„Tatort“-Kritik Megalocker und schön schräg

Von uh 

Die erste Ausgabe mit dem neuen „Tatort“-Ermittler an der Saar, Devid Striesow, ist etwas zu vorsätzlich originell ausgefallen. So liest man ständig den Subtext heraus, dass auch Saarländer cool sein können. Dabei wäre mehr Handlung schön gewesen.

Mila Boehning als  Melinda und Devid Striesow  als Foto: SR/Meyer 16 Bilder
Mila Boehning als Melinda und Devid Striesow alsFoto: SR/Meyer

Stuttgart - Wohin schlittert der „Tatort“? Tut die Entfesselung der TV-Routine, die der Reihe verordnet wurde, wirklich gut? Endet die Achterbahnfahrt im Himmel oder in der Hölle? Solche Fragen drängen sich auf, wenn man dem Neuen im Saarland zusieht, wie er in Gummistiefeln durch die Auftaktfolge „Melinda“ tapst. Denn mit der Konstellation schräger Vogel und toughe Bullen-Frau, die Devid Striesow und Elisabeth Brück als Nachfolger des vom Saarländischen Rundfunk ins Aus beförderten Duos Gregor Weber und Maximilian Brückner abgeben, schlägt die Krimireihe eine dolle Kapriole. Der Kriminalhauptkommissar Stellbrink ist so megalocker wie seine asiatische Schlabberhose, liebt den Dreiklang von Yoga, Reggae, Marihuana und spürt ganz viel, statt zu ermitteln. Seine Kollegin Lisa Marx dagegen hat scharfe Linien im Gesicht, trägt bevorzugt schwarze Muscle-Shirts und langt beim Kickboxen kräftig zu.

Der finnische Regisseur Hanno Salonen hat Striesows Premiere so grotesk-abgedreht in Szene gesetzt, dass man als Zuschauer ständig einen Untertitel mitliest: „Achtung, die Saarbrücker sind jetzt modern, zeitgeistig und ganz arg originell!“ Das Drehbuch und die Regie zeigen sich allzu vernarrt in die Absonderlichkeiten des neuen Kommissars, in pittoreske Settings und gewollt kuriose Nebenfiguren anstatt einen plausiblen Fall zu konstruieren. Einen Fall? Ach ja, den gibt es in „Melinda“ auch: Diesen Namen trägt ein verängstigtes arabisches Mädchen, das Stellbrink in einem Baumarkt zuläuft. Es stellt sich heraus, dass es, wie viele andere Kinder, als Drogenkurier missbraucht wurde, und dass nordafrikanische Regierungs- und Diplomatenkreise in diese Machenschaften verwickelt sind, irgendwie. Wie genau, muss man nicht wissen, oder? Doch, will man!

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38 KommentareKommentar schreiben

Tatort 'Melinda': Als Tatort-Fan kann ich mich derzeit nur an den Wiederholungen freuen. Sämtliche Neuproduktionen, vor allem die aus dem Jahr 2012, kann man vergessen und sind manchmal, wie letzten Sonntag bei 'Melinda', eine echte Zumutung. Wenn ich anspruchsvolle Krimiunterhaltung möchte, wofür der Tatort bisher Garant war, möchte ich keine Komedy oder Slapstick Sendung sehen, von denen es im deutschen Fernsehen wahrlich genug gibt. Ich weiß nicht, wohin es die Macher der neuen Tatorte treibt. Meiner Meinung nach sind sie auf dem besten Wege, den Tatort kaputtzumachen. Ich denke mit Grauen an die auf uns zukommenden Till Schweiger Produktionen.

Amüsiert: Es ist schade, dass es das bisherige Ermittler-Duo aus dem Saarland nicht mehr gibt - schon die Beiden waren erfrischend anders. Aber wider aller Erwartungen fühlte man sich am Sonntag mit Striesow & Co nicht schlechter unterhalten. Anders eben. Es ist definitiv ein Zugewinn, nicht immer alle Erwartungen erfüllt zu sehen. Und vor allem auch angenehm überraschend, den Hauptdarsteller einmal mit einer leichtere angelegten Rolle als ebenso brillanten Schauspieler zu erleben.

Schlecht, schlechter, am .........: Mehr ist nicht zu sagen.

Wer diesen Tatort unterhaltsam...: ...fand, weil er 'nicht so ernst' und 'nicht so kompliziert' war, soll doch bitte beim Dschungelcamp bleiben. Wenn ich einen Krimi anschaue, will ich einen Krimi sehen und nicht Klimbim oder Simpsons.

Den Tatort...: ...kann man doch schon seit 20 Jahren vergessen. Man täte besser daran, die Serie endlich einzustellen, wenn den Machern nix gescheites mehr einfällt. Mehr als ein großer Name ist von diesem einstigen Fernseh-Hit heute nicht mehr übrig - und Till Schweiger wird der Serie den Rest geben, amen.

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