grausig. aber ihre schlussfolgerung stimmt so nicht.

Grün-Rot kam nur wegen Fokushima an die Macht. Was sie daraus gemacht haben, wie sie ihre Projekte verkaufen und woher die Sympathie für Herrn Kretschmann stammt, möge jede und jeder für sich beantworten. Und wie sie oder er beim nächsten Mal abstimmt, wird vermutlich erst im Wahlkampf entschieden.

Fokushima war vielleicht das eine, aber ohne den F...: Fokushima war vielleicht das eine, aber ohne den Fehdehandschuh Mappus21 hätte es auch nicht geklappt ;-)

Grün-rot ohne Mehrheit: Grün-rot hatte auch im Mai keine Mehrheit, daran hat sich nichts geändert. Was das Ergebnis der AfD anbelangt, so steht zu vermuten, dass sie weit mehr als die angegebenen 5 % einfahren wird (s. Ergebnis in anderen Bundesländern, s. Ergebnis in B.W. bei der Europawahl). ______________ Zu Kretschmann: "Hinzu kommt: Weggefährten beobachten schon länger, dass die Galionsfigur der Grünen schneller als alle seine Vorgänger im Amt gealtert ist. Zwar hat Kretschmann so manche Aussage vom Anfang seiner Amtszeit, er vermisse ob seiner Terminfülle die samstägliche Arbeit im Garten und die sonntäglichen Wanderungen mit seiner Gerlinde auf der Schwäbischen Alb, inzwischen nicht mehr wiederholt. Aber der Regierungschef wirkt bei offiziellen Auftritten oder Pressekonferenzen immer öfter psychisch abwesend, auch wenn er physisch anwesend ist. „Ihn schlaucht der Job“, sagt ein Freund mitleidsvoll. Und der kräftezehrende Landtagswahlkampf kommt erst noch." (StN). ___________ Schau'n mer mal.

Mal sehen,: ob sich die CDU nach der Wahl noch an ihre puztige Ausschließeritis gegenüber der AfD erinnert. Ich glaube und hoffe allerdings eher, dass sie vernünftig wird und mit der AfD geht, statt mit der SPD oder den Grünen zu regieren.

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