Tatort-Kritik Frisch von der Fettleber weg

Von wöl 

Das „Tatort“-Team in Münster punktet in der Folge „Mord ist die beste Medizin“ mit Dialogen, die scharf wie Seziermesser sind. Auf den großen Klamauk haben die Macher verzichtet und Humor nur in wohldosierter Menge eingestreut.

Im Tatort aus Münster ermittelt Professor Boerne (Jan Josef Liefers, links) im Krankenhaus - und muss so manchen schrägen Zimmergenossen ertragen. Weitere Eindrücke aus dem Tatort zeigen wir in der Fotostrecke.

 Foto: WDR/Filmpool Fiction/Wolfgang Ennenbach 8 Bilder
Im Tatort aus Münster ermittelt Professor Boerne (Jan Josef Liefers, links) im Krankenhaus - und muss so manchen schrägen Zimmergenossen ertragen. Weitere Eindrücke aus dem Tatort zeigen wir in der Fotostrecke. Foto: WDR/Filmpool Fiction/Wolfgang Ennenbach

Stuttgart - Klar, diesem Giftmischer-Junkie Knapp (Christian Beermann) und dieser Hyäne von Krankenhauschefin Stephanie Harris (Anna Böger) ist schnell alles zuzutrauen gewesen, üble Medikamentenpanscherei genauso wie finstere Geschäfte auf Kosten der Gesundheit. Viel spannender als der eigentliche Fall war zu verfolgen, wie in diesem Münsteraner Tatort „Mord ist die beste Medizin“ eine Komödie funktioniert, deren dramatischer Kern darin gründet, auf einer Krebsstation angesiedelt zu sein. Dorothee Schön (Buch) und Thomas Jauch (Regie) haben zwischen Hoden- und Lungenkrebs auf den großen Klamauk verzichtet und Humor nur in wohldosierter Menge eingestreut.

„Nicht nur arrogante Pathologen wissen, woran Patienten sterben“, sagt ein Arzt zu Boerne (Jan Josef Liefers). Der erwidert: „Und nicht nur Proktologen kennen sich mit Arschlöchern aus.“ Das ist einer von vielen bösen Dialogen, die sich diesmal nicht nur zwischen Boerne und Thiel (Axel Prahl) entspinnen und die wie Kokain den Film mal um mal nach vorne treiben. Boernes Angst, dass er einen Tumor an der Leber trägt (dabei ist’s am Ende freilich nur das Fett, das dem Organ zu schaffen macht), wird sowohl von der Flut lateinischer Begriffe, als auch von Volksmusik-Ulrich (Josef Ostendorf) und DJ Bischudo (Serhat Cokgezen), seinen Bettnachbarn im Krankenhaus, förmlich hinweggerissen.

Sachte werden humorige Einlagen wie Alberichs Geburtstag am Seziertisch mit im Leichenschrank gekühltem Sekt, ein Monolog über Heidegger, ein Huhn Hawaii in der Krankenhaus-Kantine und ein Thiel, der mal neben der kleinwüchsigen Alberich, mal neben der riesigen Hyäne von Krankenhauschefin auftaucht, unter den Film gemischt, wie feines Gift, das bei richtiger Dosierung nur das beste befördert.

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2 Kommentare Kommentar schreiben

Großes Kino - Hart an der Realität: Der Tatort aus Münster war wieder großes Kino. Wie immer mit herausragenden Darstellern und dem nötigen Witz und Biss. Die Story war spannend und sehr realitätsnah. So macht Tatort Spaß. Keine gefühlten "100" Tote und Show-Biz (siehe Til Schweiger). Das Zusammenspiel Kommissar und Pathologe mit dem ganzen Team perfekt. Macht weiter so. Ich bin ein großer Fan.

Realitätsnah?: Also den Liefer finde ich zum Brüllen. Schon allein die Szene, als er mit einem Kollegen im Krankenhaus in eine kleine prekäre Diskussion verwickelt war, und jener dann zu unserem Gerichtsmediziner erhaben sagte "ich als Kardiologe werde mich doch an Herzen auskennen!" und er dann antwortete:"Sicherlich, das behaupten Proktologen auch, wenn es um A***löcher geht!" lies mich fast vor Lachen aus dem Sessel springen. Was die Darreichung der Medizin am Patienten angeht und die Tatsache, dass hier doch oftmals nur Traubenzucker verabreicht wird, glaube ich sofort ungeprüft. Ist es doch mal wieder ein realitätsnaher Tatort gewesen, den wir hier sehen konnten? Für mich auf alle Fälle mal wieder mein Kompliment an die Darsteller, die ich sowieso gerne sehe und so fast tatortsüchtig werden könnte. Es grüßt Euch alle Euer Motzkigele

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