SWMH-Empfang in Stuttgart Zwischen Illusion und Wirklichkeit

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Harald Wohlfahrts Palazzo als Plattform für eine offene und unkomplizierte Begegnung mit den Medien: Die Südwestdeutsche Medienholding hat ins Spiegelzelt eingeladen.

Andrang unterm Zeltdach: Rund 200 Gäste sind zum Empfang der Südwestdeutschen Medienholding gekommen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 92 Bilder
Andrang unterm Zeltdach: Rund 200 Gäste sind zum Empfang der Südwestdeutschen Medienholding gekommen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Schleuderbrett und Spezialeffekte, Garnelenspieße und Gespräche: Am Montag hat die Südwestdeutsche Medienholding zum zweiten Frühlingsempfang ins Palazzo-Spiegelzelt geladen. Richard Rebmann, der Vorsitzende der SWMH-Geschäftsführung, begrüßte rund 200 Gäste, unter ihnen viele bekannte Gesichter aus der Stadt und der Region.

Nicht nur für die Journalisten und Medienunternehmen sei 2016 ein bewegendes Jahr gewesen, sondern auch für das politische Klima in Deutschland, Europa und der Welt, sagte Rebmann. Gerade in der heutigen Zeit komme es auf die Verlage an, die auf unabhängige Berichterstattung aus den Krisengebieten, auf investigative Recherche und journalistische Haltung und Rückgrat Wert legten. Dafür stünden die Medien der SWMH-Gruppe mit ihren mehr als 1300 Redakteuren. „Wir versehen unsere Informationen, Nachrichten und Kommentare mit einem Absender, wir treten unseren Konsumenten mit offenem Visier entgegen“, betonte Rebmann.

Erleben Sie das Palazzo auf dem Cannstatter Wasen in unserem 360-Grad-Video.

Das werde auch 2017 so bleiben, versprach Herbert Dachs, Geschäftsführer der Medienholding Süd, zu der Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Schwarzwälder Bote und seit neuestem auch die Esslinger Zeitung gehören. 2016 sei ein Jahr mit großen Herausforderungen, Veränderungen und Entscheidungen gewesen. „Und es war auch ein gutes Jahr.“ Im vergangenen April habe man den „neuen Stuttgarter Weg“ gestartet, die Zusammenführung von StZ und StN zu einer Gemeinschaftsredaktion sei sehr erfolgreich verlaufen. Für die Redaktionen stehe jetzt der Ausbau des Kerngeschäfts im Mittelpunkt. Dazu gehöre, „unterschiedliche Geschwindigkeiten aus Print, Online und Mobile in einer Organisation zu synchronisieren“.

Quelle bald wichtiger als die Nachricht?

Im Gegensatz zum ersten SWMH-Empfang stehe aber nicht der Blick nach innen im Vordergrund, stellte StN-Chefredakteur Christoph Reisinger klar, der die Veranstaltung moderierte. „Wir schauen heute Abend darauf, was uns Medien bewegt: zum Beispiel die Licht- und Schattenseiten der digitalen Bilderzeugung.“

„Global Players“ hieß die Show, die Palazzo in seiner 13. Spielzeit einen neuen Besucherrekord bescherte. Ein weltweiter Spieler ist auch Mackevision Medien Design: Vom Stuttgarter Bosch-Areal aus liefert das Unternehmen digitale Welten bis nach Hollywood. So ist Mackevision etwa bei der Serie „Game of Thrones“ an den Spezialeffekten beteiligt. Wichtige Auftraggeber sind außerdem die Autokonzerne: Dank datenbasierter Virtualisierung können die Kunden ihr Wunschfahrzeug am PC zusammenstellen. Das Thema des Vortrags von CEO Armin Pohl lautete folgerichtig: „Illusion und Wirklichkeit“. Er habe als Kind wahnsinnig gern in Atlanten geblättert. „Ich wollte wissen, was dahinter steckt“, erzählte er im Gespräch mit StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs.

Die neuen technischen Möglichkeiten seien einerseits extrem beeindruckend, andererseits aber auch besorgniserregend, meinte Dorfs. „Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Lügen und Falschmeldungen über soziale Medien viel weiter und schneller verbreiten, als es zuvor möglich gewesen wäre.“ Pohl nahm den Ball auf. Angesichts der Flut an „Fake News“ sei die Quelle demnächst wichtiger als die Nachricht, prophezeite der Vater zweier Teenager-Töchter. „Die Glaubwürdigkeit ist das Thema. Deshalb wird der Qualitätsjournalismus immer wichtiger.“

Die Politik war quer durch alle Parteien vertreten

Das sehen ganz offenbar auch die Stuttgarter Promis so, die zahlreich gekommen waren. „Es ist schön zu sehen, dass wir es mit der zweiten Veranstaltung geschafft haben, eine Tradition zu begründen“, sagte der SWMH-Geschäftsführer Alexander Paasch. Die Politik war quer durch die Parteien vertreten. Die frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Birgitt Bender, die SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier und der CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart, der sich an das Indianerzelt neben dem Kanzleramt in Berlin erinnert fühlte, waren erstmals bei Palazzo, FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke „in dieser Wahlperiode noch nicht“.

Für die Region standen der Waiblinger Unternehmer Hans Peter Stihl und Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec. Das Stadtleben vertraten unter anderem die Flughafenchefs Georg Fundel und Walter Schoefer, der Messechef Ulrich Kromer, der evangelische Stadtdekan Sören Schwesig, die Citymanagerin Bettina Fuchs, der Konzertimpressario Michael Russ, der VfB-Präsident Wolfgang Dietrich („Wir haben so einen Rückhalt, wir müssen aufsteigen“), das Künstlerpaar Christa und Conny Winter und der frühere Nachtcafé-Moderator Wieland Backes, seit der Gründung des Vereins „Aufbruch Stuttgart“ eigener Einschätzung zufolge ein begehrter Mann: „Jeder will sich mit mir treffen.“