Tarek Asis Präsident gegen Hinrichtung
dpa, 17.11.2010 16:55 Uhr
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Iraks Präsident Dschalal Talabani will das Todesurteil gegen .... Foto: dpa
Iraks Präsident Dschalal Talabani will das Todesurteil gegen .... Foto: dpa
Paris - Der frühere irakische Außenminister Tarik Asis wird vorerst nicht gehängt. Staatspräsident Dschalal Talabani will das Todesurteil gegen den einstigen Vertrauten von Diktator Saddam Hussein in seiner Amtszeit nicht vollstrecken lassen. "Nein, ich werde das Todesurteil gegen Tarik Asis nicht unterzeichnen, ich werde überhaupt gar kein Todesurteil unterzeichnen, weil ich als Sozialdemokrat dagegen bin", sagte das gerade erst wiedergewählte Staatsoberhaupt dem französischen Nachrichtensender France 24.

Asis, einstiger Vertrauter des irakischen Diktators Saddam Hussein, war Ende Oktober von einem Gericht in Bagdad zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Der Ex-Diplomat galt lange als das freundliche Gesicht des Irak. "Das ist ein irakischer Christ, (...) ein alter Mann, der über 70 Jahre ist. Aus all diesen Gründen werde ich niemals seine Verurteilung zur Todesstrafe unterzeichnen", erklärte Talabani in dem am Mittwoch ausgestrahlten Interview.

Talabani hatte schon das Todesurteil gegen Saddam Hussein nicht unterzeichnet. Die Strafe wurde jedoch dennoch vollstreckt, weil bis vor kurzem andere Vertreter der Exekutive den Präsidenten überstimmen konnten. Sie unterzeichneten dann für Talabani das Todesurteil. Das Verfahren fand nicht nur beim Ex-Diktator selbst, sondern auch bei zahlreichen Gefolgsleuten Saddams Anwendung.

Asis, langjähriger Außenminister und Vize-Premier im Regime des 2003 gestürzten Diktators Saddam Hussein, war der einzige Christ in dessen Führungskreis. Er wurde wegen seiner Rolle bei der Verfolgung von Schiiten zum Tode verurteilt. Bereits im März war Asis wegen der gewaltsamen Verfolgung von Kurden zu langjähriger Haft verurteilt worden. Gegenüber dem Ausland präsentierte sich Asis als eine Art "menschliches Gesicht" des Regimes, das brutal gegen Kritiker und Oppositionelle vorging. Er hatte sich unmittelbar nach der US- Invasion im März 2003 dem US-Militär gestellt.
Kommentare (2)
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NOV
17
Uwe Mannke, 20:43 Uhr

Idealismus siegt über amerikanischen Pragmatismus

Es ist ganz einfach: ein Straftäter kann nie durch Tod zur Einsicht über seine Verbrechen gelangen. Darauf hat jeder noch so unmenschliche Mensch ein Recht. Nur die lebendige Erinnerung an ein die Schwere eines Verbrechens kann zu seiner allmählichen Überwindung beitragen. Eine schnelle Rache erzeugt neue Mordgelüste. Hier hat das Vorbild Armerika noch viel zu lernen. Die Todesstrafe ist eine Machtdemonstration, wenn nicht sogar Terror gegen potentiell aufrührerische Elemente, die sich gegen ein Fremdregime richten könnten. Damit macht der sozialdemokratische Präsident schluß, wenn ihn die ausländischen Mächte lassen. Der Irak könnte bald ein attraktiveres Reiseland sein als die USA.

NOV
17
Hans, 18:48 Uhr

Respekt!

Asis war ein entsetzlicher Masenmörder, zweifellos. Er hat jede Strafe verdient, die humanistisch empfindenden Menschen angemessen erscheint. Die Todesstrafe ist aber zutiefst inhuman. Ich wünsche dem irakischen Präsidenten und seinem Volk, dass dieses Zeichen der Menschlichkeit dazu beiträgt, den von banalen Stammesinteressen und radikalislamistischen Fanatikern angefeuerten Bruderkrieg einzudämmen.