SWR-„Elefantenrunde“ Immer gesprächsfähig bleiben

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Drei Tage vor der Wahl sind die Spitzenkandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien beim SWR gegeneinander angetreten. Die Debatte war zwar munter, aber allzu hart fasste man sich nicht an. Vielleicht muss man ja bald über eine Koalition reden.

Elefantenrunde beim SWR mit (v.l.) Bernd Riexinger (Linke), Winfried Kretschmann (Grüne), Guido Wolf (CDU), Hans-Ulrich Rülke (FDP), Nils Schmid (SPD) und Jörg Meuthen (AfD) – eingerahmt von Stephanie Haiber (rechts) und Clemens Bratzler (links) Foto: dpa
Elefantenrunde beim SWR mit (v.l.) Bernd Riexinger (Linke), Winfried Kretschmann (Grüne), Guido Wolf (CDU), Hans-Ulrich Rülke (FDP), Nils Schmid (SPD) und Jörg Meuthen (AfD) – eingerahmt von Stephanie Haiber (rechts) und Clemens Bratzler (links)Foto: dpa

Stuttgart - Munter war sie, die Runde der Spitzenkandidaten, die sich am Donnerstag vor den Kameras des SWR-Fernsehens auf dem Wahlkampfschlussspurt teils heftige Wortgefechte lieferten. Allerdings wurden kaum neue Aspekte in die Debatte eingebracht. Teils wiederholten die verbalen Kombattanten wortwörtlich ihre in diversen Wahlkampfauftritten am Publikum bereits wohl erprobten Sätze.

Gegen Schluss wurde allerdings auch deutlich, dass sich da Herren miteinander stritten, die am Montag womöglich miteinander in Gespräche über die Bildung der künftigen Landregierung treten müssen. „Demokratische Parteien müssen gesprächsfähig bleiben“, sagte der SPD-Spitzenmann Nils Schmid dazu.

Kretschmann als wohlmeinender Politikerklärer

Die Runde erlebte einen angriffslustigen Nils Schmid, der freilich angesichts desaströser Umfragewerte für die Sozialdemokraten auch mit dem Rücken zur Wand steht. Auf Attacke getrimmt war – wie gewohnt – der FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke. Den wohlmeinenden Politikerklärer verkörperte der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) – auch das durchaus im Einklang mit seinem bekannten Auftreten. Der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf trat als gemäßigt angreifender Herausforderer des Ministerpräsidenten auf; er muss sich nicht vorwerfen lassen, mit der Pauke unterwegs gewesen zu sein.

Mit am Tisch war auch der Frontmann der rechtspopulistischen AfD, Jörg Meuthen, der einmal mehr mit seinen Positionen – übrigens nicht nur in der Flüchtlingspolitik – in einsame Isolation geriet. Bernd Riexinger von den Linken erkämpfte sich zwar immer wieder Gesprächsanteile, wurde von den anderen aber doch meistens links liegen gelassen.

Wenig Kreativität in Sachen Flüchtlingskrise

Die beiden SWR-Moderatoren Stephanie Haiber und Clemens Bratzler arbeiteten sich hartnäckig durch die Themenpalette. Dem war zu verdanken, dass nach einer guten halben Stunde das allgegenwärtige Flüchtlingsthema abgehakt werden konnte, ein Feld, auf dem inzwischen argumentativ die geringste Kreativität entfaltet wird. Winfried Kretschmann erklärte aufs Neue, warum er die Politik der Bundeskanzlerin für gut hält („Es geht um Europa“). Guido Wolf hielt ihm einmal mehr entgegen, es reiche nicht, die Kanzlerin nur zu verstehen, „man muss sie auch unterstützen“, was Grün-Rot aber versäume. Und so weiter.

Die Zuschauer haben auch erfahren, dass die Parteien in einem „Überbietungswettbewerb“ bei der Neuschaffung von Stellen für die Polizei seien. Die CDU bietet 1500, die FDP 1000, Grün-Rot fragt, woher die auf einmal kommen sollen. Es ging auch um Sinn oder Unsinn der Gemeinschaftsschule. Gestritten wurde wieder um die Millionen Euro Bundesmittel für Straßenbau, die das Verkehrsministerium nicht abgerufen hat. Man kennt das.

