Tatort aus Bremen Paranoia unter der Löschdecke
Jörg Breithut, 12.02.2012 12:37 Uhr
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Die Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) scheitert am renitenten Max Lange (Vincent Göhre). Foto: RB TV/Pressestelle
Die Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) scheitert am renitenten Max Lange (Vincent Göhre). Foto: RB TV/Pressestelle
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Bremen - Kein schöner Anblick für einen 16-Jährigen: ausgerechnet ihr Sohn Max (Vincent Göhre) erspäht Sylvia Lange (Mira Partecke), wie sie in der Tankstelle steht. Offensichtlich verwirrt, in der Hand eine Waffe, der Blick starr auf die Leiche des Tankstelleninhabers gerichtet. Ein gezielter Kopfschuss hat ihn niedergestreckt.

Die gute Nachricht gleich vorweg: um den Mord geht es im Bremer Tatort „Ordnung im Lot“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD und in der Mediathek) eigentlich gar nicht. Es stellt sich eine ganz andere Frage: Was ist los mit dieser Sylvia Lange? Die blutverschmierte Leiche ist nicht allein der Grund dafür, dass sie derangiert in der Tankstelle steht. Sie leidet an einer psychischen Störung, hat Wahnvorstellungen und lebt in ihrer eigenen Welt.

Für die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) ist sie die wichtigste Zeugin – und gleichzeitig eine Tatverdächtige. Kein Zweifel, sie weiß etwas über den Mord. Das Problem: Ihre Aussagen ergeben keinen Sinn, Sylvia Lange spricht in Rätseln oder kritzelt unverständliche Botschaften auf Tischplatten. Die Kommissare dringen nicht zu ihr durch.

Kontakt zum Tagesschau-Sprecher

Es ist angenehm, dass sich die Suche nach Verdächtigen und die persönlichen Probleme der Kommissare nur im Hintergrund abspielen. Der Tatort nimmt sich genügend Zeit um Sylvia Langes Persönlichkeit zu zeichnen. Das funktioniert, nur an manchen Stellen wirkt die Rolle ein wenig überdreht. Spätestens dann, als sie sich in eine goldbeschichtete Löschdecke hüllt um böse Schwingungen abzuwehren – und Kontakt zum Tagesschau-Sprecher über das TV-Gerät aufnimmt.

Die Atmosphäre entschädigt für diese Ausreißer. Feinfühlig fängt die Kamera die beklemmende Stimmung aus dem abgeschotteten Haus der Familie ein, das gleißende Sonnenlicht bahnt sich nur durch schmale Öffnungen den Weg in das düstere Refugium. Ästhetische Einblicke in eine abgeschottete Welt, in die Lürsen und Stedefreund nur langsam vordringen.

Schade nur, dass trotz der dramatischen Familiengeschichte ein Fall gelöst werden muss und der Autor viele unnötige Randfiguren einführt. Das lässt den Spannungsbogen im Mittelteil ziemlich durchhängen. Schwung in die Handlung bringen erst wieder die hartnäckigen Ermittlungen in der Familie Lange, die vergeblich scheinen. Die Kommissare tasten sich nur langsam an die Familie heran, verzweifeln immer wieder am renitenten Sohn Max und dem Ehemann Ole (Wolfram Koch), der mit stoischer Ruhe die emotionalen Eskapaden seiner Frau erduldet. Vater und Sohn stellen sich schützend vor die kranke Mutter. So lange, bis die Familienbande schließlich an der Schizophrenie zu zerreißen droht.

Schönste Krimifloskel: „Ist ihnen sonst noch etwas Ungewöhnliches aufgefallen?“, fragt Lürsen die Zeugin Sylvia Lange. Skurril: im selben Moment brennt neben ihr lichterloh Zeitungspapier im Waschbecken.

Heimliche Stilikone: Ganz klar: Sylvia Lange. Der Trend geht zum Löschdecken-Umhang.

Gefühlter Moment, in dem der Fall gelöst ist: Wer aufpasst, erahnt den Mörder zur Halbzeit.

Kommentare (2)
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FEB
13
A. Warzenegger, 11:59 Uhr

Gähnstunde - Hart an der Umschaltpflicht

... dieser Tatort - nur Durchschnitt mit wenig Spannung und Action, zuviel und lange Dialoge (wie normalerweise nur bei französischen Filmen). Die Sendezeitlänge eines "Großstadtreviers" hätte gereicht. Spinnen oder Kakerlaken statt Ameisen, da wär's wenigstens etwas grusliger gewesen.

2
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FEB
12
VolkerB, 21:25 Uhr

Rettungsmittel korrekt benennen

Das ist eine Rettungsdecke. Zum Warmhalten. Nicht zum Löschen.

3
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