Die Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ermittelt in Hanover. Foto: dpa
Hannover - Wie plausibel eine Geschichte ist, kann man beim Versuch merken, sie nachzuerzählen. Also: Charlotte Lindholm hat einen nächtlichen Unfall auf dem Land, fällt ins Koma, und als sie wieder aufwacht, ist der Mann, den sie glaubt angefahren zu haben, weg. Bei ihren Ermittlungen ... Okay, beschränken wir uns auf die Auflösung des "Tatort"-Krimis "Vergessene Erinnerung": Nach einem Autounfall Jahre zuvor wurde das überlebende Kind um sein Erbe gebracht. Ein Dorfbewohner (Thomas Thieme) wollte den Taubstummen beschützen und zu seinem Recht verhelfen, indem er unter anderem beide Onkel des Betrogenen umbrachte. Außerdem einen holländischen Drogendealer und eine Frau, die sich erst als Händlerin, dann als Kollegin der Kommissarin ausgab, aber auch hinter gebunkerten Drogen her war und schließlich Lindholms Sohn entführte.
Herrje, was haben die Autoren Dirk Salomon und Thomas Wesskamp nicht alles in diese Geschichte reingepackt?! Und die Regisseurin Christiane Balthasar hat das Ganze noch genüsslich mit Mystery-Elementen und einigen cineastischen Anspielungen versehen. Rote Kapuzenmännchen können eben nicht nur gruselig sein, "wenn die Gondeln Trauer tragen".
Dabei wollen wir gar nicht mal über den effektvollen Anfang meckern, der die Kommissarin zurück zu ihren Wurzeln führte, weit hinaus in die Walachei, wo vor acht Jahren die Erfolgsgeschichte der Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm mit "Lastrumer Mischung" begonnen hatte. Auch in diesem Aufguss waren die Landschaften schön anzuschauen - es störten nur die vielen Menschen, die in zu vieles verstrickt waren, so dass man unterwegs sowohl ein bisschen die Orientierung als auch die Lust verloren hat.
Lustig ist auch mittlerweile die Erzählart beim Tatort - zugegeben, nicht bei allen. Aber in einer der letzten Szenen steht die Furtwängler einer gezogenen Waffe gegenüber, sie legt ihre eigene nieder. Die andere Frau wird erschossen vom Waldschrat. Schnitt. Vier Polizeiwagen und ewig viele Beamte mitten in der Szene. Natürlich fahren die geräuschlos, haben sich nicht angekündigt per Sirene und und und...Wirkte sehr komisch, auch wenn man heuer natürlich längst nicht mehr jeden Überleitung zeigt. Brrr....
Leider ist auch das Screendesign nicht besser geworden. Ob das jetzt daran liegt, dass die älteren Herren in der Produktion/Gesamtleitung ihren gutverdienenden Stuhl nicht räumen wollen, oder ob es nur im unterbezahlten hochprivaten Produktionssektor kreative Cutter und Visual Artists gibt - diese Entscheidung überlasse ich den Köpfen der Leser.
Fakt ist: Hier gibt es bessere andere Crime-Serien, die auch optisch überzeugen - neben der Story. Schade.
FEB
01
11:16 Uhr, geschrieben von volker s.
furtwängler
Dieser Tatort ist der einzige den ich mir grundsätzlich nicht ansehe.
Den ersten, dann nie wieder.
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