SWR-Serie „Ab durch die Heimat“ Die neuen lustigen Reiseführer

Von Tilmann Gangloff 

Das SWR-Fernsehen startet die neue Reihe „Ab durch die Heimat“: Vier Kabarettisten stellen in der Serie ihre Städte vor.

Sparschweinisches   aus  Waiblingen: mit Christoph Sonntag beginnt die Reihe Foto: SWR
Sparschweinisches aus Waiblingen: mit Christoph Sonntag beginnt die ReiheFoto: SWR

Stuttgart - Je globaler die Welt wird, desto mehr wächst der Heimatbezug – auf diese einfache Formel lässt sich der Erfolg der dritten Programme reduzieren. Neben der regionalen Information schätzen die Zuschauer vor allem Sendungen, in denen die Heimat erkundet wird. Die Aufforderung „Fahr mal hin“ ist keineswegs nur das Motto der gleichnamigen SWR-Reihe. Weil neben dieser Heimatkunde aber auch Unterhaltung ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Dritten ist, liegt es nahe, die beiden Farben miteinander zu kombinieren: In „Ab durch die Heimat“ stellen vier im Südwesten beliebte Komödianten einander ihre Heimatstadt vor.

Die Idee zum neuen Format hatte die Bavaria Entertainment, die für den SWR unter anderem „Meister des Alltags“ und „Die Quiz-Helden“ produziert. Das Konzept für die zunächst vierteilige Reihe ist einfach: Bodo Bach, Pierre M. Krause, Lars Reichow und Christoph Sonntag führen jeweils einen Kollegen durch die Stadt, in der sie aufgewachsen sind. Zum Auftakt lädt Sonntag seinen Kollegen Reichow nach Waiblingen ein, in der nächsten Woche reist der SWR-Moderator Krause zum Komiker Bach nach Frankfurt. Anschließend kommt es zu den Gegenbesuchen von Sonntag in Mainz und von Bach in Karlsruhe. Der Hesse Bach fällt zwar geografisch etwas aus dem Rahmen, ist aber regelmäßig zu Gast im Südwest Fernsehen.

Christoph Sonntag legt Lars Reichow auf die Matte

Natürlich lebt das Format von den Protagonisten, und es ist in der Tat unterhaltsam, wenn jemand wie Christoph Sonntag den Reiseführer macht. Im Rahmen der Stadtrundfahrten müssen die Gastgeber verschiedene Vorgaben erfüllen und Erlebnisse schildern, die in ihrem Lebenslauf markante Spuren hinterlassen haben. Zu Sonntags Aufgaben gehört unter anderem der Besuch eines „legendären Ortes“ und die Vorstellung eines „Lokalhelden“. „Richtig ins Schwitzen gekommen“ ist er in einer Turnhalle, wo er Judounterricht hatte und auf seinen einstigen Lehrer trifft. Selbstredend lässt er es sich nicht nehmen, auch Reichow auf die Matte zu schicken.

Im Grunde ist „Ab durch die Heimat“ also Porträtfernsehen mit anderen Mitteln. Auch wenn Christoph Sonntag keine allzu tiefen Einblicke in sein Seelenleben gibt, erfährt man doch deutlich mehr über ihn als etwa im Rahmen einer Talkshow. Natürlich geht es auch um die jeweils vorgestellte Stadt, doch der Gastgeber steht eindeutig im Mittelpunkt. Womöglich hatten die Verantwortlichen deshalb auch ein wenig Sorge, dass der Fahr-mal-hin-Aspekt zu kurz kommt. Zur Vorbeugung lassen sie jetzt die Erzählungen durch einen Kommentar ergänzen, der auch stimmlich mit exakt jener Betulichkeit daherkommt, die so typisch für viele Heimatformate ist. Gleichfalls nur bedingt gut umgesetzt ist die Rahmenhandlung: Die vier Komödianten schauen sich die Filme gemeinsam an und kommentieren die Geschehnisse. Das ist zum Teil ganz witzig, wenn beispielsweise Krause angesichts von Christoph Sonntags diversen Sparsamkeitsanfällen mehrfach lakonisch „Schwaben halt“ anmerkt. Bei den Kollegen hält sich die Witzigkeit allerdings in Grenzen, zwischendurch gähnt Krause auch mal herzhaft.

Völlig humorlos: der Kommentar aus dem Off

Es wäre aber nicht fair, damit gleich das gesamte Format zu verunglimpfen, denn solange die Komödianten das Wort haben und Sonntag über schwäbische Eigentümlichkeiten fabuliert, ist „Ab durch die Heimat“ durchaus unterhaltsam.

Das ändert sich jedoch, wenn die Fahr-mal-hin-Anteile in den Vordergrund rücken und die Sprecherin einen Abriss der Waiblinger Stadtgeschichte zum Besten gibt. Dem Kommentar fehlt komplett die ironische Attitüde der Musikauswahl, die Sonntags Erzählungen von einem mysteriösen Verlies mit dem berühmten Motiv aus „Psycho“ und seine Schilderungen eines Schulhofkampfs mit der Titelmusik aus dem Boxerfilm „Rocky“ unterlegt. Zum Ende des Tagesausflugs muss der Gast seine Erlebnisse in einem möglichst launigen Auftritt vor geladenen Gästen in einer Kneipe zusammenfassen. Das hat immerhin den Vorteil, dass endlich mal niemand dazwischen quatscht, weder die Sprecherin noch die Kollegen im Studio.

Wenn die Menschen im Südwesten die Reihe trotzdem unterhaltsam finden und in Scharen einschalten, wird sie selbstredend fortgesetzt. Die bekanntesten Komödianten des Landes hat man jetzt zwar durch, aber Andreas Freitag, Redaktionsleiter in der SWR-Unterhaltung, kann sich vorstellen, das Format auch für Prominente zu öffnen, die nicht von Berufs wegen komisch sind: Hauptsache, sie können gut erzählen und sind unterhaltsam.