Tatort "Stille Wasser" Lürsen und die Schnapsidee
Marc Hippler, 13.02.2011 16:42 Uhr
Stuttgart - Als geübter Tatort-Zuschauer hat man in all den Jahren eine ganze Menge Codes gelernt. Zum Beispiel: Sagt die Spurensicherung, Spusi genannt, zum ermittelnden Kommissar Sätze wie "Hättet euch den Weg sparen können - eindeutig Drogentod", dann ist der Tod so alles Mögliche, nur eben nicht eindeutig. Und: Gibt es in den ersten drei Minuten mehr als eine Leiche, dürfen wir getrost von einem Zusammenhang ausgehen, der mehr zeigen soll, als dass die zuständigen Kriminalbeamten total viel beschäftigt und im Grunde schon überarbeitet sind.

Wir verraten nicht zu viel, wenn wir sagen, dass die zweite Regel auch in diesem Tatort aus Bremen gilt. Während die Drogentote vom Beginn des Films ausnahmsweise eine eben solche ist. Eindeutig.

Drei Leichen in drei Minuten


Trotzdem spielt "Stille Wasser", der 22. Fall von Kriminalhauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), weniger im Drogen- und mehr im Bremer Plattenbaumilieu. Obwohl die ockerfarbenen Kamerafilter immer wieder an den Anti-Drogenfilm "Traffic" » mit Michael Douglas erinnern.

Lürsen und ihr Partner Nils Stedefreud (Oliver Mommsen) werden also in ein Wohnhochhaus gerufen. Dort liegen die Leichen des Ehepaares Burkhard in ihrem Blut. Offenbar wurden sie erstochen. Aber von wem?

Bevor sich Lürsen um diese Frage kümmern kann, entdeckt sie mit mütterlichem Instinkt, dass die Tochter der Burkhards verschwunden ist. Sie findet sie schließlich traumatisiert unterm Bett. Die neunjährige Nadine ist die einzige Zeugin, so viel steht fest, aber das Mädchen spricht nicht mehr.

Verdeckte Ermittlung im Plattenbau


Lürsen fasst einen Entschluss: Um den Mörder zu ermitteln und das Kind zu beschützen, zieht sie kurzerhand in die Wohnung der Burkhards ein, gibt sich als die lang verschollene Stiefschwester des toten Frank Burkhard aus, was im Film weniger hahnebüchen wirkt, als es klingt. Auch Stedefreud hält das zunächst für eine schlechte Idee, lenkt aber schließlich - wie immer - ein.

Offenbar damit sie bei ihrer verdeckten Ermittlung im Milieu der Arbeitenden und trotzdem sozial Schwachen nicht weiter auffällt, lässt Regisseur und Buchautor Thorsten Näter die sonst so gepflegte Kommissarin scheußliche T-Shirts tragen, Zigaretten rauchen und Schnaps trinken. Höhepunkt: Einmal träufelt sie sich sogar Wodka hinters Ohr. Mehr Klischee war selten.

Nach und nach rückt die Nachbarschaft (in einer Nebenrolle Anna Maria Mühe als Alkoholikerin)in den Fokus. Und mehr und mehr bekommt auch dieser Tatort eine soziale Botschaft, die Nachbar Günther Kremer (Ulrich Matthes) aufsagen darf: "Wir ackern und ackern und am Ende bleibt nichts."

Schönste Krimifloskel:
"Ich hab' was gefunden, das dich interessieren dürfte." (Die Kriminaltechnikerin)

Schlimmster modischer Fehlgriff:
T-Shirts, die Stedefreud Kommissarin Lürsen kauft, um sie im Plattenbaumilieu möglichst unauffällig zu machen. Das eine mit Tigerkopf-Aufdruck, ein anderes mit Pailletten. Beide kombiniert mit einer rosafarbenen Hose.

Heimliche Stilikone:
Assistent Karlsen. Trägt konsequent Pferdeschwanz.

Gefühlter Moment, in dem der Fall gelöst ist:
77. Minute.

Und es hat doch etwas mit Stuttgart zu tun:
Auch in Bremen kommen Jugendliche offenbar leichter an Alkohol, als sie sollten ».

Der Tatort "Stille Wasser" ist am Sonntag, 13. Februar, um 20.15 Uhr in der ARD und in der ARD-Mediathek zu sehen ».
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