"Tatort" aus Stuttgart
Spannend, aber konstruiert
Tobias Köhler,
26.04.2010 10:00 Uhr
Morelli (Michael Abendroth, re.) und sein Adlatus setzen Marc Simon (Stephan Kampwirth, Mitte) unter Druck. Foto: ARD
Stuttgart - Morde sind in aller Regel Beziehungstaten, sagt die Polizeistatistik. Deshalb richten die Ermittler ihr Augenmerk als erstes auf die Familie und den näheren Bekanntenkreis der Opfer. So ist das im richtigen Leben. Und so ist das zunächst auch im SWR-Tatort "Blutgeld". Mutter und Tochter sind erschossen worden, der Vater ist verschwunden. Ein Familiendrama, alles scheint klar.
Der sechste Tatort-Auftritt des Stuttgarter Duos Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) beginnt ruhig und bedächtig, der strömende Regen dämpft die Geräusche und die Hektik bei der Spurensuche. Der Regisseur und Drehbuchautor Martin Eigler lässt Kommissaren wie Zuschauern viel Zeit, sich ein Bild vom Leben des unauffällig-biederen Marc Simon zu machen. Nun, ganz so brav ist der Bankangestellte dann doch nicht - er führt ein Doppelleben, wie sich herausstellt, lebt mit zwei Frauen, mit zwei Familien. Und er hat sich finanziell übernommen. Der ideale Verdächtige also.
Doch Simon hat ein Alibi. Das stellt nicht nur alle Ermittlungsansätze der Tatort-Kommissare auf den Kopf, das krempelt den ganzen Krimi um. Vorbei ist es mit Ruhe und Bedächtigkeit - ein Mafiaanwalt tritt auf den Plan, eine Horde von Auftragskillern liefert sich eine Schießerei mit den Kommissaren, ein Geldverleiher wird erschossen. Und plötzlich dreht sich alles um organisierte Kriminalität und einen mafiösen Hotelier namens Morelli (Michael Abendroth). Der hat Simons Familie ermorden lassen, weil der Bankangestellte Mafiageld in die eigene Tasche gesteckt hatte, statt es zu waschen. Nun droht der Mafioso damit, auch dessen andere Familie zu töten. Doch Simon wehrt sich...
Das ganze ist spannend und zupackend erzählt, es wirkt allerdings unglaublich konstruiert - vom Showdown mit finalem Todesschuss gar nicht zu reden. Aber all das vergibt man gern angesichts der kurzweiligen Story und der formidablen Hauptdarsteller Stephan Kampwirth (Marc Simon) und Lisa Martinek (als seine Geliebte Cornelia König).
Weniger Nachsicht verdient der fahrlässige Umgang mit dem Stammpersonal: Die Ermittler bleiben eher blass. Thorsten Lannert muss sich damit bescheiden, seine Rolle als introvertierter Einzelgänger dadurch zu unterstreichen, dass er meist nachdenklich bis skeptisch guckt und sich rührend um den Hund der Ermordeten kümmert. Sebastian Bootz - einer der wenigen deutschen Tatort-Kommissare mit Familie - vernachlässigt dieselbe nach landläufiger Krimilogik selbstverständlich, was dadurch illustriert wird, dass er seine Ehefrau ausgerechnet am Hochzeitstag versetzt und ihr - gänzlich geistesabwesend - nicht mal zuhört, als sie sich aussprechen will. Eine ziemlich schlimme Plattitüde. Auch ansonsten verliert sich die Geschichte öfters mal in Klischees, etwa wenn der Bankdirektor als schwitzig-unterwürfige Witzfigur vorgeführt wird.
Noch schludriger als mit seinen Ermittlern geht der Tatort mit der Stadt um: von Stuttgart ist in diesem Tatort kaum etwas zu sehen, geschweige denn zu fühlen. Das wäre in einem modernen Fernsehkrimi nicht weiter schlimm, müsste dafür nicht - wie so oft - ein breit-schwäbelnder Quoteneinheimischer inmitten des hochdeutsch parlierenden Personals fürs Lokalkolorit sorgen: André Lindner (Hans-Jochen Wagner) spuckt und flucht und mogelt sich als Marc Simons Freund und Handlanger der Mafiosi durch die Handlung. Am Ende wird er ziemlich beiläufig tot in einem Kofferraum aufgefunden.
Aber lassen wir die Nörgelei. Was auch immer man an "Blutgeld" herumkritteln mag: langweilig ist er keine Sekunde lang.
