Tatort Saarbrücken Hindukusch an der Saar
Alexander Günzler, 23.01.2011 21:40 Uhr
 Foto: ddp
Foto: ddp
Saarbrücken - Eine Wellblechbaracke inmitten einer grauen Schotterwüste. Männer belauern sich mit Scharfschützengewehren und Pistolen. "Raus, raus hier" schreit jemand. Ein ruhiger Finger am Abzug - Kopfschuss. Nein, es war nicht die Hölle von Kundus, in der die Kommissare Kappl (Maximilian Brückner) und Deininger (Gregor Weber) den Mörder einer jungen Frau stellten. "Heimatfront" spielte, nach rund einem Jahr Pause für die saarländischen Ermittler, in Saarbrücken - oder auch nicht. Denn jeder der vier Soldaten, die im Zentrum der packenden wie berührenden Geschichte standen, hatte traumatische Kriegserlebnisse aus Afghanistan mit zurück in die Heimat gebracht: Der Hindukusch liegt auch an der Saar.

Der Regisseur Jochen Alexander Freydank konnte nicht wissen, dass das Thema Bundeswehr zum Ausstrahlungstermin so hochaktuell sein würde - beschäftigen sich Politik und Medien doch gerade intensiv mit tödlichen Waffenspielen deutscher Soldaten in Afghanistan und Meutereien auf der Gorch Fock. Wird neben all dem auch die Frage gestellt, was für Soldaten nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg kommt? Der Oberfeldwebel Weitershagen (Friedrich Mücke) würde dies mit Nein beantworten. "Wenn sich die Scheißpolitiker nicht um uns kümmern, dann mach ich das", brüllt er kurz vor seinem traurigen Tod in die Saarbrücker Ödnis. Was kommt also nach dem Krieg? Ein Leben mit Beinprothese, Alkohol und Entfremdung oder die Rückkehr in den Krieg sind die brutalen Beispiele, die dieser "Tatort" als Möglichkeiten anführt. Ein durchdachtes Drehbuch, überzeugende Schauspieler und eine Kameraführung, die immer wieder an die beklemmende Perspektive eines Zielfernrohrs erinnert, berechtigen "Heimatfront", den Finger in ebenjene Wunden zu legen.

Tatort: Heimatfront (ARD)

Kommentare (2)
Anzeigen
JAN
24
marina, 07:17 Uhr

tatort

Dieser Tatort hat mir in erschreckend realistischer Weise klar gemacht mit was die Soldaten fertig werden müssen. Ich wünsche allen, dass die Betreuung in jeder Hinsicht besser ist wie in dem Film. Trauma ein Leben lang, das ist ein Horror. Die Herren Politiker fliegen mal hin und machen gut Wetter, eine Schande ist das. Für mich als Pazifistin unverständlich. Was tun wir überhaupt am Hindukusch? Jetzt wo die Wehrpflicht abgeschafft wird, müssen, so hoffe ich, nur die Soldaten dort hin, die sich freiwillig bereit erklären. Geld ist nicht alles: aber auch finanziell sollten die Heimkehrer gut gestellt sein, damit sie sich nicht hier auch noch Sorgen machen müssen.

JAN
23
Alfons, 22:19 Uhr

Soldaten in Afghanistan

Sind unsere Soldaten eigentlich Weicheier? Doe Männer, die da hingeschickt werden, müssen doch wissen, was auf sie zukommt und entsprechend nicht nur technisch-militärisch, sondern auch mental auf die Situation dort vorbereitet werden.