Tauberquelle Schwäbischer geht es nicht
Christine Keck, 07.11.2011 07:24 Uhr
Das Ambiente in der Tauberquelle ist liebenswert rustikal. Foto: Heiss
Das Ambiente in der Tauberquelle ist liebenswert rustikal. Foto: Heiss
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Stuttgart - Wem die Zeit bis zum 167. Cannstatter Volksfest im nächsten September zu langsam verstreicht, der kann ein bisschen Wasenstimmung mitten in der Stuttgarter Innenstadt erleben. Zünftige Musik, allerdings aus der Konserve, eine fesche Bedienung in Rot-weiß-kariert, Brauereifotos, rustikales Interieur und eine Speisekarte, die die Ruckizucki-Volksfestkulinarik im Bierzelt um Längen schlägt. Die Tauberquelle steht für schwäbische Tradition, und das nicht erst seit die neuen Betreiber Gabriele Czieslik und Frank Schäfer an den Start gegangen sind. Schon 1879 war das Lokal in der Torstraße/Ecke Nesenbachstraße im Stuttgarter Adressbuch zu finden. Regionaler geht es kaum: Kutteln im Trollingersößle und Kässpätzle sind selbstverständlich im Angebot, auch Rostbraten und Rinderkraftbrühe, Gaisburger Marsch und Tafelspitz gehören zu den Klassikern auf der Karte.

Wir machen den Maultaschentest, geröstet mit Ei, samt gemischtem Salat (9,80 Euro) - und sind begeistert. Ein Teller voll knuspriger Streifen mit reichlich Spinat-Fleisch-Füllung, deftig gewürzt, die perfekte Hausmannskost. Auch das Salatallerlei im Schälchen überzeugt: eine Mischung aus Rettich, Gurke, Radieschen, Lollo rosso und einem Klacks Kartoffelsalat wie er die Geschmacksknospen der Schwaben befriedigt: mit leichter Säure und gut temperiert, denn nichts ist schlimmer als Kartoffelsalat direkt aus dem Kühlschrank.

Nur Schwäbisches ist den Schäfers zu wenig

Uneingeschränkt zu empfehlen ist auch das Rinderfilet mit grüner Pfeffersoße, Kartoffelgratin und frischem Gemüse (19,90 Euro). Die fein gehobelten Kartoffelscheiben haben noch Biss, daran schmiegt sich eine sämige Soße, deren scharfe Körnchen beim Zerbeißen wie Feuerwerkskörper explodieren. Unter das Spektakel mischen sich grüne Zuckerschoten, Pilze und Karottenstücke. Dazu passt ein Glas Bischoffinger Grauburgunder vom Kaiserstuhl (0,25 l für 4,50 Euro), die badische Winzergenossenschaft produziert auf fruchtbarem Lössboden wunderbare Burgundersorten.

Nur Schwäbisches ist den Schäfers zu wenig, sie haben gleich noch die Tiroler Küche in die Tauberquelle mit einziehen lassen. So haben Brettljause, Schlutzkrapfen - quasi das Tiroler Pendant zu Maultaschen - und Hirschgulasch ihre Daseinsberechtigung auf der je nach Saison wechselnden Karte erhalten. Die Maroniknödel mit karamelisiertem Obst (6,50 Euro) werden auf einem Zwetschgenmusbett serviert, ein leckerer Herbstgruß, Kartoffelteigbällchen mit einem nussigen Kern.

"Schön urig soll es sein", sagt Frank Schäfer. Er hat Erfahrung mit schwäbischer Gemütlichkeit. Als Caterer ist er mit seiner Partnerin Gabriele Czieslik auf dem Weihnachtsmarkt und dem Sommerfest vertreten, mit der Tauberquelle sind die beiden sesshaft geworden. Schon in den 90ern hat Gabriele Czieslik noch unter anderen Pächtern dort bedient, und den beiden war klar: "Wenn wir mal in Stuttgart ein Lokal übernehmen, dann dieses."

Tauberquelle, Torstraße 19, Stuttgart-Mitte, Telefon 5532933, geöffnet montags bis samstags von 11.30 bis 24 Uhr, im November und Dezember auch sonntags 11.30 bis 23 Uhr, außerdem gibt es einen Biergarten und Mittagstisch, www.tauberquelle-stuttgart.de.

Über Tipps und Infos zum Thema Essen und Trinken in der Region freut sich die Redaktion (per E-Mail an d.eberhardt@stz.zgs.de)

Kommentare (1)
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JAN
09
Jensi Feuerbach, 14:38 Uhr

Tauberquelle, Schwäbischer geht es nicht?

