""Oberstes Ziel ist es,
Verkehr zu vermeiden.""
Gerhard Pfeifer vom BUND
Stuttgart - Lautlos in Viererreihen und eskortiert von der Polizei sind am Sonntag 330 Elektroroller vom Zentrum für E-Mobilität in der Türlenstraße zum Schlossplatz aufgebrochen. Dort wurde die Flotte der Fahrer in blauen T-Shirts mit aufgedrucktem Kabel und Stecker sowie mit silbernen Helmen und silbernen Satteltaschen von Hunderten Gästen in Volksfeststimmung erwartet. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) setzte gestern mit einem Tag zur E-Mobilität auf dem Schlossplatz den Startschuss für die einjährige Testphase für insgesamt 500 Elektroroller in der "Modellregion Elektromobilität Region Stuttgart". Koordiniert wird die Aktion von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS).
Zum Großversuch gehört neben dem Individualverkehr auch die Anwendung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen im Lieferverkehr und bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier sollen neben den E-Bikes sowie 450 Pedelecs sechs Hybridbusse, 30 Autos und 50 Nutzfahrzeuge folgen. 630 Ladepunkte in der Region werden eingerichtet. Auf deren Datenbasis werden Infrastruktur, Ladestationen und das Abrechnungssystem bedarfsgerecht entwickelt. Die Testflotte wird vom Bund mit drei Millionen Euro gefördert.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer verbreitete zum Start Zuversicht: "Heute kommt Innovation auf die Straße. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern werden wir Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität machen." Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. 18 Millionen Euro Fördergelder will das Bundesverkehrsministerium in die Projekte in der Modellregion Stuttgart investieren.
E-Bikes-Testerin: "Das Ding ist anfangs ganz schön schnell"
Im Frühjahr hatten sich 3000 Interessierte als Testfahrer bei der EnBW beworben. Ausgewählt wurde auch Volker Christiani. "Ich will den E-Bikes nutzen, um für mich die Reichweite des öffentlichen Personennahverkehrs auszuweiten." Der 38-Jährige will bequem die 80 Höhenmeter von seinem Haus in Esslingen bis zur nächstgelegenen Stadtbahnhaltestelle in Ostfildern überwinden und von dort mit der Stadtbahn zur Arbeit fahren.
Etwas aufregend war der Korso bis zum Schlossplatz, sagt die 19-jährige Sandra Ruth aus Kornwestheim: "Das Ding ist anfangs ziemlich schnell." Sie hat das Damenmodell mit einem niedrigen Einstieg. Der Werbescooter von Volker Christiani dagegen erinnert an ein Geländemotorrad. Mit einer Höchstleistung von 40 Kilometern in der Stunde dürfen die beiden Elektronauten mit den E-Bikes aber weder auf der B 10 noch auf der B 27 fahren.
Aufladen können ihn die Tester an der Steckdose; mit einer Ladung kommt man 40 bis 60 Kilometer weit. Christiani hat sich jedoch vorgenommen, nie bis ans Limit zu gehen, damit er nicht stehen bleibt.