Vielleicht ist es auch Müdigkeit, aber am Ende gaben sich die meisten Kontrahenten doch gemäßigt. Man weiß ja nicht, mit wem man reden muss. Guido Wolf hielt sich bedeckt und will sich erst am Montag Koalitionsgedanken machen. Kretschmann staatsmännisch: „Vor der Wahl sagt man, was man will“, in seinem Fall Grün-Rot. Doch „nach der Wahl macht man halt nicht was man will, sondern was man muss.“

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19 Kommentare Kommentar schreiben

Kretschmann: Landesväterliche Weisheit, Gelassenheit und staatsmännische Überlegenheit, wie sie die Werbeplakate suggerieren, strahlte er meinem Empfinden nach in der Elefantenrunde nicht aus, er wirkte eher wie ein verhärmter Oberlehrer, humorlos dozierend, verhärtet, im tiefsten Grunde erschöpft und doch dieser Erschöpfung mit großer Selbstdisziplin begegnend (Hut ab!). Da legten Schmid und Rülke schon wesentlich mehr Elan an den Tag. Vor allem Rülke hinterließ den Eindruck, als verfüge er noch um ein stattliches Reservoir ungenutzter Kräfte.

SWR-Elefantenrunde: Kretschmann erklärt uns Zuschauern Politik. Da wird die Elefantenrunde zur Sendung mit der Maus. Wäre er doch Lehrer geblieben.. Für was steht Kretschmann? Wo sind die Visionen, wo die klare Kante? Mit ein bisschen Nabelschau könnte er zumindest beim aufgeklärten Wähler eher punkten. Bei der Bildungspolitik wieder nur erklärende Platitüden. Da wird gebetsmühlenartig von Kretschmann und Schmid die Höherwertigkeit der Gemeinschaftsschule - weil chancengerecht - runtergeleiert. Dabei pfeifen es schon längst die Spatzen von den Dächern, dass gerade die schwachen und/oder benachteiligten Schüler in der Gemeinschaftsschule auf der Strecke bleiben. (GMS-Studie Prof. Bohl / Tübingen). Bei der SPD schlägt das Herz nicht mehr links - und bei den Grünen statt Herzblut pure bildungspolitische Ideologie! Wo ist denn die Kretschmannsche Politik des Gehörtwerdens? In den Gemeinschaftsschulen, die mittlerweile schon die 8. Klasse anbieten, wandern die leistungsstarken Schüler auf das Gymnasium ab. Die schwachen Schüler zahlen mal wieder die Zeche. Die Unterrichtsqualität an den Gemeinschaftsschule kann in vielen Fällen nicht mehr aufrecht erhalten werden - schon allein wg. der hohen Krankheitsquote bei den Lehrern. Es reicht eben nicht, wenn man an den Gemeinschaftsschulen Junglehrer/innen verheizt. Aus Angst vor Nichtverbeamtung machen die zwar viel mit, aber irgendwann ist halt Schluss und übrig bleibt tiefe Frustration. Und die G8-Problematik auch nur gestreift. Die Regierung erlaubt willkürlich nur an bestimmten Standorten G9. Sollen die Schüler, die G9 wollen, mit dem Bus fahren. Feinstaub und das Co2 - alles öko? Aber wen wunderts? Wenn aus grünen Reihen ohne Schamesröte bekannt wird, dass man zur Abschreckung ein schweres Gymnasium (=G8) brauche, damit mehr Schüler auf die Gemeinschaftsschule gehen. Fazit: vor fünf Jahren profitierten die Grünen von Fukushima, bei dieser Wahl profitieren sie von allgegenwärtigen Flüchtlingsdebatte. Also liebe Grüne, schimpft nicht so über die Populisten bei der AFD - ohne die würden nämlich die landespolitischen Themen im Rampenlicht stehen und das würde euch gar nicht gefallen.

Die Elefantenrunde war sehr aufschlussreich: Herr Kretschmann kam gewohnt souverän und unaufgeregt rüber, Schmid von der SPD engagiert, wenn auch manchmal etwas übereifrig. Auf jeden Fall hatten die beiden für mich die besseren Konzepte für unser Land als die CDU, bei der man nicht weiß, wen oder was man eigentlich wählt. Zu willkürlich, zu pauschal und vor der Wahl auch etwas panisch sind da die Aussagen ("mehr Polizei, mehr Straßen"), und wohin die Reise bei der Flüchtlingspolitik im Land gehen soll, weiß man angesichts des Grabens zwischen Merkel und Wolf auch heute nicht. Herr Wolf eiert da etwas zu sehr hin und her. Herr Rülke (FDP) gab sich bewusst offen nach allen Seiten, und Herr Riexinger von der Linken hatte gute Argumente, die aber die Moderation ins Leere laufen ließ anstatt sie mal aufzugreifen.

