Tauschbörse am Postmichel-Brunnen in Esslingen Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters

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Die Tauschbörse für ungeliebte Weihnachtsgeschenke hat sich am Samstag einer regen Nachfrage erfreut. Genau genommen war sie gelebte nachweihnachtliche Harmonie: Was den einen graust, hat den anderen gefreut.

Auch hübsch . . . Foto: Horst Rudel
Auch hübsch . . .Foto: Horst Rudel

Esslingen - Schlechter Geschmack kennt keine Grenzen. Das ist die eine Erkenntnis, die sich am Samstag angesichts der skurrilen Parade von in Ungnade gefallenen Weihnachtsgeschenke am Esslinger Postmichelbrunnen aufgedrängt hat. Das muntere Hin und Her an der nachweihnachtlichen Tauschbörse hat auch gezeigt: es ist nichts so hässlich, als dass nicht doch noch irgendjemand seinen Gefallen daran finden könnte.

„Es ist richtig viel los“, sagt Sven Seuffert-Uzler. Der Leiter der Kommunikation des Modehauses Kögel hat Standdienst und erklärt den tauschwilligen Besuchern die Idee, die hinter der von der Händlergemeinschaft Postmichelbrunnen zum dritten Mal angebotenen Tauschbörse steckt. Wer ein unliebsames Geschenk loswerden will, tauscht es je nach geschätztem Wert gegen einen, zwei oder drei Postmichel-Taler. Wer will und keine Skrupel hat, sein Fensterbild (Nikolaus mit Rentierschlitten) gegen ein alternatives Fensterbild (Rentierschlitten mit Nikolaus) einzuhandeln, kann seine Taler gleich wieder ausgeben. Zur Wahl steht allerdings auch noch eine Computer-Schutzhülle, deren schreiendes Rot-Rosa an Körperverletzung – die Augen! - grenzt. Immerhin erschließt sich bei der Tablet-Hülle der Gebrauchswert auf den ersten Blick – sofern man sich traut, die Augen wieder zu öffnen. Doch zu was ein originalverpackter Panasonic 1080i DMW-SDP 1 taugt, wird auch durch die rückseitige Kennung LSP KOO 24 nicht zweifelsfrei geklärt.

Schlechtes Gewissen inklusive

Derweil versuchen zwei Fernsehteams, das muntere Bäumchen-wechsle-dich-Spiel mit der Kamera zu dokumentieren. Das ist nicht leicht. Die noch so charmant vorgetragenen Interviewwünsche prallen am schlechten Gewissen der Einlieferer ab. Zu groß wäre die Not, müsste man erklären, weshalb man das von Herzen kommende Geschenk der Schwiegermutter umgehend wieder zu Markte getragen hat.

Sven Seuffert-Uzler tut sich mit einer Erklärung da leichter. „Wir verkaufen die übrig gebliebenen Waren in drei Wochen an gleicher Stelle im Rahmen unseres Benefiz-Marktes“, sagt er. Unter dem Motto „Fundstücke“ organisieren die Postmichel-Händler gemeinsam mit der Stiftung Johana am Samstag, 6. Februar, einen Flohmarkt für den guten Zweck. Der Erlös – das als möglicher Trost für die Schwiegermütter – geht an ein Frauenhaus in Bolivien.

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