Aufgrund der doch sehr guten Bewertung in der SZ, bestellten wir für den Geburtstagsschmaus unserer Oma/Mutter einen Tisch für 7 Personen in der Tauberquelle. Wir waren wenige Minuten nach 18.00 Uhr in der recht engen, aber urigen Tauberquelle angekommen. Der Tisch war leider nicht vorbereitet. Es mußten erst 2 kleinere Tische zusammengestellt werden und ein an einem dieser Tische platziertes Pärchen an die Theke "verscheucht" werden. Das kann aber schon mal passieren... Wir bestellten sowohl aus der normalen Karte, als auch aus der speziellen Winterkarte unsere Gerichte. Auf der Speisekarte gab es außer den üblichen Kässpätzle leider kein weiteres vegetarisches Gericht. Um so erfreulicher, daß die Bedienung (Chefin?) kein Problem damit hatte, unserer Vegetarierin einen gemischten "Beilagen-Teller" zu notieren. Dies ist in vielen Stuttgarter Lokalen immer noch ein großes Problem... Die kräftige Brätflädle-Suppe war zwar etwas klein, aber schmeckte gut und machte Hunger auf den Hauptgang. Am Zwiebelrostbraten mit krossen Bratkartoffeln gab es (fast)nichts auszusetzen. Bei der Zwiebelzubereitung zu diesem "Nationalgericht" gibt es beim Schwaben allerdings meist den Wunsch zur gröschteten, statt der hier servierten nur glasig geschmälzten Variante. Die Spätzle waren zwar nur durchgedrückt, statt (original) geschabt, aber geschmacklich ganz o.k. Die Kutteln im "Trollingersößle" wurden leider nur in einer recht dünnen "Supp" serviert - das geht natürlich nicht - hier wünscht sich der Schwabe eine deutlich dickere Konsistenz, um die dann wieder sehr guten Bratkartoffeln darin zu tränken. Die Kutteln selbst waren aber soweit in Ordnung. Nun fehlte nur noch eine Portion knusprige Gänsebrust am Tisch. Stattdessen wurde aber gefragt, wer denn den Gaisburger Marsch bestellt hätte? Die Bedienung stellte dann fest, daß sie selbst offenbar ihre eigene Schrift auf dem Küchenzettele nicht mehr lesen könne und somit das falsche Essen gekocht wurde. Nun freute sich unsere Exil-Schwäbin aus den USA aber schon den ganzen Tag auf eine knusprige Gänsebrust und nahm daher die angekündigte Wartezeit von 20 Minuten zu Lasten eines Nachtisches dennoch auf sich. Da die Gaststube mittlerweile voll war, dauerte die "Nachlieferung" aber deutlich länger und wurde dann erst an den Tisch gebracht, als hier bereits der Nachtisch fast verspeist war - das geht natürlich nicht und man hätte hier einen besseren Vorschlag machen sollen, als eine Tasse Kaffee auf Kosten des Hauses anzubieten. Leider war die (vermutlich aufgetaute) Gänsebrust dann auch noch alles andere als knusprig. Das Wichtigste, die krosse Haut, lag nämlich nur total schlonzig in der Soße und die Unterseite der Brust war sogar schwarz angebrannt. Hätte man eigentlich sofort zurückgehen lassen sollen, aber unsere "Auswärtige" wollte nun kein weiteres Aufhebens mehr machen.... Da wir dann auch noch beim extra von der Bedienung angepriesenen Lebkuchenparfait mit heißen Zimtkirschen auf die hier so wichtigen Kirschen zu Gunsten eines Streifen Erdbeer(gsälz?)sößle verzichten mußten (Begründung: "die Kirschen sind leider schon aus" - um 19.30 Uhr...?!), machte sich etwas Unmut am Tisch breit und die Chefin(?) verzichtete daher auf die Berechnung dieses Nachtisch. Die auch bestellten schwäbischen Apfelküchle, lagen vermutlich auch schon einige Zeit unter der Warmhaltelampe und waren daher "sau woich - also au nix Berühmts"... In der Summe ging bei uns im Gegensatz zum SZ-Testergebnis doch einiges schief. Vermutlich hätten wir an einem anderen Wochentag kommen sollen - so erhielten wir leider ein typisches "Montagsessen" für Touristen - darauf ist ein echter Schwabe aber nicht wirklich scharf drauf...

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