Der sechste Tatort-Auftritt des Stuttgarter Duos Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) beginnt ruhig und bedächtig, der strömende Regen dämpft die Geräusche und die Hektik bei der Spurensuche. Der Regisseur und Drehbuchautor Martin Eigler lässt Kommissaren wie Zuschauern viel Zeit, sich ein Bild vom Leben des unauffällig-biederen Marc Simon zu machen. Nun, ganz so brav ist der Bankangestellte dann doch nicht - er führt ein Doppelleben, wie sich herausstellt, lebt mit zwei Frauen, mit zwei Familien. Und er hat sich finanziell übernommen. Der ideale Verdächtige also.
Doch Simon hat ein Alibi. Das stellt nicht nur alle Ermittlungsansätze der Tatort-Kommissare auf den Kopf, das krempelt den ganzen Krimi um. Vorbei ist es mit Ruhe und Bedächtigkeit - ein Mafiaanwalt tritt auf den Plan, eine Horde von Auftragskillern liefert sich eine Schießerei mit den Kommissaren, ein Geldverleiher wird erschossen. Und plötzlich dreht sich alles um organisierte Kriminalität und einen mafiösen Hotelier namens Morelli (Michael Abendroth). Der hat Simons Familie ermorden lassen, weil der Bankangestellte Mafiageld in die eigene Tasche gesteckt hatte, statt es zu waschen. Nun droht der Mafioso damit, auch dessen andere Familie zu töten. Doch Simon wehrt sich...
Das ganze ist spannend und zupackend erzählt, es wirkt allerdings unglaublich konstruiert - vom Showdown mit finalem Todesschuss gar nicht zu reden. Aber all das vergibt man gern angesichts der kurzweiligen Story und der formidablen Hauptdarsteller Stephan Kampwirth (Marc Simon) und Lisa Martinek (als seine Geliebte Cornelia König).
Weniger Nachsicht verdient der fahrlässige Umgang mit dem Stammpersonal: Die Ermittler bleiben eher blass. Thorsten Lannert muss sich damit bescheiden, seine Rolle als introvertierter Einzelgänger dadurch zu unterstreichen, dass er meist nachdenklich bis skeptisch guckt und sich rührend um den Hund der Ermordeten kümmert. Sebastian Bootz - einer der wenigen deutschen Tatort-Kommissare mit Familie - vernachlässigt dieselbe nach landläufiger Krimilogik selbstverständlich, was dadurch illustriert wird, dass er seine Ehefrau ausgerechnet am Hochzeitstag versetzt und ihr - gänzlich geistesabwesend - nicht mal zuhört, als sie sich aussprechen will. Eine ziemlich schlimme Plattitüde. Auch ansonsten verliert sich die Geschichte öfters mal in Klischees, etwa wenn der Bankdirektor als schwitzig-unterwürfige Witzfigur vorgeführt wird.
Noch schludriger als mit seinen Ermittlern geht der Tatort mit der Stadt um: von Stuttgart ist in diesem Tatort kaum etwas zu sehen, geschweige denn zu fühlen. Das wäre in einem modernen Fernsehkrimi nicht weiter schlimm, müsste dafür nicht - wie so oft - ein breit-schwäbelnder Quoteneinheimischer inmitten des hochdeutsch parlierenden Personals fürs Lokalkolorit sorgen: André Lindner (Hans-Jochen Wagner) spuckt und flucht und mogelt sich als Marc Simons Freund und Handlanger der Mafiosi durch die Handlung. Am Ende wird er ziemlich beiläufig tot in einem Kofferraum aufgefunden.
Aber lassen wir die Nörgelei. Was auch immer man an "Blutgeld" herumkritteln mag: langweilig ist er keine Sekunde lang.
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Tatort
Mit Abstand der schlechteste Tatort seit Jahren !!! - langweilig , unspannend -einschläfernd - schade um die Zeit...
tatort
einfacher plot, doch sehr kurzweilig und extrem spannend umgesetzt. starkes acting der protagonisten, mit nüchtern agierenden, nachdenkenden kommissaren. ein stuttgart-krimi, der lokalkolorit gar nicht nötig hatte. nachdem bereits der letzte" lannert/bootz "zum Thema "Einsamkeit im Alter" zu gefallen wusste, hat das Polizistenduo eine konstant gute Form erreicht. weiter so!
Tatort
Ich kann mich dem Kommentar nur anschließen. Das war eine Farce. Extrem unspannend und eigentlich ne Frechheit...sorry