Wer nicht überzeugen konnte, war der AfD-Kandidat Meuthen.. : Für mich ist bei ihm eine Art von Heuchelei erkennbar, die für uns Schwaben unterträglich ist. Wer die Umtriebe seiner Jungen Alternative oder die verschiedenen Gerichtsverfahren der AfD-Funktionäre in Baden-Württemberg wortlos deckt, ist für mich nicht ehrlich und keinesfalls erste Wahl. Nicht mal die Zweite - nach dem verräterischen Schießbefehl dieser Frontfrauen Storch und Petry. Wer Menschen derart verachtet, dass sie nur noch Objekte für Kimme und Korn werden, darf sich über einen kräftigen Gegenwind nicht wundern. .

Kretschmann-Verklärung: sympatisch ist er ja immer. Gestern wirkte er aber auch alt und müde. Ganz im Gegensatz zum bissigen Nils. Umso unerklärlicher der Höhenflug der Grünen hier. Wenn man sich dann noch Maybrit Ilner gab im Anschluss, wurde umso klarer, was bei den Grünen hinter Kretschmann kommt: Ganz lange nichts. Im Bund Leute wie Claudia Roth, Göring Eckhardt. Darum dümpeln sie überall sonst verdientermaßen im Bereich zwischen 5-10%. Roth belehrte bei Illner besorgte Anwohner aus dem Scharnhauser Park neben der Asyl-Unterkunft , nach dem Motto hätten sie sich mal früher informiert und sollen sie sich mal besser anstrengen mit der Integration. ~~~~~~~~ Kretschmann Nachfolger in BW? Özdemir ists zu gemütlich in Berlin. Untersteller hat wenig Format. ~~~~~~~~~ Mann kann nur hoffen, dass die SPD bis Sonntag noch ein paar mehr Stimmen von denen bekommt, die Grünrot toll fanden in den letzten 5 Jahre. Dafür, dass sie die Arbeit machte.

Kretschmann: hatte eigentlich nichts zu sagen, außer Frau Merkel zu loben. Nils Schmid hatte eigentlich nichts zu sagen außer die AFD und ihre Wähler zu beleidigen. Wolf hatte eigentlich nichts zu sagen. Prof. Meuthen durfte eigentlich nichts sagen. Riexinger konnte eigentlich nichts sagen.

Professor auf Abwegen: Man kann nur hoffen, dass Sie und andere trotz lauter Zorn über Merkel langfristig denken, statt einmal in der Wahlkabine mit dem Fuss wütend aufzustampfen und AfD zu wählen. Neben Ihrem Professor Meuthen, der offenbar in der falschen Partei ist, gibts dort nämlich nur noch Dödel. Hoffen Sie stattdessen, dass die CDU sich auf ihre konservative Klientel besinnt in den nächsten Jahren. Oder halt FDP.

Prof.Meuthens richtige Partei: Herr Kretschmann und Frau Merkel beten füreinander , schön und gut. Aber 2015 1,2 Mio. Menschen, wenn man den Info der Nachrichten trauen kann, ohne Pass und ohne Versuch der Erkennung ob Asylberechtigter oder Wirtschaftsflüchtling ins deutsche Sozialnetz durchwinkt, stellt sich die Frage nach dem Willen gemäss Schengenabkommen die EU-Aussengrenze wirksam schützen zu wollen. Spanien schafft das auf doppelter oder dreifacher Küstenlinie, auf der Balkanroute über Griechenland Totalversagen. Wen soll man da wählen ? CSU bundesweit nicht angetreten, bleibt nur die Hoffnung das die Partei um Prof. Meuthen erwachsen wird, und in Zukunft dumme Antworten, wie " man muss im Notfall eine Grenze auch mit Waffengewalt verteidigen" unterlassen. Denn diese Worte werden monatelang auf der Goldwaage hin und hergeschüttelt, kein andere Frage wurde mehr gestellt, da helfen auch hinterher keine Klarstellungen mehr. Soviel zu Dödel in der Politik, allen voran Herr Schmid, der über 90 Minuten Prof. Meuthen jegliche Möglichkeit eine Antwort auf Fragen durch undemokratisches Gewäsch zu nehmen. Er war offensichtlich ein einer Antwort nicht interessiert !

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