SWR-Radiosinfonieorchester In der Gerüchteküche ist noch Platz
Götz Thieme, 07.02.2012 10:56 Uhr
SWR-Intendant  Peter Boudgoust Foto: dpa
SWR-Intendant Peter Boudgoust Foto: dpa

Stuttgart - Am Freitag haben die Musiker der beiden großen Orchester des Südwestrundfunks Einladungen zu Orchesterversammlungen erhalten. Recht kurzfristig kam am Montag, einen Tag vor seiner Abreise zur Japantournee, das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg (SO) im Freiburger Konzerthaus zusammen, der Hörfunkdirektor Bernhard Hermann stand den besorgten Musikern Rede und Antwort. Denn am Freitag hatte der SWR-Intendant Peter Boudgoust bei einer Klausur des Rundfunkrates in Stuttgart bekanntgegeben, prüfen lassen zu wollen, was die Orchester zu den Sparplänen im Haus beitragen können. Bis zum Jahr 2020 muss der Sender die Ausgaben um 166 Millionen Euro kürzen.

Boudgoust selbst wird am Donnerstag Gast bei einer Versammlung des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR (RSO) sein. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung hatte Boudgoust die Beratungen als „ergebnisoffen“ bezeichnet, gleichwohl eine Fusion der Orchester nicht ausgeschlossen. Auch beim RSO herrscht nun Verunsicherung, am Montag kamen die Musiker von einem Gastspiel in der Kölner Philharmonie mit ihrem Chefdirigenten Stéphane Denève zurück. Irgendwie sei das Konzert „eher Nebensache“ gewesen, sagte ein Orchestermitglied. Die Gespräche wären vornehmlich um die Zukunft gekreist. Medienberichte heizen die Stimmung an, es ist von „internen Plänen“ die Rede, einem „Superorchester“ aus den fusionierten SWR-Klangkörpern. Die FAZ berichtete zudem von einer Unternehmensberatung, die angeblich bereits Sparmodelle erarbeitet habe. Der SWR-Pressesprecher Wolfgang Utz dementierte all diese Punkte, bestätigte allerdings, dass man externe Berater beauftragen werde, diesen Prozess zu begleiten. Utz legte Wert auf die Feststellung, dass, was auch immer beschlossen wird, dies „ohne betriebsbedingte Kündigungen“ geschieht.

Spekulationen nicht verhindern

So sehr sich Intendanz und Hörfunk­direktion um Sachlichkeit und Transparenz bemühen, die nun losbrechenden Spekulationen können sie nicht verhindern. Schon erwähnen die Gesprächspartner die Standortfrage, sollte es zu einer Fusion kommen. Alle fürchten den Streit, denn am Ende müsse man ja am Pult zusammensitzen und musizieren, da wäre es fatal, wenn man sich vorher befehdet, heißt es sorgenvoll beim RSO. Andere aberwitzige Modelle werden ventiliert: aus einem der Orchester könnte ein kleinere Spezialtruppe für moderne Musik werden nach dem Vorbild des Frankfurter Ensemble Modern.

Eines können sich die Musiker beider Orchester kaum vorstellen: zwei eigenständige Kollektive mit weniger Musikern. Dann sei der „Sinkflug“ eingeleitet, sagt ein Stuttgarter. Hochbegabte Kollegen würden abgeworben, die Orchester wären weiter geschwächt. Von internationalem Rang könne man sich verabschieden. Das dürfte doch nicht im Sinne des traditionsreichen Senders SWR sein – viele hoffen auf das Gespenst des Ansehensverlusts.

Kommentare (3)
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FEB
09
Verärgerter Leserbriefleser , 13:38 Uhr

Diotenvorschlag abschaffen. Weshalb auch noch Schulen oder Gymnasien.

Zur Kultur gehört mehr als Stammtischrunden. Zur Kultur gehören Hochleistungsorchester genauso wie Elitegymnasien oder Universitäten. Wer auf diesen Seiten für Abschaffen des SWR-Orchesters blödplädiert, sollte am Besten zum Südpol und den Pinguinen auswandern.

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FEB
08
Insider, 16:49 Uhr

SWR-Orchester

Nun, endlich sollte man sagen.... Wieso sind z.B. das Gewandhausorchester, die Staatskapelle Dresden, das Bayerische Staatsorchester, die Staatskapelle Berlin solch fantastische, hervorragend aufeinander eingespielte Orchester? Weil sie viel mehr zusammen spielen als diese beiden verwöhnten Rundfunkklangkörper. Man muss sich nur die Zahlen anschauen, z.B. in Freiburg: 10 oder 12 Konzerte im Konzerthaus, das wohlgemerkt das ganze Jahr teuer gemietet wird, ansonsten einige Gastkonzerte in anderern Städten, und vielleicht noch ein paar kleinere schlechtausgelastete Konzerte an anderen Spielorten in Freiburg. Oft Proben für nur EIN Konzert, die Musiker haben zusätzlich zum Urlaub noch mehrere Wochen oder je nach Position Monate (!) frei, die sie natürlich zum "Muggen" in anderen Orchstern nutzen (dabei ist diese Freizeit ja angeblich dafür vorgesehen, sich auf anstehende Programme vorbereiten zu können), und trotzdem jammern viele Musiker wegen Überlastung.... Die SWR-Gremienmitglieder sollten sich einmal die Zahlen aus den o.g. deutschen Top-Konzert- und Opernorchestern anschauen, hier wird effektiv und sinnvoll gearbeitet, und trotzdem klagt niemand über Überlastung, sondern freut sich, in meist ausverkauften Häusern zu spielen. Deshalb: bitte endlich die Ressourcen richtig einsetzen und den Musikern Leistung und Einsatz abverlangen, sie bekommen schließlich auch die entsprechenden Gehälter und Privilegien.

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FEB
08
s`fritzle, 10:54 Uhr

den ganzen SWR...

...abschaffen! Dann wär wirklich was gespart! Und fehlen würde der auch nicht!

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