Winfried Hermann (re.) und Wolfgang Drexler im Streitgespräch Foto: SWR
Stuttgart - Es ist der Schlusspunkt eines ganzen Thementages gewesen, den der Südwestrundfunk am Donnerstagabend zu Stuttgart 21 gesendet hat. Was die Zuschauer am Abend in einer eineinhalbstündigen Talkrunde "Zur Sache Baden-Württemberg" zu sehen bekommen haben, das war ein Schnelldurchlauf durch die Streitthemen des umstritten Milliardenprojekts. Dass die Debatte am halbrunden Stehtisch mit dem Schauspieler Walter Sittler und dem Grünen-Verkehrspolitiker Winfried Hermann auf der Seite der Projektgegner sowie Landesumweltministerin Tanja Gönner (CDU) mit Projektsprecher Wolfgang Drexler (SPD) pro Stuttgart21 ein Schlagabtausch werden würde, war zu erwarten. Alles in allem aber, sieht man von einigen wenigen Ausfällen am Rande ab, verlief die Diskussion durchaus zahm gemessen an den zurzeit in der Landeshauptstadt aufschäumenden Emotionen.
Was bringt das Projekt für Stuttgart, was für den Regionalverkehr, ist ein Volksentscheid notwendig und überhaupt möglich, werden die Kosten für das Milliardenprojekt noch weiter steigen, welchen Effekt hat es für Wirtschaft und Arbeitsplätze, was würde ein Ausstieg kosten? Beide Seiten warfen sich vor, mit unzutreffenden Annahmen zu operieren. Umweltministerin Tanja Gönner betonte den Nutzen des Doppelprojekts für den Regionalverkehr, für Winfried Hermann bleibt es ein Jahrhundertfehler im Dienste der Hochgeschwindigkeitsphilosophie. Walter Sittler sieht nur in einer Bürgerbefragung einen Ausweg aus der verfahrenen Lage. Immerhin an ein paar Dinge konnten sich die Zuschauer halten: etwa dass die Ulmer für das Projekt sind.
Bei allem Hin und Her: insgesamt war die Talkrunde ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion. Auch wenn Moderator Clemens Bratzler mehrmals feststellte, da stehe eben Aussage gegen Aussage. Gewiss war zuletzt auch: Winfried Hermann konnte nicht versprechen, ob man das Projekt überhaupt noch verhindern könne, Umweltministerin Tanja Gönner wollte nicht sicher sagen, ob die Projektkosten nicht doch noch höher ausfallen. Und ob der Dialog zwischen den Protestierern und den Projektträgern an einem Runden Tisch gelingen wird – dies ist auch nach dem Streitgespräch offen.
Also Entschuldigung, aber von Sachlichkeit habe ich bei dieser Sendung wenig gemerkt, und zwar sowohl bei den S21-Befürwortern als auch bei den Gegnern. Eine bäffige Frau Gönner, der außer "Das Projekt ist durch alle Gremien gegangen, also machen wir's" wenig einfällt; Herr Hermann, der ohne viel Aussagen oder gar Tiefe vom Hundertsten ins Tausende kommt; Herr Drexler, der überheblich herumschwadroniert, und schließlich Herr Sittler, der ebenfalls wenig Substanzielles bieten konnte. Nein, liebe Leute, so geht's nicht! Von den diversen Publikumsäußerungen will ich erst gar nicht anfangen....
Was kam an diesem Abend an sachlichen Informationen herüber, die Gegner und Befürworter bedenken müssten?
1. Ein Volksentscheid ist juristisch nicht ohne weiteres machbar und würde eine komplexe Fragestellung zur Abstimmung bringen.
2. Tunnelbau im Anhydrit birgt viele Risiken, die die Verantwortlichen für den Bau jedoch für kontrollierbar halten.
Die von Herrn Holzhey aufgeworfene Frage, ob die Stadt die das bereits an die Bahn gezahlte Geld zurückfordern oder verrechnen kann, wurde von Herr Drexler leider niedergebrüllt und lieber durch persönliche Angriffe auf H. Holzhey ersetzt.
Das ist eine überaus magere Ausbeute für so viel Sendezeit!
Meine Güte, alle einschlägigen Websites haben ihre XX Gründe für oder gegen S21 -- warum hat man diese nicht aufgegriffen und der Reihe nach diskutiert? Offenbar konnten oder wollten aber beide Seiten nur keinerlei Gegenargumenten aufgeschlossene Selbstdarsteller aufbieten.
Ach, übrigens -- ich bin S21-Gegner, muss aber ehrlich eingestehen, dass das, was "meine Seite" an diesem Abend geboten hat, unter aller Kanone war. Meiner Ansicht nach sprechen zu viele Fakten gegen Stuttgart 21. Ich hätte mich gerne von Gegenargumenten überzeugen lassen (wie z.B. die problemlosen S-Bahn-Tunnel im Anhydrit), aber sorry, da kam einfach zu wenig rüber.
Vielleicht gelingt es ja Herrn Brock, von beiden Seiten sachorientierte Diskutanten jenseits von Stocker, Rockenbauch, Drexler, Gönner & Co. zu finden.
Vielleicht schaffen wir es dann mal, einfach nur die verschiedenen Fakten logisch abzuwägen ... die Sache, um die es geht, ist schließlich wichtig genug.
Sodele.
Des hot jetz raus miaßa.
SEP
13
12:44 Uhr, geschrieben von Zweifler
Absprache
Würde mich interessieren, was passiert wäre, wenn einer zu den Befürwortern geladener Gast, plötzlich für die Gegner klatschen würde.
Die Ulmer sind für einen Bahnhof, die betrifft der eigentliche Bau des Bahnhofs ja gar nicht. Ehrlich gesagt, würde es mich auch nicht interessieren, wenn in Ulm ein Park abgerissen wird, und 2400 LKWs pro Tag auf die Baistelle müssen.
SEP
11
23:24 Uhr, geschrieben von Fernsehsendungsgast
Gast bei SWR
Ich hatte die Möglichkeit als Gast bei den S21 Befürwortern dabei zu sein. Vor der Sendung wurde uns nochmal gesagt wie wir uns verhalten sollen: Das hat dann auch gut geklappt. Ein paar Polit-Profis haben immer angefangen z.B. zu Klatschen und wir haben das nachgemacht. Frau Gönner und Herr Drexler waren sehr agressiv und haben wenig konkretes gesagt. Ich bin enttäuscht, dann bin ich lieber neutral als für oder gegen S21.
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