„Tatort“ aus Dresden Scheinheilige Schunkelidylle

Von uh 

Der neue „Tatort“ aus Dresden hat zwar gute Darsteller, aber dennoch ein Problem: Der Autor Ralf Husmann trägt bei den Pointen zu dick auf, den kriminalistischen Plot vernachlässigt er.

Jella Haase, Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Martin Brambach (von links) Foto: MDR 13 Bilder
Jella Haase, Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Martin Brambach (von links)Foto: MDR

Dresden - „Der ist ja komplett zugekotzt – Willkommen im Showbusiness!“, stellt die Oberkommissarin beim Anblick der Leiche fest. Die Probe für eine Volksmusikshow im Dresdner Zwinger endete augenscheinlich nicht nur wie üblich im Suff, sondern mit der Ermordung des männlichen Teils des Gesangsduos Toni & Tina. An sich ist es noch keine Heldentat, wenn der MDR, der es in seinem dritten Programm gern tümeln lässt, selbstironisch die Scheinheiligkeit der Schunkelidylle und die der Digitalisierung geschuldeten Umbrüche im Musikbusiness zum Gegenstand seines neuen Dresden-„Tatorts“ macht. Vor allem reicht es nicht aus, um einen guten Krimi abzuliefern. Was nachgerade abtörnt, ist die Penetranz, mit der der Autor Ralf Husmann und der Regisseur Richard Huber sämtliche Botschaften der Auftaktfolge „Auf einen Schlag“ an den Mann bringen wollen.

An den Mann, genau, denn die beiden Ermittlerinnen (gewollt schlagfertig und „normal“: Alwara Höfels, Karin Hanczewski, leider nur in der ersten Folge flankiert von einer wunderbaren Jella Haase) machen fast nichts anderes, als ihr modernes weibliches Rollenverständnis im 21. Jahrhundert zu thematisieren, während ihr Chef (Martin Brambach) sich extrem anstrengt, seine Gestrigkeit nicht nur in Genderfragen unter Beweis zu stellen und zur Slapstickfigur zu verkommen. Das ermüdet und nervt, genauso wie Husmanns Pointenbombardement. Der mit Vorschuss­lorbeeren bedachte „Stromberg“- und „Dr. Psycho“-Autor hätte besser daran getan, einen kniffligen Krimiplot zu entwickeln statt sich ironisierende Schlagertexte über die Heimatliebe der Sachsen auszudenken. Eine Überraschung ist es jedenfalls nicht, dass Tina (Alexandra Finder) das Coming out ihres Partners verhindern wollte.

  Artikel teilen
1 KommentarKommentar schreiben

Tatort:: Gutes Thema, mittelmäßig umgesetzt. Einen Chef mehr oder weniger als Trottel hinzustellen, hat dem Tatort viel genommen. Die Frauen waren etwas überpowert. Leider konnte man viele Unterhaltungen nur schwer verstehen, da die Damen entweder zu schnell oder der Chef nur genuschelt hat. Der war schwerer verständlich als Til Schweiger.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.